MyMz
Anzeige

Kultur

Den Reiz machten die Kontraste

Die Landpartie der Berchinger Gluck-Freunde zu Ehren des Komponisten imponierte durch Gegensätze und viel Abwechslung – auch beim Wetter.
Von Dagmar Fuhrmann

  • An der Steinernen Rinne interviewte Charles Burney (Fritz Barth) C.W. Gluck (Joerg Eckhart). Auf der Uhr ist es zehn vor Zwölf. Fotos: Fuhrmann
  • Regisseur Joseph Berlinger
  • Eva Sixt als Marie Antoinette
  • Am Erasbacher Schlösschen

BERCHING. Die Landpartie 2014 ist die, die sich in der Erinnerung der Teilnehmer am tiefsten eingeprägt haben dürfte. Im Nachhinein betrachtet, wirkt sie fast wie von einem Traum gespeist. Man muss wahrscheinlich nicht jedes einzelne Symbol auf Anhieb verstehen, das Regisseur Joseph Berlinger in die Szenen eingebaut hat. Und die wenigsten unter den Teilnehmern dürften erfahrene Theatergänger sein. Intuitiv wird aber Jeder die Bedeutung des Gesehenen und Erlebten erfasst haben. Hinzu kommen die schnellen Orts- und somit Szenewechsel, denen das Publikum unterworfen wurde. Sie machten vordergründig die Landpartie durch ihre schnelle Abwechslung sehr interessant, waren aber andererseits eine starke Aussage des Regisseur.

So rastlos wie Christoph Willibald Gluck in seinem Leben war, mit einem starken Vorwärtsdrang und der Suche nach etwas Neuem, so wurden auch die Teilnehmer auf die Reise zu unterschiedlichsten Orten geschickt. Während in den vorherigen Jahren eher der Weg durch unterhaltsame Auftritte von historisch gewandeten Schauspielern unterbrochen wurde, so stand der Komponist im Jubiläumsjahr anlässlich seines 300. Geburtstags, das in seinem Geburtsort Berching gefeiert wird, selber im Mittelpunkt. Sofort nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die Vorsitzende des Freundeskreises Christoph Willibald Gluck Ursula Lindls wurden die Landpartie-Gänger Zuschauer einer starken Theaterszene.

Morbide Kulisse mit Aussage

. Regisseur Berlinger legte den Beginn des Komponisten-Lebens in die morbide Kulisse des Saalbeck’n-Hauses und unterstrich den starken Kontrast durch den Tanz einer jungen Frau um ein halbes Schwein, ließ Tierköpfe symbolisch und Vater Glucks Flinte lautstark sprechen.

Vielleicht waren die Gluck-Reisenden von dieser Szene noch so beeindruckt, dass sie völlig gelassen längere Zeit vor einem geschlossenen Bus warteten. Er sollte sie eigentlich zügig zur Schleuse 25 nach Mühlhausen bringen. Was fehlte, war der Busfahrer. Warum der nicht zum vereinbarten Ort erschienen war, blieb ungeklärt. Dadurch kam der genau ausgeklügelte Zeitplan des Nachmittags zunächst völlig durcheinander, was den Organisatoren gehörige Flexibiliät abverlangte, die Zuschauer in ihrem Erleben aber keineswegs beeinträchtigte. Das Busunternehmen holte schließlich einen anderen Busfahrer aus dessen Urlaub.

Einen Einblick in Glucks Psyche inszenierte Berlinger an der Schleuse 25. Meister Gluck nahm sich bei einer Musik-Probe seine Musiker, und besonders eine junge Sängerin, gehörig zur Brust. Sie wurde Opfer seines Zorns, als er die Notenblätter ins Wasser pfefferte. Am Schleusenhäuschens hing eine Nixe, die Schwimmbewegungen machte, halb aus dem Fenster. Es folgte die Fahrt mit einem Treidelschiff, gezogen von Hans Lubers Stute „Judith“. Besonderer Fahrgast war der Reiseschriftsteller und Musikhistoriker Charles Burney, der die Fahrgäste unterhielt und sie fragte, ob sie die Probe genossen hätten. Ein skurriler Kontrast zu dem ruhigen Dahingleiten auf dem Alten Kanal untermalt von Gluckscher Musik, die aus einem Lautsprecher am Ufer tönte, war Burneys Aufforderung, „In München steht ein Hofbräuhaus“ zu singen.

Geografischer Höhepunkt

Einen Höhepunkt, auch geografisch, erlebten die Teilnehmer an der „Steinernen Rinne.“ Leicht atemlos vom Aufstieg standen sie am Hang und wurden Zeugen, wie der Reiseschriftsteller den großen Komponisten interviewte. Und auch hier kam deutlich zur Geltung, wie ruhelos und rastlos Berlinger die Person des Glucks sieht. Unwirsch und kurz angebunden waren seine Antworten, das Ziffernblatt der Kirchenuhr drohte mit dem Symbol „zehn vor Zwölf“ und die aufgehängten Kokons, waren das Zeichen einer bevorstehenden Verwandlung. Die Botschaft dieser Szene bedurfte keiner Erklärung, um sie zu verstehen: Um Gluck war es zu diesem Zeitpunkt nicht gut bestellt, zehn vor Zwölf eben. Und auch hier gab es einen wirkungsvollen Kontrast. Im Gegensatz zu dem schimpfenden Komponisten und dem aufdringlichen Interviewer stand die zauberhafte, etherische Musik. Es schien, als ob sie dieser Quelle an der Steinernen Rinne direkt entsprungen sei. Das Erasbacher Jagdschlösschen war Schauplatz der letzten Szene. Dass ein Reifrock die Akteurin hinderte, einen Stuhl ins Haus zu tragen, beinhaltete eine weitere Aussage: Gluck wollte nicht dauerhaft sesshaft sein.

Ein Essen in der liebvoll dekorierten Maschinenhalle des Weidenwanger Landwirts Andreas Burger und ein Konzert in der Weidenwanger Kirche beendete die Landpartie. Hier zeigte sich die ganze Qualität der Nürnberger neuen Ratsmusik und insbesondere der Sopranistin Cornelia Schreiter.

Leider hatten – wie schon im Jahr zuvor – die Teilnehmer der Sonntags-Landpartie nicht so viel Glück mit dem Wetter. Es war regnerisch und kühl. Ein weiterer – allerdings ungewollter – Kontrast, auf den alle sicher gerne verzichtet hätten.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht