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Immobilien

Wohnen in Neumarkt wird noch teurer

Die Preise explodieren auch 2018 – es ist kein Ende in Sicht. Dabei hat es Neumarkt noch gut – verglichen mit anderen.
Von Katrin Böhm

In Neumarkt wird gebaut ohne Ende – wie hier in der Nürnberger Straße. Foto: Ebus
In Neumarkt wird gebaut ohne Ende – wie hier in der Nürnberger Straße. Foto: Ebus

Neumarkt.Die schlechte Nachricht: Wohnen ist teuer. Und es wird wohl noch teurer. Die gute: Es könnte noch schlimmer sein – verglichen mit anderen Städten. Und die Zinsen sind immer noch so niedrig, dass ein Immobilienkauf verlockend ist, wenn man zumindest etwas Eigenkapital hat.

„Auch 2018 werden die Kaufpreise und Mieten steigen. Und bis der Preisgipfel erreicht ist, dürften noch einige Jahre vergehen.“

Willi Kirsch

„Der Immobilienmarkt boomt“, sagt Willi Kirsch, Regionalbeirat des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Als Marktberichterstatter beschäftigt er sich seit 20 Jahren mit sämtlichen Zahlen auf dem Immobilienmarkt und ist sich sicher: „Auch 2018 werden die Kaufpreise und Mieten steigen. Und bis der Preisgipfel erreicht ist, dürften noch einige Jahre vergehen.“ Dabei klettern die Preise schon seit langem. In den vergangenen zehn Jahren sind die Kaufpreise für Wohnungen in Neumarkt um 68 Prozent gestiegen. Zugleich sind die Zinsen um etwa 70 Prozent gesunken, sagt Kirsch.

Auch in der Altdorfer Straße wird gebaut. Foto: Ebus
Auch in der Altdorfer Straße wird gebaut. Foto: Ebus

Und weil das so ist, legen immer noch viele Menschen ihr Geld in Immobilien an, in denen sie dann gar nicht wohnen – die hohe Nachfrage hingegen lässt wiederum die Preise steigen.

„Der typische gierige Kapitalanleger sucht nicht Neumarkt.“

Willi Kirsch

„Der typische gierige Kapitalanleger sucht aber nicht Neumarkt“, sagt Kirsch. Und im Vergleich gebe es in Neumarkt immer noch mehr Eigennutzer als Kapitaleinleger. Denn viele Mieter nutzten die niedrigen Zinsen, um Eigentümer zu werden. „Normalverdiener haben jetzt sogar bessere Möglichkeiten, etwas zu kaufen als vor zehn Jahren“, sagt Kirsch. Zwar habe man 2008 noch für sechs Euro/Quadratmeter gemietet, die Zinsen lagen aber bei mehr als fünf Prozent. 2018 lag der Quadratmeterpreis bei 9,50 Euro, die Zinsen aber bei 1,5 Prozent. Damit spare ein Wohnungskäufer heute deutlich mehr als vor zehn Jahren.

Gleichzeitig steigt in Neumarkt das Angebot. Mit mehr als sieben Baugenehmigungen pro 1000 Einwohner liege Neumarkt an der bayerischen Spitze, sagt Kirsch. „Noch nie wurde so viel in Neumarkt gebaut wie jetzt.“

Neumarkt wird für viele Menschen immer attraktiver. Foto: Ebus
Neumarkt wird für viele Menschen immer attraktiver. Foto: Ebus

Das ist aber auch nötig – schließlich wächst die Stadt beständig. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Bürger um gut 1000 auf 39 900 an. Auch die Tatsachen, dass die Arbeitslosenquote niedrig ist – im Januar lag sie bei 2,3 Prozent – und Neumarkt als angenehmes Pflaster gilt – übrigens gerade bei Menschen aus dem Fränkischen – spielen eine Rolle, sagt Kirsch und liefert den Beweis in Form des neusten Focus-Rankings: Demzufolge liegt der Landkreis Neumarkt im bundesweiten Attraktivitäts-Vergleich mit 401 Landkreisen auf Rang 16.

So steht Neumarkt im Vergleich da:

Neumarkt im Wohnungs-Vergleich

  • Neumarkt:

    3700 Euro pro Quadratmeter muss man für eine neue Wohnung mit gutem Wohnwert hinlegen, eine Bestands-Wohnung kostet 2450 Euro/Quadratmeter. Wer mietet, zahlt für eine Wohnung im Neubau 9,50 Euro und 7,40 Euro für eine bereits existierende Wohnung.

  • Regensburg:

    Eine Neubau-Wohnung kostet 4800 Euro/Quadratmeter – 30 Prozent mehr als in Neumarkt, eine Bestandswohnung 3776 Euro (plus 59 Prozent). Wer eine neue Wohnung mietet, zahlt 12,53 Euro (plus 32), in einer Bestands-Wohnung sind es 10,33 Euro (plus 40).

  • Nürnberg:

    Eine neue Wohnung kostet 4200 Euro pro Quadratmeter (plus 13,5 Prozent im Vergleich zu Neumarkt), eine bereits existierende 3024 (plus 23,4). Neu gebaute Mietwohnungen kosten 12,83 Euro (plus 35 Prozent), bestehende Wohnungen 9,99 Euro (plus 35).

  • Ingolstadt:

    4800 Euro zahlt man für eine neue Wohnung, 30 Prozent mehr als in Neumarkt. Fast 60 Prozent mehr (3900 Euro/Quadratmeter) sind es bei Bestandswohnungen. Wer mietet, zahlt 14,24 Euro (plus 64 Prozent) für eine neue Wohnung, zwölf Euro (plus 62) für eine existierende.

„Neumarkt ist ein attraktiver Wohnstandort“, sagt Kirsch. Auch wenn die Stadt in Sachen weiche Standortfaktoren ruhig noch etwas Gas geben könne.

Doch auch von den Kauf- und Mietpreisen her biete Neumarkt durchaus noch „attraktive und gesunde Verhältnisse“. Dabei wurden binnen eines Jahres Eigentumswohnungen im Schnitt um acht Prozent teurer, Häuser um 6,5 Prozent. Und die Mietpreise stiegen von 2016 auf 2017 um sieben Prozent.

In dieser Grafik sehen Sie die Entwicklung der Mietpreise in Neumarkt:

Zu den Top-Lagen zählen in Neumarkt der Weinberg, der mit Abstand am teuersten ist, Wolfstein und Altenhof. Aber auch die Altstadt wurde laut Kirsch neu entdeckt. Und wer nicht genug Geld auf der hohen Kante hat, um in schönster Lage zu wohnen? Der muss eben „ein bisschen weiter raus“ – entweder in einen der Stadtteile, die weniger zentrumsnah sind, oder in den Landkreis. „Dadurch gibt es auch in den Randgebieten eine Dynamik“, sagt Kirsch. Und Menschen, deren Verdienst es nicht ermöglicht, zehntausende Euro anzusparen, um sich etwas zu kaufen? Dann wird es schwierig, denn zehn bis 20 Prozent Eigenkapital sollten es schon sein.

Willi Kirsch (Mitte) mit Franz-Josef Kirsch (rechts) und Matthias Haubner (links) in seinem Büro Foto: Böhm
Willi Kirsch (Mitte) mit Franz-Josef Kirsch (rechts) und Matthias Haubner (links) in seinem Büro Foto: Böhm

In Neumarkt selbst entstehen vor allem hochwertige Wohnungen – die Nachfrage gibt es her. Insgesamt sei es aber wichtig, „dass man auch dem mittleren Wohnwert gerecht wird“, sagt Kirsch. Auch eine ausgeglichene Wohnstruktur sei nötig – also, dass sowohl die Familie mit zwei Kindern als auch der Witwer in einem Wohnblock leben. Darauf legten die Bauträger aber ebenfalls Wert. Nicht vergessen werden dürfe außerdem die „Nachverdichtung“ in der Stadt, hier sei „Feingefühl bei der Stadtentwicklung“ gefragt.

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