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Sonntag, 19. August 2018 30° 2

Politik

Zoff um Eintrittspreise im Ganzjahresbad

40 Millionen Euro soll der Bau in Neumarkt kosten. Doch was den Gast vor allem interessiert: Wie teuer wird der Eintritt?
von Wolfgang Endlein

  • Wo derzeit schon Bagger erste Vorarbeiten für den sehr wahrscheinlich bald nahenden Baubeginn machen, sollen ab Ende 2020 die ersten Gäste saunieren und plantschen. Fotos: Endlein/M. Schön/Baumgarten/
  • Stadtwerke-Chef Dominique Kinzkofer wirkt entscheidend bei der Preisfindung mit. Foto: Ulrich

Neumarkt.Kopfschütteln, Stirnrunzel und empörtes Grummeln – die Rede von FLitZ-Stadtrat Dieter Ries in der Haushaltssitzung des Stadtrates eckte an (wir berichteten). Eine der Aussagen von Ries: Die „Oberbürgermeister-Saunalandschaft“ im geplanten Ganzjahresbad werden sich bei Eintrittspreisen von bis zu 20 oder 30 Euro nur Betuchte leisten können.

Was Stadtwerke-Leiter Dominique Kinzkofer von dieser Aussage und vielen anderen hielt, konnte man schon in der Stadtratssitzung sehen. Kopfschüttelnd begleitete er die Rede von Ries. Doch wie steht es nun um die Eintrittspreise beim Ganzjahresbad? Schließlich sind die angepeilten 40 Millionen Euro Baukosten für den einzelnen Neumarkter eher ein abstrakter Wert, schon wesentlich greifbarer wird es, wenn er für den Eintritt in den eigenen Geldbeutel greifen muss. Die MZ hat nachgefragt.

Mit Erlösen aus Eintritten simuliert

Bereits im frühen Stadium der Planungen für das Bad haben die Eintrittspreise eine Rolle gespielt, wie Kinzkofer erklärt. Bei der Frage, wie die unterschiedlichen Optionen des Bades im Betrieb funktionieren könnten, habe man Erlöse aus Eintrittspreisen hinterlegt. Mit welchen Eintrittspreisen konkret kalkuliert wurde, will Kinzkofer aber nicht verraten.

Gegen das Ganzjahresbad gab es zuletzt vermehrt Widerstand. Mehr erfahren sie darüber in diesem Artikel.

Auch weil der Stadtwerke-Chef mit Blick auf die tatsächlichen Eintrittspreise für das Bad, das Ende 2020 fertig sein soll, sagt: „Es gibt noch keine abgestimmten Preise“. Kinzkofer schiebt jedoch hinterher: „Aber es werden normale Preise“. Denn auch wenn der Stadtwerke-Chef noch keine konkreten Zahlen nennen will, über deren Findung gibt er durchaus Auskunft.

Der Infoartikel zeigt, was andere Bäder in der Region an Eintritt verlangen:

Kommunale Bäder in der Region

  • Bulmare:

    Das kommunal betriebene Bad in Burglengenfeld verfügt ähnlich wie das geplante Ganzjahresbad über einen umfangreichen Bade- und Saunabereich. Eintrittspreise für Erwachsene: zwei Stunden im Badebereich für fünf Euro; Sauna zwei Stunden für 15 Euro.

  • Berle:

    Das kommunale Bad ist mit 600 Quadratmetern Wasserfläche kleiner als das geplante Ganzjahresbad, auch gibt es nur ein Dampfbad. Deshalb sind die Eintrittspreise nur bedingt vergleichbar. Eintritt für Erwachsene: drei Euro für eineinhalb Stunden.

  • Kurfürstenbad: Das Bad unter der Leitung der Stadtwerke hat sieben Badebecken und eine Saunalandschaft. Der Eintritt für Erwachsene: eineinhalb Stunden kosten fünf Euro. zweieinhalb Stunden im Saunabereich kosten 10,40 Euro.

  • Langwasserbad:

    Das städtische Bad wurde 2016 eröffnet und verfügt über mehrere Becken und eine umfangreiche Saunalandschaft. Eintrittspreise für Erwachsene: zwei Stunden im Badebereich kosten 4,50 Euro. 13,50 Euro sind es für zwei Stunden in der Sauna.

Entscheidend für die Preisgestaltung sei der Auftrag, mit dem das Bad an den Start gehe. „Es wird ein Bad für alle Neumarkter“, sagt Kinzkofer. Sprich, eine große Bandbreite an Nutzern soll zum Zug kommen. „Das Bad wird sich jeder leisten können“, sagt Kinzkofer. Aber vielleicht nicht jeder alle Angebote rund um die Uhr, wie er hinterherschickt.

Denn auf der anderen Seite – das erwähnt auch Kinzkofer – steht die bei Bädern generell schwierige Wirtschaftlichkeit. Dazu hatte die Firma GMF, die die Stadtwerke beim Ganzjahresbad berät, in einem Handout für die Stadträte von „Eintrittspreisen, welche die Fixkosten nicht decken“ geschrieben. Das Bad werde immer ein Zuschussgeschäft für die Stadt bleiben, betont auch Kinzkofer.

Doch natürlich sollte sich das Defizit in gewissen Grenzen halten. Was das für die Preisplanung bedeutet, umschreibt der Stadtwerke-Chef so: Es müsse eine vernünftige Balance zwischen dem gemeinnützigen Auftrag des Bades und der Wirtschaftlichkeit gefunden werden. Bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen der einzelnen Modelle gingen die Planer übrigens von einem jährlichen Defizit von rund 700 000 Euro (operativ ohne Kapitaldienst) für die empfohlene Badvariante aus.

Vergleichbare Bäder in der Region

Festgelegt werden sollen die Eintrittspreise laut Kinzkofer in 2019. In Abstimmung mit der Politik, wie Kinzkofer sagt, der von gängigen Preisen spricht, die es in Neumarkt geben soll. Es lohnt sich also ein Blick auf andere Bäder in der Region. Bäder, die vergleichbar sein müssten. „Wir wollen und können uns nicht mit reinen Spaßbädern wie der Therme Erding oder dem Palm Beach in Stein vergleichen“, sagt Kinzkofer. Schon eher gelte das für kommunal betriebene Bäder, die einem ähnlichen Auftrag wie das Ganzjahresbad folgten. Beim Blick auf die Landkarte fallen in dieser Hinsicht Bäder wie beispielsweise das Kurfürstenbad in Amberg oder das Bulmare in Burglengenfeld auf.

Deren Eintrittsgelder könnten ein Indiz auf die künftigen in Neumarkt sein. Tatsächlich unterscheiden sich die Tarife in den beiden Bädern nur gering. Erwachsene zahlen im Kurfürstenbad für eineinhalb Stunden im Freizeit- und Sportbereich fünf Euro, im Bulmare bekommt man für fünf Euro eine halbe Stunde mehr. Der Tag kostet 9,50 Euro bzw. 10,50 Euro.

Bei den Tarifen für die Saunalandschaften, die es in beiden Bädern gibt, divergieren Amberg und Burglengenfeld schon mehr. 10,40 Euro zahlt ein Erwachsener für zweieinhalb Stunden im Kurfürstenbad. Im Bulmare sind es für zwei Stunden 15 Euro. Für die Tageskarte werden 13,40 Euro beziehungsweise 20 Euro fällig.

In wieweit diese Tarife wirklich ein Hinweis auf jene in Neumarkt sind, sei dahingestellt, Kinzkofer und die Stadt werden sich jedoch an dem Versprechen messen lassen müssen: „Es wird keine Negativ-Überraschung bei den Preisen geben“.

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