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Zappelnde Beine verhindern guten Schlaf

Die Ursachen des Restless legs Syndroms sind unklar – es kann meist aber gut behandelt werden, sagt eine Neumarkter Ärztin.
Von Dr. Alexandra Jantzen-Haselmann

Dr. Alexandra Jantzen-Haselmann, Fachärztin für Neurologie und Nervenheilkunde
Dr. Alexandra Jantzen-Haselmann, Fachärztin für Neurologie und Nervenheilkunde Foto: Sabine Jöckl

Neumarkt.Restless legs Syndrom (RLS), englisch für Syndrom der unruhigen Beine, geht einher mit Bewegungsdrang und kribbeligen, unangenehmen Gefühlen in den Beinen, Füßen und selten in den Armen. Die Beschwerden nehmen in Ruhe zu, werden abends und nachts schlimmer und können durch Bewegung gebessert werden. Das Syndrom wurde erstmals im 17. Jahrhundert von Thomas Willis beschrieben und 1945 von dem schwedischen Neurologen Karl-Axel Ekbom als Restless Legs bezeichnet.

Das RLS ist geprägt von in Ruhe auftretenden Kribbelgefühlen, Ziehen, Spannung, Schmerzen oder unangenehmen Wärmegefühlen. Manchmal kommt es auch zu nächtlichen Muskelzuckungen. Charakteristisch ist eine Verschlechterung der Beschwerden abends oder nachts. Typisch für das RLS ist, dass es durch Bewegung, Anspannung und Dehnung der Muskulatur zu sofortiger Linderung der Symptome kommt. Die Symptome kehren dann aber in der nächsten Ruhesituation nach einiger Zeit wieder zurück.

Die quälende Unruhe der Extremitäten und der Drang sich zu bewegen verhindern oft einen guten Schlaf. Das wiederum kann zu Schlafmangel mit Tagesmüdigkeit, Antriebsmangel, Erschöpfungssyndrom, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen führen

Immer wieder berichten Betroffene von Kopfschmerzen, nächtlichem Heißhunger, Unverträglichkeit von Kaffee und Alkohol und Verschlimmerung der RLS Symptome nach längerem Laufen bzw. anderen sportlichen Betätigungen. Jüngsten Einschätzungen zufolge sind etwa fünf bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen. Es ist damit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Die Ursachen des RLS sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine zentrale Rolle spielt wohl der Botenstoff Dopamin im Nervensystem, da sich die RLS Symptome mit Medikamenten, die so ähnlich wirken wie dieser körpereigene Botenstoff, lindern lassen. Wissenschaftler vermuten eine erbliche Veranlagung zu dieser Erkrankung. Dies wurde unter anderem durch Zwillingsstudien bestätigt. Ein genauer Genort ist nicht bekannt.

Es gibt aber auch andere Auslöser für RLS, zum Beispiel Schwangerschaft, Eisenmangel, Nervenschädigungen (wie Polyneuropathie bei Diabetes mellitus), Niereninsuffizienz, Medikamentennebenwirkungen (etwa bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika und der breit eingesetzte Wirkstoffe gegen Übelkeit, Metoclopramid). Hat sich das restless legs Syndrom auf dem Boden einer anderen Erkrankung gebildet, reicht es oft aus, diese Grunderkrankung zu behandeln.

Viele Restless legs Symptome verlaufen so milde, dass sie keiner Therapie bedürfen. Wird der Leidensdruck jedoch so groß, kann der Arzt Medikamente verschreiben. Zum Einsatz kommen Wirkstoffe, wie sie in höherer Dosierung auch bei Parkinson Krankheit eingesetzt werden, zum Beispiel L-Dopa, Pramipexol, Ropinirol oder Rotigotin. Eine ernst zu nehmende Nebenwirkung ist hier eine Verschlechterung der Symptome. so können bereits zu Beginn einer Therapie oder auch erst im weiteren Therapieverlauf die Symptome auch tagsüber oder auch schon nach sehr kurzer Ruhephase eintreten – diesen Vorgang nennt man Augmentation. In diesem Fall kann auf Schmerzmittel wie Oxycodon zurückgegriffen werden. Als Alternative stehen auch Medikamente gegen Epilepsie wie zum Beispiel Gabapentin zur Verfügung.

Das RLS kann in der Regel gut behandelt werden. Es können jedoch lediglich die Symptome unterdrückt werden, eine Heilung ist bisher nicht möglich. Leichter Sport (z.B. Dehnübungen, Yoga, QiGong) und Ablenkung können die medikamentöse Therapie unterstützen. Auch das Abduschen mit kaltem oder heißem Wasser hilft einigen Betroffenen. (Quelle: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: RLS)

Das „Ärzteforum“ gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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