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Ärzteforum

Der Depression davonlaufen

Ausdauersport ist ein gutes Mittel gegen die psychische Erkrankung, sagt der Neumarkter Arzt Dr. Heiko Teltschik.
Von Dr. Heiko Teltschik

Mit regelmäßigem Joggen kann man seinen Organismus stärken.
Mit regelmäßigem Joggen kann man seinen Organismus stärken. Foto: Lukas Schulze

Neumarkt. Depressionen sind mit einer Lebenszeitprävalenz von fast 20 Prozent eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie betreffen Frauen doppelt so häufig wie Männer, wobei das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa 30 Jahren liegt. Etwa zehn Prozent aller hausärztlich behandelten Patienten leiden unter Depressionen.

Frühsymptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder leicht gedrückte Stimmung werden oft verkannt oder negiert, so dass ein frühzeitiges Gegensteuern oft nicht immer möglich ist. Viele Faktoren spielen für die Entstehung einer Depression eine wichtige Rolle. Neben der Veranlagung, bestimmten körperlichen Erkrankungen, Medikamenten und endogenen Ursachen (Störung der Neurotransmittersysteme im Gehirn), gibt es auch viele Faktoren, die der Mensch aktiv beeinflussen kann und somit einer Depression wirkungsvoll entgegentreten kann. Hierzu zählen zum Beispiel lebenszyklische Krisen, chronische Konflikte, akute Verluste, ein eher ängstlich-fürsorglicher Erziehungsstil, der es für die Kinder im späteren Lebensalter schwer macht, mit Krisen umzugehen, unzureichend verarbeitete traumatische Erlebnisse oder eine gelernte Hilflosigkeit.

Mit Lebenskrisen besser umgehen

Jetzt stellt sich die Frage, wie man die oben genannten Faktoren beeinflussen kann. Es ist natürlich nicht möglich, beispielsweise akute Verluste zu vermeiden. Es ist aber möglich, seinen gesamten Organismus dahingehend zu beeinflussen, mit diesen Lebenskrisen besser umzugehen, die Krisensituationen mit weniger Schaden zu bestehen und damit stabiler und gesünder aus diesen Krisen herauszukommen.

Dr. Heiko Teltschik ist Arzt für Neurologie und hat eine Praxis in Neumarkt.
Dr. Heiko Teltschik ist Arzt für Neurologie und hat eine Praxis in Neumarkt.

Hier spielt besonders die persönliche Einstellung zum Leben eine wichtige Rolle. So sollte man sich in seinem Leben immer wieder selbstkritische Fragen stellen, ob der Weg, den man geht, der Richtige ist. Muss man sich weiter verschulden, um ein schöneres Auto zu fahren, will man sich dem Stress einer besseren Position im Beruf aussetzen, um dann gegebenenfalls mit dem hier entstehenden Druck und Verantwortung später nicht mehr umgehen zu können, muss ich die mich so sehr störenden Eigenschaften meines Partners ertragen, oder wäre er vielleicht bereit auf mich einzugehen, wüsste er nur davon, dass mir dies oder jenes nicht passt, ist es sinnvoll an einer Partnerschaft festzuhalten, die nur aus Streit und Zank besteht, muss die Wohnung immer „supersauber“ sein, oder reicht es auch ein bisschen oberflächlicher gereinigt.

Die Liste könnte endlos ergänzt werden. Letztlich sind es fast alles Lebensentscheidungen, die getroffen werden in bestimmten Situationen mit bestimmten Zielen, die aber im Verlauf oft ihren Sinn, ihr Ziel verlieren oder verfehlt haben, man dann aber vergisst oder verdrängt darüber nachzudenken und diese gegebenenfalls zu korrigieren.

Häufig setzt man sich unrealistische Ziele, die zwangsweise dazu führen, dass man scheitern muss. Realistische erreichbare Ziele bestärken das Selbstbewusstsein und den Selbstwert, wo hingegen zu hoch gesteckte Ziele das Gefühl von Versagen und Wertlosigkeit mit sich bringen. Ist es manchmal nicht besser, zufrieden zu sein mit dem was man hat, was man ist? Muss man immer nach dem Größeren, dem Besseren streben?

Zufriedenheit mit sich und seiner Situation ist ein sehr hohes Gut des Menschen, das leider nur wenige haben. Und gerade diese Zufriedenheit wäre so wichtig, sich vor immer mehr Frust und damit einer Entwicklung hin zur Depression oder dem in aller Munde stehenden „Burn-out“ zu schützen.

Seelische Stabilität erlangen

Neben den selbstkritischen Fragen, die man sich stellen sollte, erscheint es jedoch nicht minder wichtig, seinen Geist, seinen Organismus durch weitere Maßnahmen zu stärken und widerstandsfähiger zu machen, die ohnehin oft schwer erträglichen Lebenssituationen zu meistern. Hier spielt eine gute Mischung aus Entspannung und regelmäßigem Ausdauersport eine wichtige Rolle. Argumente, man habe hierfür keine Zeit, sind, und das trifft sehr wahrscheinlich auf fast jeden von uns zu, nur Ausreden. Hier spielen Prioritäten und Bequemlichkeit eine wesentliche Rolle.

Denn würde man nur 14 Prozent der Zeit mit Sport verbringen, die man im Durchschnitt vor dem Fernseher sitzt (Studie aus 2011), würde man schon genug tun, den Hirnstoffwechsel vergleichbar mit einem Antidepressivum durchschnittlicher Dosierung zu optimieren und damit ganz frei von Nebenwirkungen seine Seele so gut es geht auf die Schwierigkeiten im Leben vorzubereiten. Nicht zu vergessen, dass man damit nicht nur seelische Stabilität erlangen kann, sondern man natürlich auch in allen anderen Bereichen der Gesundheit dem Körper Gutes tut.

Das „Ärzteforum“ gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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