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Wirtschaft

WM-Aus verhagelt manchem das Geschäft

Das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft ist für manche Branche ein böses Foul. Das Interesse am Turnier aber bleibt.
Von Lothar Röhrl

  • Gut 300 Fans waren zum Public Viewing ins „Abseits“ gekommen. In der Anfangsphase gab es noch entspannte Gesichter. Foto: Röhrl
  • Einmal gab es doch Jubel: Als der Linienrichter beim 1:0 für Südkorea die Abseitsfahne hob. Doch der Jubel war umsonst. Foto: Röhrl
  • Das Spiel ist aus und hinterlässt fassungslose Fans aus Neumarkt. Foto: Röhrl

Neumarkt.Manche Träne ist getrocknet, aber diskutiert wird immer noch heiß. So sah der Tag nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM bei vielen Fans aus. Etwas problematischer ist das unerwartete und vor allem ungewöhnlich frühe Aus einer DFB-Elf bei einem großen Turnier vor allem für die Gastronomie und Firmen, die mit Unterhaltungselektronik ihre Geld verdienen.

Je länger das Spiel dauerte, umso mehr verdüsterte sich die Miene von „Abseits“-Wirt Franz Lugert.  Foto: Röhrl
Je länger das Spiel dauerte, umso mehr verdüsterte sich die Miene von „Abseits“-Wirt Franz Lugert. Foto: Röhrl

Die Hoffnung auf vier Wochen Zusatzeinnahmen ist schon nach zwei Wochen geplatzt. Dennoch gab es in Neumarkt auch schon am Tag nach den 99 Minuten von Kazan neue Pläne nach dem Motto „Jetzt werden eben kleinere Brötchen gebacken“.

Dreimal boomte es gewaltig

Das Ergebnis sorgte natürlich für Diskussionsstoff wie hier bei Uwe Gailler (l.) und Alois Völkl (r.). Foto: Röhrl
Das Ergebnis sorgte natürlich für Diskussionsstoff wie hier bei Uwe Gailler (l.) und Alois Völkl (r.). Foto: Röhrl

Dabei hatte es richtig gut begonnen. Zwar hat es heuer in Neumarkt nicht das ganz große Public Viewing wie einst am Volksfestplatz und davor auf dem Gelände an der Dammstraße gegeben. Dafür haben sich Wirte umso mehr ins Zeug gelegt. Wie beispielsweise Franz Lugert. Der Wirt des „Abseits“ in der Ingolstädter Straße hat mit „Weltmeisterschaft unter Palmen“ geworben, dafür eigens einen Stadtstrand aufgeschüttet und neben der mit Liegestühlen bestückten Sandfläche Dutzende von Biertischgarnituren aufgestellt. Dazu hatte er die Großleinwand einer auf Medientechnik spezialisierten Firma aus Postbauer-Heng geordert. Lugert wollte Openair alle Deutschland-Spiele zeigen. Auf nur drei ist er gekommen. Mit jeweils gut 300 Gästen war ein ihn sehr zufriedenstellender Auftakt gemacht. Entsprechend verdüsterte sich Lugerts Miene nach der 1:0-Führung der Südkoreaner.

In seiner ersten Reaktion wollte Lugert am Mittwochabend kein einziges Public Viewing mehr anbieten. Nur über die drei Bildschirme im Inneren der Wirtschaft sollte die restliche WM laufen. Am Donnerstagnachmittag hörte sich Lugert etwas mutiger an: „Wir überlegen uns, zum Endspiel wieder ein Public Viewing zu bieten.“ Den Stadtstrand betreibe er schon allein wegen der Konzerte – das nächste am Samstag mit Lennox – weiter.

Ganz die Flinte ins Korn werfen möchte auch Stephan Salchenegger vom „Freiraum“ nicht. „Das war jedes Mal eine Stimmung wie im Stadion“, schwärmte der Bistro-Betreiber. Und gerne hätte er noch mehr Trikots der deutschen Nationalmannschaft verlost. Für den exakten Tipp gab es lediglich beim gewonnenen Schweden-Spiel zwei Gewinner. Gegen Südkorea habe kein einziger einen Sieg der Asiaten erwartet. Mit kleineren Gewinnen (Freibier, Burger) will Salchenegger aber erst ab dem Viertelfinale wieder Spiele zeigen. Wie Kollege Lugert habe auch er nur kurz vor jedem Spiel Getränke bestellt. Diese Vorsicht zahle sich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes aus.

Jetzt wollen wir von Euch etwas wissen:

Große Turniere sind auch große Zeiten fürs Grillen – meint man. Das sei aber ein Irrtum, wie die Metzgerei-Chefin Gerlinde Walk der Mittelbayerischen sagte. „Ich habe nicht gemerkt, dass von Privatkunden wesentlich mehr Grillgut als sonst benötigt wird“, stellte die Mühlhausenerin fest. „Ich habe eh den Eindruck, dass die Fußballfans die Spiele lieber in Lokalen oder beim Public Viewing anschauen. Und dort gibt es was zu essen.“ Diese Betreiber würden das Aus jetzt sicher eher merken.

Wohl weniger TV-Geräte

Dabei gaben sich Gastronomen (wie hier die vom „Bayerischen Hof“) so viel Mühe bei der Dekoration.  Foto: Röhrl
Dabei gaben sich Gastronomen (wie hier die vom „Bayerischen Hof“) so viel Mühe bei der Dekoration. Foto: Röhrl

Natürlich ist jede Fußball-Weltmeisterschaft und -Europameisterschaft auch ein Fernsehfest. Und damit die beste Zeit, sich für daheim mit einem neuen Gerät einzudecken. Steffen Klier, Leiter der Abteilung Fernsehgeräte bei TEVI in Neumarkt, hatte das auch vor dieser WM festgestellt. Ohne Zahlen nennen zu können, sprach er von einem spürbar gestiegenen Umsatz in seinem Bereich. Normalerweise, wenn eine deutsche Mannschaft damit auch bis mindestens Halbfinale kommt, halte der gestiegene Verkauf auch noch bis dahin an. Aber jetzt? Er rechne schon damit, dass der Boom wohl jetzt abreiße. Um sich bestmögliche Stadionatmosphäre ins Wohnzimmer zu holen, hätten viele Kunden Geräte mit möglichst großer Diagonale beim Bildschirm gewählt. Steffen Klier berichtete, dass die Größe 75 Zoll (190,5 Zentimeter) begehrt war. Zu dieser Größer sollte es mit 4K Ultra-HD auch die aktuell beste Schärfe sein, die bei einem Fernsehgerät möglich ist.

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