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Wirtschaft

Bionorica investiert kräftig in Neumarkt

Die Unternehmensgruppen errichtet ein zusätzliches Verwaltungsgebäude. Neue Märkte versprechen künftig weiteres Wachstum.
Von Eva Gaupp

Mehr als 20 Millionen Medikamentenpackungen von Bionorica haben Apotheken 2018 in Deutschland verkauft. Foto: Lars Langemeier/Bionorica
Mehr als 20 Millionen Medikamentenpackungen von Bionorica haben Apotheken 2018 in Deutschland verkauft. Foto: Lars Langemeier/Bionorica

Neumarkt.Wenn im Winter die Arbeitsplätze in Büros leer bleiben und sich die Wartezimmer der Allgemeinärzte füllen, dann ist Erkältungszeit. Und Bionorica-Zeit. In Neumarkt dürfte es außer Prof. Dr. Michael A. Popp kaum einen zweiten Menschen geben, der von einer „guten Grippewelle“ spricht. 2018 sorgte diese für markante Ausschläge nach oben bei den Absatzzahlen des Pharmaunternehmens.

Der Vorstandsvorsitzende und Inhaber von Bionorica, Prof. Dr. Michael A. Popp, sowie der Vorstand Global Business, Dr. Uwe Baumann, stellten die aktuelle Entwicklung der Unternehmensgruppe vor. Foto: Gaupp
Der Vorstandsvorsitzende und Inhaber von Bionorica, Prof. Dr. Michael A. Popp, sowie der Vorstand Global Business, Dr. Uwe Baumann, stellten die aktuelle Entwicklung der Unternehmensgruppe vor. Foto: Gaupp

Es liegt jedoch nicht nur an den Viren, dass der Hersteller pflanzlicher Arzneimittel seit Jahren Erfolgsmeldungen bei seinen Bilanzpressekonferenzen verkündet. 20 Millionen Packungen von Sinupret, Bronchipret, Tonsipret und den anderen Präparaten gingen 2018 über die Ladentheken der deutschen Apotheken. Wieder ein Rekord. Damit wächst die Unternehmensgruppe sehr viel schneller als der Markt der pflanzlichen Arzneimittel und die Konkurrenz.

Apotheken und Ärzte als Partner

Die Apotheken sind es auch, die der Vorstand Global Business, Dr. Uwe Baumann, als eine Basis des Erfolgs ausmacht. „Wir setzen nicht einfach nur auf Fernsehwerbung, sondern klären über Phytotherapie auf.“ Inzwischen werden neben Pharmazeutisch Technische Assistenten (PTA) auch Apotheker in puncto Phytotherapie qualifiziert, und zwar über unabhängige Seminare der IHK. Bionorica könne es sich als Marktführer erlauben, neutral zu informieren, sagt Baumann. Außerdem sucht man das Gespräch mit Ärzten, um sie von der Wirksamkeit zu überzeugen – mit klinischen Studien, satt mit Werbeslogans.

Diese Grafik zeigt, dass in den Wochen mit vielen Erkältungen und Grippekranken die Nachfrage nach Sinupret steigt.

Diese Strategie greift weltweit. In Russland wie in Litauen, in Österreich wie in China berät der firmeneigene Außendienst das Personal der Gesundheitsbranche über die Vorteile der Pflanzenmedizin. In Russland halte Bionorica sogar die Preise trotz des fallenden Rubels stabil, damit sich Apotheken und Patienten die Medikamente nach wie vor leisten können, sagt Popp. So schaffe es Bionorica, Jahr für Jahr selbst in Russland zu wachsen. In Woronesch, einer Stadt mit rund 900000 Einwohnern in Zentralrussland, errichtet die Unternehmensgruppe für 40 Millionen Euro einen neuen Produktionsstandort, der vielleicht schon 2020 in Betrieb gehen kann.

Datails zu Dronabinol und den Absatzzahlen lesen Sie in diesem Artikel.

Erfahren Sie in diesem Video, was es mit Cannabis auf Rezept auf sich hat.

Cannabis auf Rezept

Etwa 25 Millionen Euro werden in Neumarkt investiert. Wie bereits in der Sitzung des Bausenats angekündigt, soll die Produktion von Dronabinol, eines pflanzlichen Cannabinoids, vervielfacht werden. Seit Patienten medizinisches Cannabis auf Rezept erhalten, ist die Nachfrage massiv gestiegen. Eigentlich hätten die Kapazitäten noch weiter erhöht werden sollen – doch bei den Produktionsanlagen handle es sich um Prototypen, sagte Popp. Und die lassen solche Quantensprünge derzeit noch nicht zu.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite (links) baut Bionorica ein neues Verwaltungsgebäude. Auf dem Firmengelände wird eine größere Lagerhalle entstehen. Foto: Gaupp
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite (links) baut Bionorica ein neues Verwaltungsgebäude. Auf dem Firmengelände wird eine größere Lagerhalle entstehen. Foto: Gaupp

1736 Mitarbeiter bei Bionorica

Außerdem entsteht auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo Bionorica 20000 Quadratmeter Grund erworben hat, ein neues Verwaltungsgebäude für 200 Mitarbeiter. Am Montag sollen dafür die ersten Bäume gefällt werden, kündigte Popp an. Von den insgesamt weltweit 1736 Mitarbeitern sind circa 800 am Hauptsitz des Unternehmens beschäftigt. 200 gehören dem Vertrieb in Deutschland an, die übrigen arbeiten im Ausland. 6,2 Prozent mehr sind es 2018 geworden im Vergleich zum Vorjahr. Und die Suche nach Personal hält an.

Weitere Nachrichten aus Neumarkt lesen Sie hier.

Zukunftsperspektiven

  • Cannabis:

    Seit Ärzte schwer kranken Patienten medizinischen Hanf auf Rezept verschreiben können, steigt die Nachfrage. Allerdings sind die Anträge an die Krankenkassen kompliziert. Zwei Drittel der Anträge werden derzeit noch abgelehnt. Bionorica versorgte vergangenes Jahr 19 500 Patienten mit dem Cannabis-Präparat Dronabinol. 2019 sollen es schon 33 000 Patienten sein.

  • Gespräche:

    Bionorica ist in Kontakt mit Krankenkassen, um aufzuklären, damit die Zahl der Genehmigungen steigt.

  • Märkte:

    Dronabinol wird auch in Österreich, Dänemarkt und der Schweiz verkauft, weitere Länder werden erschlossen.

  • Perspektive:

    Cannabidiol ist ein Cannabinoid, das sich wenig auf die Psyche auswirkt. Bionorica setzt es seit 2014 als Wirkstoff ein, weil es entzündungshemmend wirkt. Bionorica erwartet eine Zulassung des Wirkstoffs für Epilepsie und Schizophrenie, zudem könnte es bei Bauspeicheldrüsenkrebs eingesetzt werden, vermutet Popp. Da dieser den Stoffwechsel erhöht und die Krebstherapie starke Übelkeit hervorruft, könnte Cannabidiol den Gewichtsverlust verringern und die Lebensqualität steigern.

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