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Leben

Wenig Möglichkeiten für Senioren

Mehrgenerationen-Häuser oder kreative Wohnformen kann man in Neumarkt lange suchen – zum Ärger von Karin Larsen-Lion.
Von Katrin Böhm

Fast wie eine Familie, nur ohne Blutsverwandtschaft: die Bewohner einer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft in Eyach im Kreis Tübingen. Foto: Schmidt/dpa
Fast wie eine Familie, nur ohne Blutsverwandtschaft: die Bewohner einer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft in Eyach im Kreis Tübingen. Foto: Schmidt/dpa

Neumarkt.Dass jemand zumindest in einem unbemerkten Moment genervt die Augen verdreht, wenn sie wieder mit ihren Seniorenthemen anfängt, das ist Karin Larsen-Lion gewohnt. Frustrieren lässt sie sich davon nicht, aufregen muss sie sich darüber aber auch nach Jahrzehnten noch. Zum Beispiel über Lokalpolitiker, „die keine fünf Meter weit denken können“. Die Förderprogramme für Familien aufstellen, sich aber nicht darum kümmern, was eigentlich mit den ganzen alten Menschen passieren soll, wenn die sich mal nicht mehr um sich selbst kümmern können.

„Wir haben sehr viele Eigenheimbesitzer, für die es schwer vorstellbar ist, sich plötzlich zu verkleinern und umzuziehen.“

Karin Larsen-Lion

Seit Jahren beschäftigt sich Karin Larsen-Lion mit alternativen Wohnformen für Senioren – darum geht es auch in diesem Teil der monatlichen Tagblatt-Serie „Gesund älter werden“. Das Problem: Derzeit gibt es keine nennenswerten Alternativen zum Altwerden im eigenen Haus oder dem letzten Lebensabschnitt im Seniorenheim. „Im Landkreis sieht es da sehr mau aus“, sagt Larsen-Lion. Zum einen liegt das an den Bürgern selbst. „Wir haben sehr viele Eigenheimbesitzer, für die es schwer vorstellbar ist, sich plötzlich zu verkleinern und umzuziehen.“ Und wo wenig Wünsche geäußert würden, da würden auch viele Kommunen gerne die Augen verschließen vor künftigen Problemen.

Drastische Entwicklung: So haben sich die Altersgruppen im Landkreis verschoben:

Denn genau das passiere im Landkreis, kritisiert Larsen-Lion. „Die Hälfte der Bürgermeister sagt: Brauchen wir nicht, können wir nicht auch noch leisten. Zu teuer, keine Zeit.“ Für Larsen-Lion ist das der falsche Ansatz. „Wir müssen etwas machen. Wir werden ein Heer von alten Leuten haben, die versorgt werden müssen.“ Den Verweis auf bäuerliche Strukturen, dass es im Landkreis schon noch klappe, hält sie für riskant. Auch hier sei es nicht mehr normal, dass sich Angehörige um alte Familienmitglieder kümmern. Es sei Aufgabe der Politik, sich hier nicht herauszuhalten, sondern rechtzeitig gegenzusteuern.

Karin Larsen-Lion fordert von der Politik mehr Einsatz. Foto: Regnet
Karin Larsen-Lion fordert von der Politik mehr Einsatz. Foto: Regnet

Eine Vorzeigekommune ist für Larsen-Lion ihre eigene Kommune, Pyrbaum. Pyrbaum leiste sich als einzige Gemeinde im Landkreis in Kooperation mit der Diakonie eine Sozialraum-Koordinatorin, sagt die SPD-Markträtin und Seniorenbeauftragte. Klingt sperrig, ist aber einfach erklärt: Carmen Salomon ist die Schnittstelle zwischen den Senioren der Gemeinde auf der einen und Anbietern von Dienstleistungen auf der anderen Seite. Egal, was Senioren brauchen, sie melden sich einfach bei Carmen Salomon – und die vermittelt dann.

So ist es um Einrichtungen für Senioren im Landkreis bestellt:

Als einzige Kommune im Landkreis bietet Pyrbaum laut Larsen-Lion außerdem nicht nur Zuschüsse für barrierefreie Umbauten, sondern auch ein Paket „Betreutes Wohnen zuhause“ an. Denn alles barrierefreie Wohnen nutzt nichts, wenn es niemanden gibt, der einkauft oder putzt. Für 50 Euro pro Monat – Ehepaare zahlen 70 – haben Senioren ein Anrecht auf einen „Paten“, der einmal pro Woche vorbeikommt und nach dem Rechten schaut, bekommen zu ermäßigten Preisen Fußpflege oder einen Friseurbesuch zu Hause vermittelt oder können alles klären lassen, wenn es um Pflege geht. Koordiniert wird alles von Carmen Salomon. Das Gesamtpaket werde gar nicht so häufig gebucht, sagt Larsen-Lion, einzelne

So geht es anderswo

  • Wohnprojekt „Olga“ in Nürnberg:

    Hier wohnen elf Seniorinnen in einem Haus der wbg Nürnberg zur Miete, ein interner Vertrag regelt die Bedingungen für das Gemeinschaftsleben als GbR. Jede hat eine eigene kleine Wohnung mit Küche und Bad, es gibt aber auch eine Gemeinschaftswohnung und einen gemeinsamen Garten.

  • Mehrgenerationenhäuser:

    In zahlreichen Städten in Deutschland gibt es Mehrgenerationenhäuser, in denen die Mieter verpflichtet sind, sich zu helfen. Eine bunt gemischte Hausgemeinschaft könnten sich auch viele Menschen zwischen 60 und 70 Jahren im Landkreis Neumarkt vorstellen, sagt Karin Larsen-Lion.

  • Veranstaltung in Neumarkt:

    Am 11. Juli findet im Landratsamt von 10.30 bis 16.30 Uhr ein „Tag des Wohnens“ statt. Es gibt Vorträge, Wohnformen und Projekte in anderen Orten werden vorgestellt. Zielgruppe: Privatleute allen Alters, Lokalpolitiker und Bau-Unternehmer.

Dienstleistungen und Angebote der Koordinatorin würden aber sehr gut angenommen. „Vielen geht es darum, einfach einen Ansprechpartner zu haben, an den sie sich bei allen Fragen wenden können.“

Eigentlich, so findet Larsen-Lion, müsste das in jeder Kommune gang und gebe sein. Die Kosten seien auch nicht ausufernd – vielleicht 40 000 Euro pro Jahr für die Stelle. Außerdem müsste der Landkreis endlich ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept aufstellen, fordert sie. „Alles andere ist viel zu kurzfristig gedacht.“

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