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Region Neumarkt
Mittwoch, 15. August 2018 25° 6

Notfall

Wenn plötzlich das Herz versagt

Im Oktober erlitt ein junger Fußballer aus dem Landkreis Neumarkt einen Herzstillstand. Jetzt reagieren viele Vereine darauf.
Von Bernhard Neumayer

Ein Defibrillator und eine Herzdruckmassage retteten einem jungen Fußballer aus Berg das Leben. Foto: Woitas/dpa
Ein Defibrillator und eine Herzdruckmassage retteten einem jungen Fußballer aus Berg das Leben. Foto: Woitas/dpa

Neumarkt.Der 19. Oktober 2017 wird einer Mutter aus Berg immer in Erinnerung bleiben. An diesem Donnerstagabend erlitt ihr damals 17-jähriger Sohn einen Herzstillstand während eines Fußballspiels. Er klappte auf dem Sportplatz zusammen und war bewusstlos. „Es war die Hölle“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Eine Krankenschwester, die zufällig als Zuschauerin vor Ort war, rettete dem jungen Mann mithilfe eines Defibrillators das Leben. Glücklicherweise war ein Gerät am Spielort. „Sonst hätte er wohl nicht überlebt.“

ASV will Defi installieren

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung ermittelten, dass jedes Jahr durchschnittlich pro 100 000 Einwohner 81 Menschen am plötzlichen Herztod sterben. Im Landkreis Neumarkt leben rund 130 000 Bürger. Umso wichtiger sind gut ausgebildete Ersthelfer und Defibrillatoren in den Vereinen.

An vielen Sportplätzen in Neumarkt fehlen allerdings die kleinen lebensrettenden Geräte. Der ASV Neumarkt, der Verein mit den meisten Abteilungen im Landkreis, will einen Defibrillator anschaffen, wie Vorsitzender Rüdiger Cedl auf Nachfrage sagt. Er soll im Fitnessraum angebracht werden. Wann, sei aber noch offen. Momentan denkt Cedl darüber nach, welches Modell er anschafft.

Auch im Sportheim in Berg wird in ein paar Wochen ein Defibrillator installiert, wie Abteilungsleiter Roland Haubner sagt. Er stand an der Seitenlinie, als das Herz des jungen Fußballers kurzzeitig aussetzte. „Man darf keine Angst haben und muss sich überwinden, zu helfen.“ Bei vielen Trainern liege der Erste-Hilfe-Kurs aber zu lange zurück. Deshalb haben sich die Berger bei einer Veranstaltung des Kardiologen Dr. Johannes Heck Tipps für Notfälle angeeignet.

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Kardiologe Dr. Johannes Heck demonstriert, wie man eine Herzdruckmassage ausführt. Foto: Stepper
Kardiologe Dr. Johannes Heck demonstriert, wie man eine Herzdruckmassage ausführt. Foto: Stepper

Das oberste Gebot in diesen Situationen ist für den Kardiologen: Keine Angst haben und helfen. „Einen Defibrillator kann jeder problemlos anwenden“, sagt Dr. Heck. Der Benutzer müsse das Gerät nur anschalten. Dann solle man den Anweisungen des Defibrillators folgen. Auf einem Display wird angezeigt, welche Schritte der Ersthelfer nacheinander befolgen muss: den Oberkörper des Patienten freimachen, die Elektroden des Geräts auf dem Brustkorb befestigen, dann den Betroffenen nicht mehr anfassen und die gelbe, blinkende Taste drücken. Dadurch stößt das Gerät einen Stromschlag aus, wenn der Patient Kammerflimmern hat.

Lebensnotwendige Tipps für Ersthelfer

  • Pech-Regel:

    Bei Gelenk- und Bänderverletzungen im Sport sollten diese vier Schritte nacheinander befolgt werden: Pausieren, kühlen, Druckverband anlegen und hochlagern. Bei Bedarf mit der Telefonnummer 112 den Rettungsdienst anfordern.

  • Bewusstlosigkeit:

    Verletzte, die normal atmen, aber nicht auf eine Ansprache reagieren, sollte man in die stabile Seitenlage bringen. Wichtig ist dabei, den Hals des Betroffenen zu überstrecken und den Mund leicht zu öffnen, damit dieser nicht erstickt, wenn er brechen muss.

  • Kreislaufstillstand:

    Bewusstlose Menschen, die nicht mehr normal atmen, müssen reanimiert werden. Zuerst muss der Helfer den Notarzt alarmieren, dann mit der Herzdruckmassage beginnen. Nach 30 Mal drücken folgen zwei Beatmungen.

  • Bei starker Blutung:

    Fließt sehr viel Blut, sollte ein Ersthelfer einen Druckverband anlegen. Dazu legt man den Verletzten hin, zieht Handschuhe an und wickelt den Verband um die verletzte Stelle. Wichtig ist, dass der Verband zwar unter Zug befestigt wird, zu stark sollte er aber nicht sein. (bn)

Im Notfall keine Angst haben

Der Leiter des BRK-Rettungsdienstes in Neumarkt, Werner Lorek, sagt, dass man als Ersthelfer fast nichts falsch machen kann. Hat eine Person zum Beispiel einen Herzstillstand, könne man es nicht mehr schlimmer machen. „Man darf nur keine Angst haben“, sagt Lorek. Alle zwei Jahre solle man den Erste-Hilfe-Kurs auffrischen. Jeder Bürger müsse im Notfall helfen und den Notarzt alarmieren.

Etwa einmal im Jahr muss der Neumarkter Circusverein Sanitäter rufen, sagt der Vorsitzende Alexander Radeck. Ist ein Trainer ausgebildeter Übungsleiter, muss er vorher einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Verletzt sich ein Turner, sind die Abläufe laut Radeck beim Circusverein klar: Der Trainer kühlt die Verletzung und betreut den Betroffenen, die Bedienung an der Theke alarmiert den Notarzt. Dass in den Trainingsräumen noch ein Defibrillator fehlt, ist Radeck bewusst. „Wir sind auf Sponsorensuche und wollen einen anschaffen.“

Über ein Crowdfunding-Projekt kamen 5500 Euro für einen Defibrillator in Sindlbach zusammen. Foto: Stepper
Über ein Crowdfunding-Projekt kamen 5500 Euro für einen Defibrillator in Sindlbach zusammen. Foto: Stepper

Der 1. FC Sindlbach dagegen hat sich über ein Crowdfunding-Projekt ein Gerät finanziert. Inklusive Installation und Wartung berechnet Vorsitzender Markus Fügl für den Defibrillator etwa 2500 Euro. Er hofft, dass der Verein ihn nie braucht. „Doch wenn er nur einmal ein Leben rettet, hat sich die Investition schon gelohnt.“

So war es auch im Fall in Berg: Heute, am 17. Mai 2018, geht es dem jungen Fußballer wieder gut. Der Auslöser für seinen Herzstillstand im Oktober war eine angeborene Rhythmusstörung. Seit Mitte Februar arbeitet der angehende Elektroniker wieder. Selbst Fußball spielt er schon wieder. Nur die Kondition fehlt noch, sagt die Mama und fügt noch hinzu: „Aber dafür ist er auch zu faul und trainiert zu wenig.“

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