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Verkehr

Wird die Mühlstraße zur Fahrradstraße?

Die Mühlstraße in Neumarkt ist im Bausenat ein heiß diskutiertes Thema. Die Fahrradstraße ist noch nahezu unbekannt.
Von Stefanie Roth

Wie geht es nach der Bad-Baustelle (links) in der Mühlstraße für Fahrradfahrer weiter? Foto: Stefanie Roth
Wie geht es nach der Bad-Baustelle (links) in der Mühlstraße für Fahrradfahrer weiter? Foto: Stefanie Roth

Neumarkt. Vor allem morgens und mittags rauscht in der Mühlstraße ein Schulbus nach dem anderen um die Ecke. Dazu kommen Eltern, die ihren Nachwuchs mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen, und jede Menge Kinder, die zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs sind. Einige Fahrradfahrer beschreiben die beengten Verkehrsverhältnisse auf der Mühlstraße gerade zwischen der Mädchen- und Knabenrealschule als katastrophal.

Die Mittelbayerische hat sich dort umgesehen. Jörg O., 58 Jahre aus Neumarkt steigt von seinem Rad und schimpft: „Man weiß nicht, wie man fahren soll. Mich haben die Autos schon zweimal vom Rad runtergeholt. Man fällt hin und die fahren einfach weiter.“ Der „Hol- und Bringservice der Eltern“ sorge für zusätzlichen Verkehr. Jörg O. ergänzt: „Die Autofahrer nehmen keine Rücksicht auf Radler.“ Er würde die Schulen am liebsten zum Flugplatzgelände auslagern. Ein anderer Radler hält an und sagt: „Das ist eine Katastrophe hier. Da hopperts Dich durch wie Sau.“ Wenn der Blick zum Boden gleitet, sind Ausbesserungen im Asphalt und Risse zu sehen – ein einheitlicher durchgängiger Radweg fehlt derzeit.

Nürnberg als Vorbild

Die Frankenmetropole könnte hier ein echtes Vorbild sein. Erst kürzlich ist die erste Fahrradstraße entstanden. Diese gibt es nach Auskunft des Nürnberger Chef-Verkehrsplaners Frank Jülich erst seit den 90er-Jahren in der Straßenverkehrsordnung (STVO). „Es ist also eher ein neues Instrument, was aber in den Städten bisher eher selten eingesetzt wird.“ Auch ein Grund dafür, weshalb kaum einer die Beschilderung für die Fahrradstraße kennt. Der Fahrradverkehr muss für eine sogenannte Fahrradstraße laut Jülich das überwiegende Verkehrsmittel in einer Straße sein oder zumindest künftig werden.

Es müssen nicht unbedingt 50 Prozent Radler sein, aber 25 bis 35 Prozent benötige man schon. Grundsätzlich haben die Radfahrer dabei Vorrang, aber auch normaler Verkehr wie Autos oder Busse sind zulässig. Hierfür werde meist unterhalb des Fahrradstraßen-Schildes noch ein weiteres Symbol angebracht – für Autos oder Motorräder. Häufig müssen eben auch Anlieger einer Fahrradstraße zu ihrem Haus fahren. Jülich kann sich eine Fahrradstraße auch in kleineren Städten vorstellen: „Überall dort“, sagt er, „wo es dicht bebaut ist, wo man keine neuen Trassen reinlegen kann, dort ist es ein bewährtes Mittel.“

Als Experte weiß er, wie man vorgehen sollte, um die passende Lösung zu finden: „Man muss sich das gesamte Straßennetz anschauen und prüfen, wo die Hauptverkehrspunkte für Fahrradfahrer sind. Radfahrer wollen grundsätzlich sicher fahren und sie wollen dort fahren, wo sie wenig Autoverkehr haben.“

Meist haben die Autofahrer Vorrang, kritisiert CSU-Stadtrat Werner Thumann, selbst begeisterter Radler: „Die Belange der Radfahrer stehen oft nicht im Vordergrund. Neumarkt hat kein Gesamtkonzept für Radler.“

Erst kürzlich gab es eine Radler-Demo in Neumarkt. Derweil bestehe bis zum Jahr 2025 das Ziel, den Radfahrverkehr als Element der Klimaschutzstrategie erheblich auszudehnen, wie Thumann mitteilt: „Da geht es auch um die Gesundheit und die ökologisch korrekte Fortbewegung der Menschen.“

Die Stärksten auf der Straße


Die Fahrradstraße ist ein Symbol dafür, dass nicht immer die Autofahrer die Stärksten auf der Straße sein müssen. Ob diese allerdings tatsächlich ein Lösungsansatz für Neumarkt ist, bleibt unklar. Der Verkehrsreferent im Bausenat in Neumarkt, Jakob Bierschneider, hatte kürzlich die Idee von einem Shared Space eingebracht und sagt zum Vorschlag einer Fahrradstraße nur: „Jede Option, die eine Verbesserung der derzeitigen Situation bringt, ist willkommen. Jeder Vorschlag unterliegt der rechtlichen und tatsächlichen Machbarkeit. Sinnvoll ist jedoch, alle Möglichkeiten auszuloten. Dabei gibt es keine Denkverbote.“

Die gute Nachricht ist: Das unübersichtliche Treiben mitsamt schwerer Baustellen-Lkw in der Mühlstraße wird in absehbarer Zukunft ein Ende haben. Für Radfahrer kann das eine große Chance für Veränderung bedeuten. Laut Bierschneider soll die Neugestaltung der Straße bis zur Eröffnung des Ganzjahresbades abgeschlossen sein.

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