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Das Ende der Pfarrei Lutzmannstein

Die Pfarrei ist nun auch rechtlich aufgelöst. Velburg soll sich darum kümmern, dass jedes Jahr eine Messe stattfindet.
Von Wolfgang Schön

An den Stufen der früheren Pfarrkirche St. Luzia und Maria feierten die Geistlichen den letzten Gottesdienst.  Foto: Wolfgang Schön
An den Stufen der früheren Pfarrkirche St. Luzia und Maria feierten die Geistlichen den letzten Gottesdienst. Foto: Wolfgang Schön

Velburg.70 Jahre werden es im kommenden Jahr sein, dass durch die verfügte West-Erweiterung des Truppenübungsplatzes Hohenfels fast 3200 Menschen ihre angestammte Heimat in dem betroffenen Gebiet zwischen Parsberg und Hohenburg verlassen mussten und innerhalb weniger Monate umgesiedelt wurden. Davon betroffen war auch die Pfarrei Lutzmannstein an der westlichen Grenze zur Nachbarpfarrei Velburg.

Der Pfarrort Lutzmannstein allein zählte damals im Sommer 1951 knapp 300 Betroffene, die ebenso wie ihre weiteren Leidensgenossen vieles zurücklassen mussten, was auch im Zusammenhang mit ihrem Glauben stammt: Die Kirche, den Friedhof, die Wallfahrtswege und die Kapellen, Bildstöcke und Kreuze, die es hier in der weiten Flur gab. De facto existierte damals schon die Pfarrei durch die verfügte Umsiedlung nicht mehr. Mittels erlassenen Dekret wurde nun durch Bischof Gregor Maria Hanke bekanntgemacht, dass die der Diözese Eichstätt zugehörige Pfarrei St. Luzia und Maria Lutzmannstein nach Anhörung des Priesterrates mit Wirkung vom 1. Februar 2020 aufgelöst und deren Territorium der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Velburg zugeordnet wird.

Nur noch eine Messe pro Jahr

Durch diese Aufhebung wird die Existenz der Pfarrei Lutzmannstein nun auch kirchenrechtlich beendet und deren Rechtspersönlichkeit erlischt nun auch in allen Punkten, die sich hier zukünftig ergeben könnten und von Rechts wegen naturgemäß juristischen Personen zukommen, heißt es in dem Dekret.

Die Historie

  • 1200:

    In diesem Jahr sind erstmals die „Herren von Lutzmannstein“ genannt.

  • 1455:

    Lutzmannstein wird Filiale der Pfarrei Oberweiling.

  • 1542:

    Lutzmannstein wird eine eigenständige Pfarrei.

  • 1951:

    Der Ort und die Pfarrei Lutzmannstein werden aufgelöst und die Bewohner umgesiedelt. (pws)

Die noch vorhandenen „frommen Messstiftungen der Pfarrei St. Luzia zu Lutzmannstein“ hat die Eichstätter Kongregation für den Klerus mit Schreiben vom 6. November 2019 auf die Feier einer heiligen Messe pro Jahr reduziert. Dafür zuständig gemacht wurde die Katholische Kirchenstiftung Velburg, die nun für die Abhaltung dieser auf 25 Jahre festgeschriebenen Messstiftungen zuständig ist.

Eine Messe zum Abschied

Dies war für Stadtpfarrer Martin Becker nun auch der Anlass, dieses von Eichstätter Seite erlassene Dekret nicht nur den Gläubigen seiner Pfarrgemeinde in Velburg bekanntzumachen, sondern auch eine letzte heilige Messe am Ort des Geschehens in Lutzmannstein zu feiern. Unterstützung für dieses Vorhaben fand Pfarrer Becker bei der Stadt Velburg und Bürgermeister Bernhard Kraus, wo man seit einigen Jahren nun auch schon seit dem Tod des aus Krumpenwinn in der Pfarrei Lutzmannstein stammenden Pfarrers Hans Eichenseer die regelmäßigen Umsiedlertreffen der Lutzmannsteiner Landsleute organisiert. Durch die guten Kontakte zu den US-amerikanischen Stellen mit Norbert Wittl und Dr. Albert Böhm wurde es dann sogar möglich, diese Messe mit einer Gruppe von mehr als 40 Personen zu feiern, darunter auch noch direkt Betroffene der Umsiedlung von 1951.

In den verbliebenen Resten der einstigen Ortschaft Lutzmannstein führen die US-Dienststellen seit einigen Jahren mit deutschen Firmen umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen durch, die hier im Zuge vorgenommener baulicher Aktivitäten im Truppenübungsplatzareal als Auflagen verordnet sind. So wurden die Mauerreste der Außenfassade des Schlosses Lutzmannstein gesichert, das frühere Haus der „Schloud Marie“ als Fledermaushaus aufgebaut, der einstige Dorfbackofen wieder errichtet und zuletzt nun auch Aufbaumaßnahmen an der Pfarrkirche St. Luzia vorgenommen.

Der Glaube vereint

Zu deren Stufen feierten nun die Pfarrer Martin Becker und Kaplan Thomas Sannikommula sowie Richard Hüttinger aus Eichstätt auf einem eigenes dafür errichten Altar mit den geladenen „Lutzmannsteinern“ auch den Gottesdienst. „Der Glaube ist das verbindende Element, das uns auch über das Trennende hinweg zusammenhält“, sagte der Pfarrer, der wie der Bürgermeister allen dankte, welche das Treffen möglich gemacht und in der Organisation auch unterstützt hatten.

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