MyMz
Anzeige

Historie

20 Mönche mussten an die Front

Das Kloster Plankstetten musste Mitbrüder im Ersten Weltkrieg ziehen lassen. Sechs kehrten nicht zurück. Ihre Geschichten erzählt eine Ausstellung.
Von Tom Müller

Abt Dr. Beda Maria Sonnenberg zeigt das Skizzenbuch von Frater Utto Wendel, das in der Ausstellung zu sehen ist. Foto: Müller

Plankstetten.Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war das Kloster Plankstetten gerade knappe zehn Jahre im Aufbau begriffen. 1904 war es als Priorat des Klosters Scheyern wiedererrichtet worden. „Und dann wird da eine Gleisanlage einfach mal umgestellt“, sagt der heutige Kloster-Abt, Dr. Beda Maria Sonnenberg OSB. „Plötzlich konnte man nichts mehr steuern. Viele Zukunftsperspektiven waren dahin“.

Gemeint waren die Zukunftsperspektiven von Mönchen, die an alles andere gedacht hatten als ans Kämpfen oder Töten. „Eine Wahl hatten sie leider nicht“, sagt Abt Beda. 20 Mönche wurden aus dem jungen Kloster abberufen. „19 Profess-Mönche und ein Novize“.

Dem Wahnsinn ein Gesicht gegeben

Einige ihrer Geschichten geben dem Wahnsinn ein Gesicht. Sie sind Teil der Ausstellung mit dem Titel „Musen an die Front“, die noch bis zum 30. September bei freiem Eintritt im Kloster Plankstetten zu sehen ist.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Erzeugnisse, die Intellektuelle, Schriftsteller, Journalisten und Künstler über den Krieg produziert haben. Die Ausstellung zeigt den Ersten Weltkrieg als Krieg der Worte und der Bilder. Es war der erste Krieg, der von der Heeresleitung bewusst auch als Propagandaschlacht inszeniert wurde.

„Die Feldpostbriefe wurden zensiert, um die Moral in der Heimat nicht zu gefährden“, so der Abt. So liest man Dankesbriefe der Mönche für Lebensmittel-Pakete aus dem Heimatkloster oder sieht sie bei Ausritten in Frankreich. Und dennoch sind es ihre Erinnerungen, die die menschenverachtende Seite des Krieges sichtbar machen.

So zeigt die Ausstellung ein Skizzenbuch von Frater Utto Wendel, der an der Schlacht von Verdun vom 21. Juli bis zum 19. Dezember 1916 teilnahm und dabei von einer Granate verschüttet wurde. Er war einer von sechs Mönchen, die den Kriegseinsatz nicht überlebten. Seine 25 Zeichnungen zeigen scharf beobachtete Gesichter diverser Soldaten und Szenen aus dem Leben an der Front. Im hinteren Teil des taschengroßen Büchleins hat Frater Utto Wendel auch Gefallene porträtiert. Es sind stille und gerade deshalb beeindruckende Momentaufnahmen, die die Brutalität des Krieges sichtbar machen.

Die Kriegsbegeisterung verflog

In der Heimat freilich hatte sich die anfängliche Kriegsbegeisterung auch bald verflüchtigt. Das Kloster Plankstetten wurde zum königlichen Reserve-Lazarett umfunktioniert. „60 bis 80 Kriegsversehrte wurden hier durchgehend behandelt und je nach Behinderung wieder für die Arbeit auf den heimischen Höfen angelernt“, berichtet Abt Beda.

Ihre Tagebuch-Einträge und Kriegserinnerungen zeichnen ein unzensiertes Bild des Krieges. Tagebuchaufzeichnungen liegen auch vom damaligen Prior des Klosters Wolfgang Maria Eiba vor. „Hier ist viel Hoffnungslosigkeit und Angst herauszulesen“, sagt der heutige Abt. 1917, noch vor der Abdankung des Königs, wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Zwei Jahre später endete dann Plankstettens Funktion als Reserve-Lazarett.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht