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Zwei Damen jodeln sich durch die Sauereien ihres Programms

Die „Passauer Saudiandln“ verpassen ihren Zuhörern rote Ohren

NEUMARKT (nwu). Alles andere als ein traditioneller Heimatabend erwarte das Publikum der „Passauer Saudiandln“, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Stadtbibliothek „Literarischer Herbst“ im Parkcafé gastierten. Denn wer von einem Programm mit dem schlichten Namen „Gstanzl“, heimatverklärende Biederkeit erwartet hätte, wurde von der Schauspielerin und Kabarettistin Barbara Dorsch (Gesang) und ihrer Partnerin Gerlinde Feicht (Akkordeon) eines Besseren belehrt.

Vielmehr reichte ihr Musik-Kabarett von melancholisch-sinnierender Mundart-Poesie über haarsträubend groteske Miniaturen bis hin zu deftig-derbem Humor. Mit feinem Gespür für die Eigenheiten der bayerischen Lebensart entfalteten sie ein Sammelsurium traditioneller Weisen und neueren Texten vorwiegend bayerischer Autoren. Dass dabei das Hauptaugenmerk auf dem eher Anzüglich-Drastischen lag, versteht sich bei einem Duo dieses Namens wohl von selbst.

Da gab es zum Beispiel den im Suff prahlenden Liebhaber, der unverholen seine libidinösen Qualitäten anpreist, den Kerl mit dem „Spleen“, der sich immerzu über seine bevorzugte Todesart Gedanken macht („I drah mi durch a Fleischmaschin’ direkt ins offene Grab“), oder den „Passauer Flussschiffer“, dem diese Bezeichnung nicht aufgrund einer Vorliebe für das Bootfahren zukommt.

Die musikalischen Arrangements der Texte von Karl Krieg, Harald Grill und anderen, die allesamt aus der Feder des Passauer Pianisten Elmar Raida stammen, waren hier bluesig und swingend, dort traditionell gehalten und dienten der unnachahmlichen Interpretation durch Barbara Dorsch als hervorragende Bühne.

Denn vor allem die einnehmende, theatralische Darbietung der charismatischen Sängerin überzeugte. Mit expressivem Mienenspiel und ausladender Gestik sang, jodelte, krächzte und spuckte sie sich durch die Sauereien ihres Programms, wusste aber auch die leiseren, nachdenklicheren Nummern genauso eindrucksvoll und überzeugend zu intonieren.

Alles in allem ein Abend, der Dank des Vaudeville-Charmes und der gekonnten Performance des skurril anmutenden Duos in allen Varianten überzeugte.

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