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Ernährung

Zwei MZ-Redakteure im Diät-Stress

Katrin Böhm sucht in der ersten Woche des Diät-Experiments Zuckerersatz. Johannes Heil sportelt fleißig – in der Waschküche.
Von Katrin Böhm und Johannes Heil

Katrin Böhm verzichtet vier Wochen lang auf Zucker. Johannes Heils Formel lautet: weniger Kalorien, mehr Bewegung. Fotos: Böhm/Heil
Katrin Böhm verzichtet vier Wochen lang auf Zucker. Johannes Heils Formel lautet: weniger Kalorien, mehr Bewegung. Fotos: Böhm/Heil

Katrin Böhm verzichtet vier Wochen lang auf Zucker. Sie hat sich auf die Suche nach Ersatz begeben – und wurde fündig:

Mein Leben ohne Zucker also. Ich habe die Gummibärchen weggelassen und die Schokolade. Den Kuchen und das Eis. Die Nachspeise am Abend und den Schokoladenaufstrich am Morgen. Ging so, aber ging. Aber ein Kaffee, der nicht zumindest ein kleines bisschen süß ist? Das schmeckt mir einfach nicht, zur „Nur-schwarz, danke“-Trinkerin werde ich im Leben nicht. Und ich will trotz allem auch mal was backen. Muffins oder Pancakes. Also brauche ich Alternativen zum Zucker.

Auf dem Markt gibt es mittlerweile Ersatzstoffe zuhauf – also gehe ich erstmal einkaufen. Vor den Regalen lese ich wunderbar klingende Produkt-Namen, doch was wunderbar klingt, hat meist auch einen wunderbaren Preis – und so kaufe ich für 20,05 Euro Zucker-Ersatzstoffe: 250 Gramm Kokosblütenzucker für 4,95 Euro, 300 Gramm geröstete Erdmandeln für 4,95, 250 Milliliter Agavendicksaft für 2,25 Euro, 250 Milliliter Ahornsirup für 4,95 Euro und 250 Milliliter Reissirup für 2,95 Euro. Ein Kilo stinknormalen Zucker hätte ich für 65 Cent bekommen.

Kokosblütenzucker, Reissirup, Agaven-Dicksaft, Ahornsirup und Erdmandeln: Alternativen zum weißen Haushaltszucker gibt es mittlerweile viele. Foto: Heil
Kokosblütenzucker, Reissirup, Agaven-Dicksaft, Ahornsirup und Erdmandeln: Alternativen zum weißen Haushaltszucker gibt es mittlerweile viele. Foto: Heil

Nun klingen Kokosblütenzucker und Erdmandeln schon sehr gesund und exotisch, beim Blick auf die Inhaltsstoffe wird aber klar, dass nicht alle Produkte auch wirklich viel besser sind als herkömmlicher Zucker. Weißer Haushaltszucker hat laut Bundeslebensmittelschlüssel 405 Kalorien pro 100 Gramm, 100 Gramm Zucker enthalten 100 Gramm Kohlenhydrate – Zucker macht davon 99,8 Gramm aus. Der wohlklingende Kokosblütenzucker steht im Vergleich damit nur ein klitzekleines bisschen besser da: 100 Gramm haben 383 Kalorien und 93 Gramm Kohlenhydrate, davon sind 90 Gramm Zucker. Kaffee lässt sich mit dem karamellig-malzigen Zucker ganz gut süßen, er süßt aber längst nicht so stark.

Ein Drittel weniger Kalorien als normaler Zucker

Wenn es um die Kalorienanzahl geht, kommt der Ahornsirup (Grad C) am besten weg: Er hat je nach Hersteller etwa 270 Kalorien und damit rund ein Drittel weniger Kalorien als normaler Zucker. Die Anzahl der Kohlenhydrate liegt bei 67 Gramm pro 100 Gramm, der Zuckeranteil ist fast identisch mit dem Kohlenhydrat-Gehalt.

Wer auf besonders wenig Zucker achten möchte, nimmt Erdmandeln – diese enthalten am wenigsten Zucker von allen Produkten, süßen natürlich aber auch nicht so stark: 100 Gramm haben 48 Gramm Kohlenhydrate, davon sind 22 Gramm Zucker. Der Kaloriengehalt liegt allerdings bei 451 pro 100 Gramm und ist damit sogar höher als der von normalem Zucker. 100 Gramm Erdmandeln enthalten außerdem 25 Gramm Fett, 15 Gramm Ballaststoffe und 4,3 Gramm Eiweiß. Allerdings: Zum Süßen von Kaffee eignen sich Erdmandeln eher nicht, sie geben aber dem Müsli am Morgen einen angenehm süßlichen Geschmack.

„Der Kaloriengehalt liegt allerdings bei 451 pro 100 Gramm und ist damit sogar höher als der von normalem Zucker.“

MZ-Reporterin Katrin Böhm auf der Suche nach Zuckerersatz

Beim Agavendicksaft liegt der Kaloriengehalt bei 300 pro 100 Gramm, der Kohlenhydrat- und Zuckergehalt sind identisch (75 Gramm). Als gute Alternative zum Zucker entpuppt sich der Reissirup, der in Japan schon lange zum Süßen verwendet wird: Er besteht zu 93 Prozent aus Reis, der Rest ist Wasser. Er hat mit 317 Kalorien immer noch fast ein Viertel weniger Kalorien als Haushaltszucker und enthält nur 53 Gramm Zucker (bei 79 Gramm Kohlenhydraten). Und er süßt Getränke ebenso wie Gebäck.

Was haben Katrin Böhm und Johannes Heil in ihren vier Diät-Wochen vor? Hier lesen Sie Teil eins der Serie.

Johannes Heil hat sich für seine Diät ein Kalorienlimit gesetzt und will zusätzlich jeden Tag mindestens 15 000 Schritte gehen. Manchmal ist es ein harter Kampf, wie er berichtet:

Es ist Dienstagabend. Ich stehe in unserer Waschküche vor dem Bügelbrett. Ich sortierte Wäsche, falte Hemden, stecke Socken zusammen – was man halt so macht in einer Waschküche. Wieso um alles in der Welt erzählt der Heil das jetzt, werden Sie nun (zurecht) fragen. Nun, denn während ich in der Waschküche so vor mich hin hantiere, geschieht Wunderliches. Ich bewege meine Beine im Staccato, laufe wie ein Derwisch im Kreis und bin doch ziemlich aus der Puste. Nun wird sich bei Ihnen vielleicht die Frage anschließen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Ja, durchaus (hoffe ich zumindest). Der Hintergrund ist folgender: Seit Montag vor einer Woche machen Kollegin Katrin Böhm und ich einen Diät-Selbsttest. Katrin verzichtet auf Zucker, ich zähle Kalorien – und ich versuche auf 15 000 Schritte pro Tag zu kommen. Alles, um ein paar Pfunde zu verlieren.

Waage und Sportschuh – das sind für Johannes Heil in den vier Wochen wichtige Utensilien. Foto: Katrin Böhm
Waage und Sportschuh – das sind für Johannes Heil in den vier Wochen wichtige Utensilien. Foto: Katrin Böhm

Und da kommt dann die Waschküche ins Spiel. Denn an besagtem Dienstag habe ich am Abend gerade einmal knapp über 12 000 Schritte gesammelt. Der Tag neigt sich bedrohlich dem Ende entgegen und ich habe keine zusätzlichen Schritte in Aussicht. Also greife ich in meiner Verzweiflung zu jener Variante, die ich eingangs geschildert habe. Ich komme mir beim Herumtippeln in der Waschküche zwar reichlich dämlich vor, aber was tut man denn nicht alles. Wenigstens gibt es kein kompromittierendes Videomaterial.

„Bei 1700 Kalorien pro Tag fehlt mir schlicht die Energie, die ich brauche.“

Johannes Heil, MZ-Redakteur auf Diät

Neben der 15 000 ist die andere magische Zahl meines Abnehm-Experiments die 1730. So viele Kalorien darf ich nämlich laut meiner Kalorienzähl-App zu mir nehmen. Dieser Wert hat die erste Woche meiner Diät nicht überlebt. In den Optionen war nämlich ein Abnehm-Ziel von einem Kilo pro Woche angesetzt. Das ist mir dann doch zu rabiat. Ich justiere mein Abnehm-Ziel schließlich auf 0,25 Kilogramm pro Woche. Mein neues Kalorienziel liegt nun bei 1970 Kalorien. Das erscheint mir schon viel realistischer. Denn obwohl ich nach meinem Dafürhalten nun wirklich nicht übermäßig viel gegessen habe, waren die 1730 Kalorien kaum einzuhalten. Kein Wunder: Schließlich braucht ein Mann circa 2500 Kalorien pro Tag. Nun mögen Sie mir vielleicht mangelndes Durchhaltevermögen attestieren. Komplett kann ich das natürlich nicht von der Hand weisen. Aber bei einer Diät muss man in meiner Meinung immer ein richtiges Maß finden. Bei 1700 Kalorien pro Tag fehlt mir schlicht die Energie, die ich brauche. Das ist für mich dann einfach nicht mehr das richtige Maß.

Hemdenfalten kann anstrengend sein

Trotzdem: Nach gut einer Woche fühle ich mir sehr wohl mit meiner umgestellten Ernährung. Ich esse mehr Obst und Gemüse und versuche effektiver zu essen. Sprich: Nährstoffreiche Lebensmittel statt ineffizienter Kalorienbomben. Und auch die Angelegenheit mit den 15 000 Schritten ist für mich ein Ansporn – die Marke hat meinen Ehrgeiz geweckt. Womit wird noch einmal zurückkommen zur anfänglichen Geschichte. Mehr als eine Dreiviertelstunde verbringe ich letztendlich in der Waschküche. So aus der Puste war ich nach dem Hemdenfalten auch noch nie, stelle ich fest. Aber es hat sich gelohnt. Die 15 000-Schritte-Marke fällt um 20.37 Uhr. Bis heute hält die Serie. Wenn’s einmal wieder knapp wird, gehe ich ins Fitnessstudio – oder in die Waschküche.

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