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Jura-Volksfest

Zwei Minister und 130 echte Zugpferde

Die Kabinettsmitglieder Aiwanger und Füracker sahen in Neumarkt eine vom Wetter heuer begünstigte Parade von Zuchterfolgen.
Von Lothar Röhrl

Vor Moderator Peter Lerch fehlte nur noch eine Mass Bier, dann wäre die typische Volksfestszene nachempfunden gewesen. Foto: Röhrl
Vor Moderator Peter Lerch fehlte nur noch eine Mass Bier, dann wäre die typische Volksfestszene nachempfunden gewesen. Foto: Röhrl

Neumarkt.Wenn sich das Tier freut, freut sich auch der Mensch: Dank des Regens in die Nacht zuvor, bot das Viereck hinter beiden Jurahallen heuer beste Voraussetzungen für die Vorführungen bei der Pferde- und Fohlenschau. Um die Gesundheit der aufgetriebenen 130 Pferde, darunter 63 Kaltblüter und vier Fohlen, mussten die 37 Pferdehalter heuer keine Angst haben. Das tiefgrüne Geläuf bot feste Voraussetzungen auch für das rasanteste Tempo im Galopp. 4000 Zuschauer waren angetan.

OB Thumann begrüßte Minister Aiwanger, der heuer das Grußwort hielt. Es fiel sehr üppig aus. Foto: Röhrl
OB Thumann begrüßte Minister Aiwanger, der heuer das Grußwort hielt. Es fiel sehr üppig aus. Foto: Röhrl

Das freilich war 365 Tage zuvor nicht gegeben: Nach wochenlanger Trockenheit zogen sich kurze Staubfahnen hinter den Kutschen her. Beim Höhepunkt jeder Pferdeschau seit Jahren, den schnellen Quadriga-Fahrten mit Ponys und Haflingern, drohten bei Kurvenfahrten Stürze. Die hatte es zwar vor einem Jahr dann glücklicherweise auch nicht gegeben. Heuer war diese Gefahr gleich von Beginn an gebannt.

Umfang einer Grundsatzrede

Ein wenig kürzer hätte die Schau bei immer besser werdendem Wetter schon sein können. Dafür war einzig und allein Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verantwortlich. Vielleicht lag es auch an seiner Position als bayerischer Vize-Ministerpräsident. Denn aus seinem Grußwort wurde eine durchaus sinnvolle Grundsatzrede mit Schwerpunkt auf Appelle an die Adresse der Verbraucher.

Für Aiwanger war das Podium kein Neuland. Denn immer wieder war der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler aus dem nahen niederbayerischen Ergoldsbach aus Anlass dieser Schau am letzten Tag des Jura-Volksfestes nach Neumarkt gekommen.

Eine sehr berührende Pony-Dressur zeigte Bianca Kuhbandner. Foto: Röhrl
Eine sehr berührende Pony-Dressur zeigte Bianca Kuhbandner. Foto: Röhrl

Als „beeindruckend“ empfand es Aiwanger, dass die Pferdezucht in Bayern und Deutschland für ein großes Comeback dieser Tierart und seiner vielen Rassen gesorgt habe. Eine Million Pferde gebe es mittlerweile wieder in Deutschland. In Bayern stehen gut 135 000 in den Ställen. Damit stießen sie auch dort in die Lücke, wo Milchviehhaltung aufgegeben worden sei. Das bedeute, dass wenigstens die Pferde das Heu von dem Grünland verwerten würden, für das man sonst keine Verwertung finden würde.

Arbeitsplätze dank Pferden

Aiwanger wies darauf hin, dass das Pferd bei der Erziehung von Kindern eine Bedeutung habe. So lehre der Umgang mit Pferden einen vernünftigen Umgang mit Tieren. Kinder würden es lernen, dass sie mit Gefühl vorgehen müssten. Auch bei der Therapie spiele das Pferd mittlerweile eine große Rolle. Wirtschaftlich spiele das Pferd in Bayern eine große Rolle. Etwa 30 000 Arbeitsplätze in Bayern würden davon anhängen.

Hier sehen Sie eine umfangreiche Bilderschau:

Neumarkt: Volksfest, Pferde- und Fohlenschau (mit

Dann befasste sich Aiwanger mit dem Wert der Landwirtschaft. Wegen der geringer werdenden Zahl an Landwirten werde dieser Stand bald auf der „roten Liste der aussterbenden Berufe“ stehen. Dies liege seiner Meinung nach an der „ganz großen Politik“. Diese schiebe der hohen Zahl an gehaltenen Kühen eine Mitschuld am Klimawandel zu. Dabei sei Bayern ohne Landwirte nicht mehr das, was es jetzt noch sei.

Ideen zum Klimaschutz

Auch für einen Schwenk zum Klimaschutz war in Aiwangers frei gehaltener Rede Zeit. Der beste Weg zum besten Klimaschutz aller Zeiten sei eine verbrauchsnahe Erzeugung von Lebensmitteln im Gegensatz zum Stilllegen von Höfen. Das führe dazu, dass Fleisch aus Süd- und Nordamerika geholt werden müsse. Bei diesem wisse man nicht einmal. ob es hormonbehandelt sei. „Bei uns dagegen wissen wir, was der Bauer alles falsch mache.“ In der Reaktion darauf höre er lieber auf. Als Folge müsse der Verbraucher mehr Respekt vor der Arbeit der Landwirtschaft entwickeln.

Fliegende Pferdemähnen, schöne Dressuren und mehr sehen Sie in diesem Film über die Pferdeschau:

So viel Tempo hatte die Schau heuer.

Kurz ging der Niederbayer noch auf die Tierschutzskandale ein. Diese seien zwar keineswegs zu tolerieren. Der gestiegene Preis-, Wachstums- und Arbeitsdruck auf Landwirte habe dazu geführt, dass der Tierschutz auf der Strecke bleiben könnte. Dagegen helfe, dass Verbraucher regional einkaufen und so einen vernünftigen Preis für heimisch erzeugtes Fleisch ermöglichen könnten. Der Einkauf bei von Landwirten eingerichteten Milchtankstellen und Hofläden helfe weiter.

Erziehung durch Pferde

Aiwangers Hoffnung auf eine „lehrreiche Vorführung“ sollte dank Moderator Peter Lerch in Erfüllung gehen. Wie schon 2017 und 2018 bot der Pferdewirtschaftsmeister aus Bad Tölz viel Detailwissen zu den einzelnen Rassen. Heuer war ihm an einem sehr gelegen, zu zeigen, wie hilfreich der Umgang mit Pferden bei der Erziehung und körperlichen Entwicklung von Kindern bis über deren Pubertät hinaus sein kann.

Man nennt diese Rasse auch "Kesselflicker-Pony": die Tinker. Charakteristisch ist der Kinnbart. Foto: Röhrl
Man nennt diese Rasse auch "Kesselflicker-Pony": die Tinker. Charakteristisch ist der Kinnbart. Foto: Röhrl

Die Teilnehmer der diesjährigen Vorführungen bewiesen, dass die Liebe zum Pferde bis ins fortgeschrittene Alter dauern kann.

Wie alle Jahr wieder gab es auch heuer Preise. Insgesamt wurden 11 275 Euro an Preisgeldern ausgeschüttet. Den Preis der Stadt Neumarkt erhielt Johann Scheuerer aus Köfering für seine Troika-Anspannung. Der Fritz-Hartmann-Gedächtnispreis ging an Florian Günthner aus Landershofen unter anderem für zehn, während der Grußworte des OB und Aiwangers freilaufende Ponys.

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