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E-Sport

Wenn der FCN Deutscher Meister wird

Zwei E-Sportler spielen für den Club in der virtuellen Fußballwelt um Titel. Bleibt die Frage: Ist E-Sport überhaupt Sport?
Von Thorsten Drenkard

E-Sport wird weltweit immer beliebter. Auch in Deutschland ist das professionelle Zocken an der Konsole auf dem Vormarsch. Foto: dpa
E-Sport wird weltweit immer beliebter. Auch in Deutschland ist das professionelle Zocken an der Konsole auf dem Vormarsch. Foto: dpa

Nürnberg.Im Mai werden es 50 Jahre, dass fränkische Fußballer-Helden wie Roland Wabra, Ferdinand Wenauer, Franz Brungs oder Heinz Strehl letztmals die Deutsche Meisterschaft für den einst so ruhmreichen 1. FC Nürnberg gewannen.

Dass die (Noch)-Zweitliga-Kicker von Coach Michael Köllner in naher Zukunft ihren jubelnden Fans die Meisterschale auf dem Nürnberger Hauptmarkt stolz werden präsentieren können, darf getrost als spinnerte Träumerei abgetan werden.

Dennoch ist ein Titelgewinn des Club in absehbarer Zukunft keinesfalls unrealistisch – auch wenn es sich dabei um einen Triumph in der virtuellen Welt handeln wird. Denn der fränkische Verein setzt nicht nur auf den traditionellen Kick auf dem Fußballrasen, sondern seit Oktober 2017 auch auf professionelles Zocken an der Spielekonsole – „E-Sport“ lautet das Zauberwort, das für ambitioniertes Daddeln auf Top-Niveau steht.

Daniel „Bubu“ Butenko zockt professionell für den 1. FC Nürnberg. Foto: Britta Schultejans/dpa
Daniel „Bubu“ Butenko zockt professionell für den 1. FC Nürnberg. Foto: Britta Schultejans/dpa

Die Hoffnungen der FCN-Fans auf die nächste (digitale) Meisterschale ruhen demnach auf den Schultern von Daniel „Bubu“ Butenko (18 Jahre) und Kai „Hensoo“ Hense. Der Club hat mit den beiden Profis jeweils einen Arbeitsvertrag abgeschlossen: „Bubu“ und „Hensoo“ erhalten vom FCN jeweils ein festes Monatsgehalt – es soll im niedrigen vierstelligen Bereich liegen –, im Umkehrschluss spielt das Duo im Namen des 1. FC Nürnberg bei offiziellen Turnieren in der digitalen und virtuellen Welt um Siege, Titel, Meisterschaften – wie beispielsweise in der Referenzserie Fifa, bei der „Bubu“ 2016 die Deutsche Meisterschaft der Virtuellen Bundesliga gewann.

Ganz bewusst hat sich der 1. FC Nürnberg nun als einer von bislang nur acht Erst- und Zweitligisten (Schalke, Wolfsburg, Stuttgart , Leipzig, Köln, Leverkusen und Bochum) in die bislang von deutschen Fußballvereinen kaum erschlossene E-Sport-Welt gewagt. Das hat aus Marketingsicht vor allem strategische Gründe, in BWL-Deutsch spricht man von „Positionierung“.

eSports als Chance für Vereine

So hat man beim 1. FC Nürnberg registriert, dass „die Themen ,E-Sport‘ und ,Digitalisierung’ immer wichtiger werden und eine Vielzahl an Chancen für den Sport, den Verein und die Mitglieder bieten“, wie FCN-Finanzvorstand Michael Meeske findet. Das Kerngeschäft sowie das Hauptaugenmerk seien und blieben zwar „der reale Sport sowie das Streben nach sportlichem Erfolg“. Aber die positive Resonanz aus dem Umfeld auf den Schritt des Vereins in die virtuelle Welt, bestätige das noch ungewöhnliche Engagement des Club.


Unsere Reporter Thorsten Drenkard und Lothar Röhrl haben unterschiedliche Meinungen zum Thema E-Sports. Was sie über das Thema denken, lesen Sie hier.

Derzeit hat der FCN laut Meeske den Anspruch, „das Projekt budget-/kostenneutral umzusetzen und – idealerweise – nach Abzug aller Kosten einen Mehrwert für uns zu generieren, finanziell wie ideell.“ Die Chancen, dass über kurz oder lang tatsächlich ein erklecklicher Betrag in die klammen Kassen des Zweitligisten fließt, sind so unwahrscheinlich nicht – denn: E-Sport boomt.

„Die Themen ,E-Sport‘ und ,Digitalisierung’ immer wichtiger werden.“

Michael Meeske, FCN-Finanzvorstand

So will das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Deloitte errechnet haben, dass der Umsatz der E-Sport-Sparte in Deutschland durch Turniere und Events von aktuell rund 50 Millionen Euro auf zirka 130 Millionen Euro steigen wird. Zum Vergleich: Sämtliche 14 Vereine der Deutschen Eishockey Liga erwirtschafteten laut des Informationsdienstleisters Sponsors zuletzt 122 Millionen Euro.

Profi-Daddler wie „Bubu“ oder „Hensoo“ treten längst bei großen internationalen Turnieren auf, die entweder im Fernsehen übertragen (Sport1) oder über Plattformen wie Twitch in die weite reale Welt hinaus gestreamt werden. Auch in Deutschland gibt es Großveranstaltungen, die vor tausenden E-Sport-Fans unter anderem in der Kölner Lanxess Arena verfolgt werden.

Im E-Sport läuft bei Fifa 2018 auch nicht immer alles glatt, wie „Bubu“ Butenko via Twitter zeigt:

Hierzulande tritt E-Sport kontinuierlich immer mehr ins öffentliche Bewusstsein, in Ostasien ist es längst das große Ding. Das Asiatische Olympische Komitee hat mittlerweile E-Sport gar ins Programm für die Asienspiele aufgenommen. Demnach soll es im Jahr 2022 auf dem virtuellen Spielfeld erstmals um Olympisches Gold gehen.

Wie denken die Neumarkter über E-Sports? Unser Mitarbeiter Luis Münch hat sich in der Stadt umgehört:

Wie denkt Neumarkt über E-Sports?

In Deutschland ist man zwar noch nicht so weit, aber auch hierzulande hat die Politik das Thema „E-Sport“ für sich entdeckt: So sind im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD beispielsweise die Unterstützung einer olympischen Perspektive sowie die offizielle Anerkennung von E-Sport als Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht festgehalten.

Sollte das geschehen, dürften sich Vereine wie beispielsweise der 1. Berliner eSport-Club in Zukunft gemeinnützig nennen und würden in den Genuss von Fördergeldern kommen – was aktuell nicht der Fall ist.

Kritik vom DFB-Präsident

Das gefällt längst nicht allen. Prominentester Gegner dieses Vorstoßes ist derzeit DFB-Präsident Reinhard Grindel, für den der Fußball auf den Rasen gehöre und „mit anderen Dingen, die computermäßig sind“, nichts zu tun habe, wie er dem Weser-Kurier sagte. Demnach dürfte der oberste deutsche Fußball-Boss recht wenig vom Vorstoß des 1. FC Nürnberg auf das virtuelle Spielfeld halten.

Die FCN-Zocker „Bubu“ und „Hensoo“ ficht das nicht an, warum auch – denn Daniel Butenko findet: „Dass es für jeden doch ein Traum ist etwas mit Fußball zu tun zu haben.“ Und wenn es vor dem Bildschirm mit einem Controller in der Hand ist. Für seinen Meistertitel 2016 in der Virtuellen Bundesliga erhielt „Bubu“ ein Preisgeld von 10.000 US-Dollar. Insgesamt hat er in seinen zwei Jahren als E-Sportler laut der E-Sport-Informationsplattform esportsearnings.com 11,529 US-Dollar erspielt.

Damit ist „Bubu“ welt- und deutschlandweit (noch) ein kleiner Fisch: Unter den Deutschen Zockern steht der 25-jährige Kuro Takhasomi mit erzockten 3,58 Millionen US-Dollar bei 85 Turnierteilnahmen einsam an der Spitze, was auch global den Spitzenplatz bedeutet.

Zwischen vier und fünf Stunden spielt der 18-Jährige „Bubu“ Butenko täglich an der Konsole. Weil es noch kein Trainingszentrum wie bei den realen Fußballern gibt, trainiert Butenko regelmäßig im Keller seiner Eltern in Neumarkt/St. Veit die Lauf- und Passwege der virtuellen Ronaldos, Özils oder Kerks. Von nichts kommt eben nichts – das gilt im echten Leben, in dem er eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Bahn absolviert, wie in der digitalen Welt.

Beim jüngsten Finalturnier um die Meisterschaft in der Virtuellen Bundesliga im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund Anfang April reichte es für den Cluberer „Bubu“ nicht zum neuerlichen Titel nach dem Erfolg 2016.

Nachdem sich der 18-Jährige erst per Wildcard qualifiziert hatte – beim Quali-Turnier in Düsseldorf war er nach Golden Goal gegen einen Spieler des FCA ausgeschieden –, war in der Ausscheidungsrunde Schluss.

Den Titel abermals zu gewinnen, „das wäre natürlich ein Traum“, hatte Daniel Butenko im Vorfeld gesagt. Es bleibt vorerst einer – ebenso wie der nächste Meistertitel der realen Club-Kicker.

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