MyMz
Anzeige

Energiewende

Windräder stören Erdbeben-Messstationen

Im Berchinger Ortsteil Raitenbuch dürften die Anlagen eigentlich gar nicht stehen. Das Landratsamt Neumarkt räumt ein, nichts gewusst zu haben.
Von Dagmar Fuhrmann

Der Bau von Windkraftanlagen ruft an vielen Orten Bürgerinitiativen auf den Plan. Foto: dpa

Berching/Beilngries.Nicht nur Anlieger und Vögel werden durch Windräder mehr oder weniger beeinträchtigt. Gegen den Bau weiterer Anlagen wehren sich inzwischen mehrere Bürgerinitiativen.

Aber auch Erdbebenmessstationen – von ihnen hat wahrscheinlich bisher kaum jemand Kenntnis genommen – werden durch nahe Windkraftanlagen in ihrer Funktion gestört.

Das Landratsamt Eichstätt hat wegen der Nähe von beantragten Anlagen in Aschbuch die Genehmigung verweigert. Hiergegen will der Projektant klagen.

Auch in Raitenbuch gibt es eine Erdbebenmessstation. Im Gegensatz zu Aschbuch, wo noch geplant wird, stehen in Raitenbuch und Umgebung inzwischen zehn Windkraftanlagen in einem Abstand von einem und drei Kilometern Entfernung. Das Landratsamt Neumarkt hätten also damals den Bau der Anlagen ebenfalls ablehnen müssen. Vielleicht hätte es dann die Windräder erst gar nicht gegeben.

Wieso die Anlagen trotzdem genehmigt wurden, erklärt der Pressesprecher des Landratsamts Michael Gottschalk damit, dass das Vorhandensein der Messstation schlicht und einfach nicht bekannt gewesen sei. Bei neuen Anträgen werde der Betreiber der Messstationen inzwischen gehört. „Wir sammeln immer weitere Erfahrungen mit Windrädern“, räumt Gottschalk ein. Seit Februar 2012 gebe es den Energie-Atlas, er ist eine Planungshilfe.

Zuständig für die Messstationen ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Sie informiert in einer Stellungnahme, was es mit den Stationen auf sich hat.

Die BGR betreibt zum Teil in Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen in Deutschland, ein Netz von seismologischen Breitbandmessstationen. Diese Messstationen seien hochempfindlich und in der Lage, Bodenbewegungen im Nanometerbereich (Millionstel Millimeter) aufzulösen. Herauszuheben sind hieraus die am längsten aufzeichnenden Messstationen, die 13 Standorte auf der Fränkischen Alb, gelegen zwischen Forchheim und Ingolstadt. Diese wurden in den Jahren 1975 bis 1980 eingerichtet und zeichnen seither kontinuierlich und digital die Bodenbewegungen auf. Es handelt sich hierbei um die ersten digitalen Breitbandstationen in Deutschland und das weltweit erste digitale Breitband-Array (Array = Zusammenschaltung von mehreren Messstationen zu einer Art Antenne). Die Daten dieser Stationen stellen einen einmaligen Referenzdatensatz in der Erdbebenbeobachtung dar. Gerade der Vergleich zwischen aktuellen und in der Vergangenheit gemessenen Daten ist von größter Bedeutung für die Beurteilung seismologischer Sachverhalte. Ein Fokus dieser Stationen liegt in der Beobachtung von weltweiten Erdbeben. Mit der Zunahme von anthropogen erzeugten seismischen Ereignissen wie etwa. durch Rohstoffabbau oder geothermische Energiegewinnung nimmt daher die Bedeutung der lokalen Seismizitätsüberwachung auch in Gebieten mit geringer natürlicher Seismizität zu.

Windenergieanlagen erzeugen durch Rotationsbewegung, Neigung und Turmschwingungen aufgrund der auftretenden Windlast Erschütterungssignale, die über den Turm und das Fundament in den Boden übertragen werden und die sich von dort in alle Richtungen ausbreiten. Diese Erschütterungssignale überlappen sich mit den charakteristischen Frequenzen von Erdbeben und überdecken die Erdbebensignale weitestgehend. Eine nachträgliche Entfernung dieser Störsignale ist nicht möglich. Dieser Effekt nimmt zwar mit der Entfernung ab, ist aber innerhalb von fünf Kilometer immer noch sehr relevant. So wurden bereits zwei Standorte des oben genannten Breitband-Arrays durch Windenergieanlagen nachweislich stark geschädigt. Sie seien in Eglhofen im Landkreis Amberg-Sulzbach und in Raitenbuch im Landkreis Neumarkt, wo jeweils mehrere leistungsstarke, 200 Meter hohe Windkraftanlagen im Abstand zwischen einem und drei Kilometer errichtet wurden.

Bei den bisher errichteten Windenergieanlagen im näheren Umkreis von seismologischen Messstationen wurde die BGR im dafür notwendigen Genehmigungsverfahren nicht beteiligt, insbesondere trifft dies auch für die beiden oben genannten Standorte zu. Dies hat sich zwischenzeitlich geändert. Die BGR gibt daher seit 2013 Stellungnahmen im Genehmigungsverfahren zur Errichtung von Windenergieanlagen ab, sofern ihre Anlagen von oben beschriebenen Auswirkungen betroffen sind.

So sei es auch in Aschbuch, im Landkreis Eichstätt gewesen. Hier seien fünf Windenergieanlagen in einem Abstandsbereich von einem bis 1,5 km zur nächstgelegenen Messstation geplant. Dies wäre eine größere Anzahl von Anlagen in einem noch geringeren Abstand als an den bereits betroffenen Standorten.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht