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Geschichte

Die Schicksale hinter den Totennamen

Auf der Gedenktafel in Schnufenhofen stehen sieben Tote des Ersten Weltkriegs. Andreas Gineiger wollte mehr wissen und auf besondere Weise gedenken.

  • Andreas Gineiger mit seiner Mappe, in der die Arbeit von Jahren und das Schicksal der gefallenen Schnufenhofener Männer im Ersten Weltkrieg steckt. Fotos: Endlein
  • Auch nach Fotos der Schnufenhofener Soldaten hat Andreas Gineiger gesucht.
  • Auf eigene Kosten hat Andreas Gineiger Blumen an die Gräber der fern der Heimat beerdigten Schnufenhofener Soldaten (hier Georg Beringer) bringen lassen.

Schnufenhofen.Jakob Hierl ist am 29. August 1914 gestorben. Vielmehr ist über den Schnufenhofener Soldat, der im Ersten Weltkrieg fiel, nicht bekannt. Nachzulesen ist das auf der Gedenktafel für die Toten des Ersten Weltkriegs an der Kirche in Schnufenhofen.

Andreas Gineiger war das zu wenig. „Die Leute geben sich damit zufrieden“, sagt der Schnufenhofener und meint damit, die Hintergründe hinter den sieben Namen auf der Gedenktafel. In Jahre langer Arbeit hat sich der Heimatkundler daran gemacht, den Spuren der Schnufenhofener Männer nachzuforschen.

Wer waren die Gefallenen? Wo und wie sind sie gestorben? Wo beerdigt? Diesen Fragen ging er nach – mit einigem Zeitaufwand. Fünf Jahre schrieb er Archive an und befragte Angehörige. Herausgekommen ist eine Mappe, mit vielen Informationen und Bildern zu den gefallenen Schnufenhofenern.

Von Jakob Hierl hat Gineiger herausgefunden, dass dieser im Alter von 30 Jahren eingezogen worden war. Aus Gesprächen mit älteren Schnufenhofenern rekonstruierte er sogar die Stunden des Abschieds von Hierl und seines Freundes Josef Schmidt.

„Ich komm nicht mehr heim!“

Zusammen seien die beiden Richtung Bahnhof Seubersdorf gegangen, um dort den Zug zur Truppe zu besteigen. Hierl muss da schon eine böse Vorahnung gehabt haben. Denn wie sein Freund Schmidt nach dem Krieg erzählt haben soll, habe sich Hierl immer wieder umgedreht, um einen letzten Blick auf Schnufenhofen zu werfen. Trotz der Aufmunterung seines Freundes, dass man schon heil zurückkehren werde, soll sich Hierl sicher gewesen sein: „Na Sepp, ich komm nicht mehr heim!“

So war es dann auch. Wie Gineiger herausfand, fiel der Schnufenhofener Infanterist bei Lauterfingen in Lothringen. Begraben wurde er zunächst in einem Massengrab, nach dem Krieg kam er auf einen Soldatenfriedhof im französischen Morhange. Dort liegt er heute in einem sogenannten Kameradengrab. „Es war ja nicht möglich, die einzelnen Soldaten aus dem Massengrab voneinander zu unterscheiden“, sagt Gineiger.

Doch um das Wissen allein ging es dem 72-Jährigen nicht. Schließlich ist das Wissen der Schlüssel zum Gedenken. Sobald er wusste, wo ein Schnufenhofener beerdigt lag, schrieb er den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an. Seine Bitte, an jedem Grab eines Soldaten aus seinem Ort einen von ihm bezahlten Blumenstrauß niederzulegen und dies mit einem Foto zu dokumentieren.

Großvater kehrte aus Krieg zurück

Was ihn zu all dem antrieb? Schon immer habe ihn gestört, dass sich viele Menschen sich so wenig für die Schnufenhofener Opfer der Weltkriege interessieren. Denn auch im Fall der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs hat Gineiger umfangreiche Nachforschungen angestellt. Nicht zuletzt, weil sein eigener Vater darunter ist. Er fiel in Italien und liegt heute auf einem Soldatenfriedhof am Gardasee begraben.

Aber auch der Erste Weltkrieg hatte Spuren in der Gineigers Familie hinterlassen. Sein Großvater sei zwar heimgekehrt, doch laufen konnte er nie wieder richtig. Erfrierungen an den Füßen banden ihn Zeit Lebens an das Bett, erinnert sich Gineiger.

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