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Tiergarten Nürnberg

Zoo-Designer kreiert das neue Wüstenhaus

Martin Schuchert hat sich auf das Gestalten von Zoos spezialisiert – einmal im Jahr kommt er zu seinem Freund Dag Encke.
Von Katrin Böhm

  • Martin Schuchert mit einem Modell des Wüstenhauses Foto: Böhm
  • Auch die Anlage für die Buntmarder hat Martin Schuchert mitgestaltet – Tiere und Besucher können sich auf Augenhöhe begegnen. Foto: Schuchert.
  • Ein Detail des Wüstenhauses Foto: Böhm

Nürnberg.Für Zoos hat sich Martin Schuchert eigentlich nie sonderlich interessiert – und wenn, dann stand er ihnen eher kritisch gegenüber. Bis er seine Frau Laura kennenlernte – bei seinem Architektur-Studium an der University of Kansas, wo er nach der Schule ein Stipendium ergattert hatte. Denn Laura Hamilton studierte nicht nur Architektur, sondern auch Illustration, „und deswegen hat sie mich immer zum Zeichnen in Zoos geschleppt“. Dort zeichneten die beiden gemeinsam – und Martin Schuchert begriff für sich, „dass das eine Lebensmöglichkeit für Tiere sein kann“.

Er sah Anlagen, die im super gefielen, aber auch Anlagen, „bei denen ich mir gedacht habe: Was machen die da?“ Nach und nach arbeitete sich Schuchert ins Thema Zoo ein, interessierte sich für Zooprojekte – heute ist er ein gefragter Zoo-Designer.

Zigaretten und Kaffee statt Yoga

Etwa einmal im Jahr ist er in Nürnberg. Dann wohnt er bei seinem Kumpel Dag Encke in der Direktorenvilla – und wirft alle Maximen, nach denen er sonst lebt, über Bord. In den USA lebt er mit seiner Frau und drei Katzen ohne festen Wohnsitz in einem Wohnwagen, meditiert viel, macht Yoga, trinkt Tee und kocht gesund – unzählige Fotos auf seinem Instagram-Account zeugen davon. In Nürnberg raucht er, trinkt Kaffee aus großen Tassen und isst Fleisch. „Das ist immer meine Auszeit“, sagt er lachend und reißt im Arbeitszimmer erstmal die Fenster auf, um den Rauch der letzten Stunden zu vertreiben.

„Ich bin kein Tierexperte. Je länger ich mit Tierpflegern arbeite, desto mehr merke ich, wie wenig ich verstehe.“

Zoo-Designer Martin Schuchert

Natürlich ist er in Nürnberg aber hauptsächlich, um in Workshops mit Tierpflegern und Direktion zu arbeiten, um Ideen zu sammeln und zu visualisieren. Er hat vor Jahren die Lagune und das Manati-Haus maßgeblich mitentwickelt, derzeit arbeitet er am Konzept für das geplante Wüstenhaus mit. „Ich bin kein Tierexperte. Je länger ich mit Tierpflegern arbeite, desto mehr merke ich, wie wenig ich verstehe“, sagt er. „Ich bewundere das, wie sich die in die Tiere reinfühlen können.“ Dass er durch die Zusammenarbeit die Chance bekommt, „ein ganz tiefes Tierverständnis“ zu entwickeln, „das macht mir am meisten Spaß“.

Er kann zwar für seine drei Katzen einen gesamten Wohnwagen und das Gelände drumherum katzengerecht gestalten – mit Lauf- und Sprungflächen und Balkonen und einem dünnen, kaum sichtbaren Zaun, den die Katzen nicht überwinden können, „aber Wildtiere sind noch einmal ganz etwas anderes“.

Im Zoo gilt für ihn die Maxime, zu 50 Prozent für die Tiere und zu 50 Prozent für die Besucher zu gestalten und dabei aber „das Beste für die Tiere rauszuholen“. An den romantischen Gedanken des Zoos als Arche glaubt er nicht. „Da ist die Endstation.“ Und zwar ganz einfach, „weil wir in der Natur nicht mehr die Flächen haben“. Diese Erkenntnis hat er bei seinen vielen Reisen durch Nationalparks – ob in Thailand, Afrika oder den USA – gewonnen. „Das sind ja eigentlich auch Zoos im großen Stil.“

Mit der Arbeit für Zoos begonnen hat der 51-Jährige vor etwa 25 Jahren – er begann beim Büro Rasbach in Oberhausen, damals dem einzigen, das sich auf Zoo-Architektur spezialisiert hatte. Mittelfristig wollte Schuchert aber wieder in die USA – und landete dort schließlich bei Jon Coe in Philadelphia, dem Spezialisten für die Gestaltung von Zoos und Botanischen Gärten schlechthin.

Die Zoo-Szene ist überschaubar

Für Martin Schuchert ein Traum – als aber der charismatische Chef nach Australien auswanderte, ging er mit seiner Frau nach Pennsylvania. Seither arbeitet er mal für diesen, mal für jenen Zoo. „Die internationale Zoo-Szene ist relativ klein. Da ist es in der Regel so, dass ich mit den Leuten, mit denen ich schon seit 15 Jahren arbeite, immer wieder zusammenkomme.“

In diesem Jahr hat Schuchert nur Aquarienarbeiten in den USA und das Wüstenhaus im Nürnberger Tiergarten auf seiner Liste stehen. „Zwei bis drei Zoos sind für mich pro Jahr das Maximum.“ Das, so sagt er frei heraus, sei auch seinem Lebensstil geschuldet – er will nicht gestresst und gehetzt von einem Projekt zum nächsten hetzen, er schätzt es, Zeit zu haben. Gerne auch mal ohne Fernsehen oder Internet. „Da wird man doch verrückt.“

Gerade befindet er sich allerdings in einer Arbeitsphase. In Nürnberg soll mit dem neuen Wüstenhaus etwas Einmaliges entstehen. Er sei ja selbst viel unterwegs und es komme tatsächlich immer wieder vor, dass Zoos ähnliche Ideen entwickelten, ohne dass sie diese voneinander abkupferten. „Dafür gibt es aber weltweit kein Beispiel dafür“, sagt Schuchert.

Riesige Käfer fliegen frei herum

So einzigartig soll das Wüstenhaus im Tiergarten beispielsweise durch die „begehbare Riesenkäferanlage“ werden. „So etwas gibt es in der Größe und in der Konzeption nicht.“ Es gibt keine Scheiben, keine Terrarien – Aug’ in Aug’ sollen sich Scarabäi (Mistkäfer) und Mensch begegnen. Dem ein oder anderen Besucher „wird sicher ein Käfer an den Kopf fliegen, denn die sind nicht so ganz geschickt im Fliegen“ – und so ein Scarabäus kann gerne mal bis zu zehn Zentimeter groß sein. „Da geht vermutlich nicht jeder rein“, schätzt Schuchert.

Neben den Käfern, die im alten Ägypten als Glücksbringer galten, könnten auch verschiedene Agamen, Chamäleons, Geckos und eventuell Schildkröten untergebracht werden – einen endgültigen Plan für die Tiere gibt es noch nicht. Für die Mistkäfer, die den Mist zu kleinen Kugeln rollen, soll es eine extra „Pillendreherbahn“ geben, bei der Besucher beobachten können, wie die Käfer ihrem Handwerk nachgehen.

Ein echter Zoo-Fan ist Martin Schuchert auch nach den vielen Jahren, in denen er als Zoo-Designer arbeitet, nicht. „Ich bin nicht pro Zoo – aber ich bin auch nicht dagegen. Ich merke, dass es den Tieren gut geht im Zoo – und das alles für sie getan wird.“

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