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Region Neumarkt
Donnerstag, 19. Juli 2018 28° 1

Umwelt

Zu viel Abfall in der Biotonne

Immer mehr Bürger in Neumarkt nutzen die Biomüllabfuhr. Doch oft landen Dinge in der braunen Tonne, die nicht hineingehören.
Von Nicole Selendt

Neumarkt.Die Biotonne im Landkreis Neumarkt ist und bleibt freiwillig. Und sie wird immer besser angenommen. Weil es seit einigen Jahren auch die 60-Liter-Tonnen gibt, steigt die Zahl der Nutzer jährlich. Mehr als 1000 Mal hat die CAH, die die Tonnen bei Bestellung kostenlos zur Verfügung stellt, die 60-Liter-Tonne schon ausgeliefert. Roland Hadwiger, zuständig für die Abfallwirtschaft im Neumarkter Landratsamt, ist zufrieden mit dieser Entwicklung.

Denn nach wie vor solle niemand gezwungen werden, die Biotonne zu nutzen. Neumarkt sei ein Flächenlandkreis, in dem die Landwirtschaft – und damit auch die Eigenkompostierung – noch eine große Rolle spiele. Da mache es weder Sinn, jeden zur Benutzung der Biotonne zu zwingen noch jedes kleinste Dörflein mit der Müllabfuhr anzufahren, sagt Hadwiger.

Quietsche-Enten im Kompost

Allerdings appelliert er an diejenigen, die auf dem Land wohnen und doch eine Biotonne haben wollen: „Machen Sie in der Nachbarschaft Werbung, bringen Sie andere dazu, mit auf den Zug aufzuspringen, dann werden Sie in den Abfuhrplan mit aufgenommen.“ Denn dieser sei nicht in Stein gemeißelt, wie Hadwiger erklärt. Die Route, die die Fahrer von Bachhuber und Partner – die Firma ist zuständig für die Abholung der Tonnen – durch den Landkreis nehme, ändere sich ständig.

„Die Menschen werfen zu viel in den Biomüll, was nicht hineingehört.“ Roland Hadwiger, Sachgebietsleiter kommunaler Umweltschutz

Damit die Biotonne daheim bei der Benutzung eine saubere Sache bleibt, bekommt jeder Nutzer einen kleinen Eimer mit Deckel und Papiertüten zur Verfügung gestellt. Es müsse sich niemand ekeln, die Papiertüten seien unbedenklich, da sie auf der Kompostieranlage mit verrotten.Allerdings spricht Hadwiger ein großes Ärgernis an, mit dem der Landkreis, vor allem aber Rainer Wild als Betreiber der Kompostieranlage Schlierfermühle im Gemeindebereich Sengenthal zu kämpfen haben: „Die Menschen werfen zu viel in den Biomüll, was nicht hineingehört.“ Auf dem Gelände der Kompostieranlage türmt sich ein riesiger Haufen mit Müll, der eigentlich in die Restmülltonne oder an andere Stellen des Wertstoffhofs gehört: Glas, Plastik, Asche und auch allerhand Kuriositäten wie Laptops, Wasserkocher, Quietscheenten, Handschuhe, Gartengeräte oder auch Schnuller.

Die Wilds sammeln aus dem Kompost vieles heraus, was sich dort gar nicht hineingehört – dabei kommen auch allerhand Kuriositäten zum Vorschein. Foto: Selendt
Die Wilds sammeln aus dem Kompost vieles heraus, was sich dort gar nicht hineingehört – dabei kommen auch allerhand Kuriositäten zum Vorschein. Foto: Selendt

Wild sagt: „Es ist ein unheimlicher Aufwand, diesen Müll aus dem Kompost herauszuhalten.“ Jedes Mal, wenn ein Komposthaufen auf seiner Anlage gewendet wird, muss nachher ein Mitarbeiter um die gesamte Miete herumlaufen und akribisch den Müll aufsammeln. Zusätzlich kommt eine Maschine zum Einsatz, die Plastik aus dem Kompost heraussaugen kann.

Diese Grafik zeigt, wie viel Müll in den oberpfälzer Landkreises pro Kopf entsteht:

Mit dem großen Aufwand, den Wild mit seinen Mitarbeitern und seiner Familie betreibt – seine Frau Elisabeth und seine beiden Kinder helfen mit – kann er die Vorgaben der Bundesgütegemeinschaft Kompost, die viermal jährlich auf die Anlage kommt und Proben zur Kontrolle entnimmt, gut einhalten. Doch das Team hat viel Arbeit: Täglich drei Stunden Arbeit fallen im Durchschnitt auf der Anlage an, die für die Familie neben der Landwirtschaft eigentlich einen Nebenverdienst darstellt.

Plastik gefährdet die Qualität

Probleme sieht vor allem bei dem Grüngut, das auf denjenigen Wertstoffhöfen des Landkreises angeliefert wird, die nicht von Mitarbeitern beaufsichtigt werden. „Anstatt ihre Plastiksäcke mit Rasenschnitt dort auszuleeren und die Säcke gesondert zu entsorgen, werfen Bürger die Säcke einfach im Ganzen hin“, sagt Wild. Beim Siebvorgang auf der Kompostieranlage würden diese Säcke dann in viele Teile zerfetzt und müssten dann in Kleinarbeit wieder herausgesammelt werden, beschreibt Elisabeth Wild die Problematik.

Was die Mitarbeiter des Teams von der Kompostieranlage mit der Hand aus dem Kompost sammeln, füllt einen Container. Was maschinell herausgesiebt wird, überragt Anlagenbesitzer Rainer Wild bei Weitem. Foto: Selendt
Was die Mitarbeiter des Teams von der Kompostieranlage mit der Hand aus dem Kompost sammeln, füllt einen Container. Was maschinell herausgesiebt wird, überragt Anlagenbesitzer Rainer Wild bei Weitem. Foto: Selendt

Gleiches gelte für die Biotonne. Anstatt die für die Biotonne geeigneten Säcke zu nehmen, die mitverrotten, würde allzu oft ein herkömmlicher Plastiksack verwendet, der bei der Bearbeitung Arbeit verursache – darüber hinaus aber auch die Qualität des Komposts verschlechtere und im schlimmsten Fall eine ganze Miete auf der Anlage unbrauchbar machen könnte. Und die enthält immerhin das gesammelte Grüngut und die Bioabfälle von zwei Wochen. Hadwiger sagt: „Damit das ganze System funktioniert, sind wir auf die Mithilfe der Bürger angewiesen.“ Da sei es schon wieder von Vorteil, dass die Biomülltonne keine Pflicht sei.

So wird aus Abfall wertvoller Dünger: MZ-Reporterin Nicole Selendt hat sich bei der Verwertung umgesehen.

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Die Biotonne

  • Größen und Kosten:

    Biosäcke (Zehnerpack) für 4 Euro, 60 Liter 48 Euro/Jahr, 120 Liter 96 Euro, 240 Liter 192 Euro.
    Die Tonne wird von der CAH bereitgestellt, wird bei Beschädigung auch ersetzt oder repariert.

  • Anmeldung:

    Tel. (0 96 21) 4 70-2 09, -2 39, -2 99

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