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Freizeit

Abenteuerliche Kanufahrt auf der Altmühl

Unsere MZ-Reporterin und ihr Sohn wollten eigentlich nur gemütlich nach Kottingwörth paddeln – dann kam das Gewitter.
Von Katrin Böhm

Paddeln auf der Altmühl ist sehr gemütlich – und ist super möglich, auch wenn man kein Kanuprofi ist. Findet auch Henri, sieben Jahre alt. Foto: Böhm
Paddeln auf der Altmühl ist sehr gemütlich – und ist super möglich, auch wenn man kein Kanuprofi ist. Findet auch Henri, sieben Jahre alt. Foto: Böhm

Beilngries.Es ist Sonntagvormittag, die Sonne sticht vom Himmel und am Kratzmühlsee weist der leuchtendgelbe Sonnenschirm von Renate Janz all jenen den Weg, die den Tag auf dem Wasser verbringen möchten. Und das sind eine Menge Menschen. Eine Gruppe junger Männer, die schon in Kürze oberkörperfrei und mit Sonnenbrand am Rücken über die Altmühl paddeln wird, viele Familien mit kleinen und größeren Kindern, ein verliebtes Paar, das einen romantischen Kanuausflug unternehmen will. Und wir – Henri, sieben Jahre alt, und seine Mutter, die MZ-Reporterin, die sich beim Anblick der top-ausgerüsteten Familie neben ihr – Neopren-Schuhe, teure Outdoor-Klamotten und eine Menge Proviant – leise fragt, ob Birkenstock-Schlappen wirklich so eine gute Idee sind und ob zwei Flaschen Wasser genug Reiseproviant darstellen.

Zumindest macht Renate Janz keine Anstalten, darauf hinzuweisen, dass das für eine Zwei-Stunden-Tour nicht ausreichend wäre. Vielleicht hat sie aber für Belehrungen dieser Art auch einfach keine Zeit. Schließlich klingelt ihr Handy am laufenden Band. Jemand kommt zu spät, ein anderer noch später und ein dritter Anrufer will noch spontan ein Boot mieten. Das übliche Tagesgeschäft an einem Wochenende im Juli. Renate Janz nimmt’s locker. „Heut’ kommen eh alle zu spät, kein Problem. Wenn ihr da seid, seid’s da.“

Seit 20 Jahren im Geschäft

Spontan muss man sein in dem Business, das weiß sie aus eigener Erfahrung und von ihrem Mann Günter, der vor 20 Jahren den „Sonnigen Altmühltaler“ gegründet hat und im vergangenen Jahr überraschend gestorben ist. Dass sie mit dem Betrieb weitermacht, war für Renate Janz klar – schließlich ist sie selbst ausgebildete Kanutouristikerin mit Guide-Ausbildung. Das 20. Jubiläum feiert „Der Sonnige“ heuer, Günter Janz wäre stolz auf seine Frau. Nicht nur, weil sie alles managt, sondern weil sie im Frühsommer als erste Frau im Altmühltal vom Kanuverband zertifiziert wurde. „Da freu ich mich sehr darüber, dass ich das geschafft habe – und dass nichts bemängelt wurde.“

Schließlich ist Renate Janz mit voller Leidenschaft bei der Arbeit. Dabei kam die Begeisterung fürs Kanufahren eigentlich erst über ihren Mann. Der war Segler und als die beiden von München ins Altmühltal zogen, beschloss Günter Janz, seinen Job als Krankenpfleger hinzuschmeißen und stattdessen einen Kanuverleih aufzumachen. Seine Frau fragte ihn zunächst vorsichtig, ob es ihm wirklich gut gehe (der Wortlaut war: „Du spinnst, ich lass dich in die Klapsmühle einliefern“), ließ sich dann aber ebenso schnell von der Begeisterung anstecken.

Viele Bilder zur Kanutour finden Sie in unserer Bildergalerie:

Und die wiederum springt auf ihre Kunden über. Während Renate Janz spricht, wartet Henri mit langsam wachsender Ungeduld darauf, dass es losgeht. Doch ehe wir aufs Wasser dürfen, wird die leuchtend orange Schwimmweste angelegt – das ist auch für Kinder, die schon schwimmen können, üblich. Schließlich ist es etwas anderes, überraschend aus einem kenternden Boot zu fallen als geplant vom Startblock im Freibad ins Wasser zu springen.

Nach den Anweisungen von Timo, der uns erklärt, was wir tun sollen, um nicht zu kentern (keine hektischen Bewegungen, Steine lieber schön umfahren) und wie wir richtig ins Kanu ein- und aussteigen (das Paddel querlegen und als Einsteighilfe nutzen), wird das Boot zu Wasser gelassen und wir dürfen los. Unser Ziel: Kottingwörth. Zwei Stunden soll es dauern, dort wollen wir im Gasthof nahe der Anlegestelle Pommes essen.

Auf der Suche nach Krokodilen

Es paddelt sich herrlich entspannt, die Altmühl ist ein gemütlicher Fluss. Wer reißende Strömungen und Nervenkitzel sucht, ist hier falsch. Stattdessen lassen wir die Wohnwagen am Campingplatz der Kratzmühle und ein paar Häuser in aller Ruhe an uns vorbeiziehen, steuern um die Bäume mit ihren tiefhängenden Äste herum (gelingt fast immer), beobachten die Libellen, die um unser Boot herumsausen und halten Ausschau nach Anton und Antonella, den beiden Krokodilen, die in der Altmühl leben sollen – so hat es Renate Janz Henri erzählt. Der glaubt das zwar eigentlich nicht, ganz sicher ist er sich aber doch nicht – zumal wir keine Kekse dabei haben, mit denen wir die Krokodile im Falle eines Falles besänftigen sollen.

Als alleiniger Erwachsener an Bord ist es nicht ganz einfach, Kurs zu halten, weil man beim Paddeln ständig die Seiten wechseln muss, aber Schlangenlinien sind auch eine Option. Wir haben ja Zeit. Vermeintlich. Denn am Himmel überm Hirschberg ziehen dunkle Wolken auf. Ich paddle kräftiger, in der vagen Hoffnung, schneller als die Wolken zu sein. Noch scheint ja auch die Sonne.

Das erste dumpfe Grollen überhören wir einfach. War da was? Nein, nein, nur mein Magen. Irgendwann lässt es sich aber beim besten Willen nicht mehr ignorieren: Da kommt ein Gewitter auf uns zu. Und Gewitter und Wasser, das weiß auch mein Sohn längst, das passt nicht gut zusammen. Wir legen an einem Holzsteg an, mitten in der Pampa, außenrum nichts außer Feld und Wiesen. Auch nicht ideal, denke ich.

Den abenteuerlichen Kanuausflug im Video gibt es hier:

Eine Kanufahrt auf der Altmühl - von der Kratzmühl

Wir essen erst mal ein Kaubonbon und warten auf eine Eingebung. Die kommt in Form einer anderen Familie, die ebenfalls auf der Altmühl paddelt, sich aber weniger Sorgen wegen des Wetters macht und uns darauf hinweist, dass im Notfall in ein paar hundert Metern der Campingplatz Beilngries samt Anlegestelle kommt. Viel besser als ein Holzsteg im Nirgendwo, befinde ich. Wir schaffen es, unsere Sachen und uns selbst wieder im Boot zu verstauen, ohne ins Wasser zu fallen und paddeln los.

Die Camping-Anlegestelle passieren wir trotzdem erst einmal, weil der Abenteurer in uns zunächst größer ist als der Angsthase – zumindest bis es ein paar Meter später richtig kracht. Also paddeln wir flussaufwärts zurück – und ich bin heilfroh, dass die Altmühl so ein strömungsarmer Fluss ist.Dass Aussteigen besser als Weiterfahren ist, denkt sich auch eine weitere Bootsbesatzung: Ruth Hanna Kuhne und ihr Mann Manfred sind aus Bremerhaven gekommen, um mit ihrem Enkel Lars aus Neumarkt Kanu zu fahren, doch auch ihnen ist das Donnern nicht geheuer.

Alles Hoffen ist umsonst

Zusammen warten wir an der Anlegestelle, wie sich das Wetter entwickelt, beobachten ein paar sonnenverbrannte Kanufahrer, die trotz Donnerns unbeschwert weiterfahren, weil sie ihre Kumpels einholen wollen, und hoffen darauf, dass sich das Gewitter vielleicht doch unbemerkt verzieht. Doch sämtliches Hoffen hilft nichts, der Himmel wird immer dunkler, bald fallen die ersten Tropfen. Praktischerweise gibt es in der Nähe einen Unterstand, in dem Boote gelagert werden und in dem auf einer Bank Platz genug für gestrandete Abenteurer ist.

Zu denen gehören auch Anja Grimminger und ihr achtjähriger Sohn Hannes aus Altmannstein. Ein bisschen enttäuscht sind die drei Jungs in der Hütte schon, dass die Kanufahrt so unvermittelt zu Ende ist, aber irgendwie ist es auch ein Abenteuer. Der Regen prasselt auf das Holzdach, Blitz und Donner sausen herunter – aber wir sitzen sicher im Trockenen. Gemeinsam beschließen wir, dass es mit der Kanutour heute wohl nichts mehr werden wird, denn für Nachmittag sind auf allen mobilen Wetter-Apps weitere Gewitter angekündigt.

Lust auf eine Kanufahrt? Dann haben wir hier ein paar Ideen:

Kanutouren auf der Altmühl

  • Ilbling – Kratzmühle:

    Die Tour ist besonders für Familien mit Kleinkindern geeignet, da sie nur eineinhalb Stunden dauert. „Das reicht für die ganz Kleinen“, sagt Renate Janz – schließlich sollen sie so lange sitzenbleiben. Wenn man Glück hat, schlafen sie bei dem Geschaukel auf dem Boot sogar ein. Insgesamt gibt es vier Einkehrmöglichkeiten.
    Die Tour ist sehr beliebt – man fährt zwei Stunden durch die Natur und kann am Ziel ins Gasthaus zur Sonne einkehren. Die 7,5 Kilometer lange Strecke ist gut für Familien geeignet, die noch ungeübt im Paddeln sind. Wer zwischendurch rasten möchte, kann nach etwa einer Stunde am Campingplatz Beilngries halten.
    Zweieinhalb bis drei Stunden sollte man für die 12,5 Kilometer lange Strecke einplanen. Wer keinen Proviant dabei hat, muss nicht hungern: Auf der Strecke liegen drei Lokale, am Ziel gibt es zwei Gasthöfe. Auch wenn man etwas länger unterwegs ist, ist die Strecke für Anfänger gut machbar.

  • Kratzmühle – Töging:

    Die Tour dauert mit dreieinhalb Stunden (ohne Pause) etwas länger – und es sollten genügend Leute an Bord sein, die kräftig genug sind, ein Boot aus dem Wasser zu hieven und ein paar Meter zu tragen, denn es muss ein Wehr umtragen werden. Ein Gasthaus liegt auf der Strecke, eines befindet sich am Ziel.
    Für Abenteurer und Paddelfans gibt es Mehrtages-Touren, zum Beispiel von Dolnstein über Eichstätt und Gungolding an die Kratzmühle (insgesamt 54 Kilometer). Täglich werden zwischen 16 und 19 Kilometer gepaddelt, übernachtet wird an den Bootsrastplätzen Eichstätt und Gungolding. Alle Boote haben Platz für Gepäck.
    Die Touren kosten zwischen 3 und 5 Euro pro Kleinkind (ein bis fünf Jahre), 10 und 15 Euro pro Kind (sechs bis 14) und 17 bis 25 Euro pro Erwachsenem. Die Drei-Tagestour kostet je nach Teilnehmerzahl 50 bis 90 Euro pro Person. Wasserdichte Tonnen und Schwimmwesten werden gestellt, Transfer ist inbegriffen. Weiteres Outdoor-Zubehör kann gemietet werden.

Manfred Kuhne ruft beim Rückholservice des „Sonnigen Altmühltalers“ an und ein paar Minuten später naht unsere Rettung in Form eines Kleinbusses samt Anhänger. Gemeinsam ziehen wir die Boote aus dem Wasser und verladen sie auf den Anhänger – gar nicht so einfach, da nicht alle Boote Leichtgewichte und nicht alle Bootfahrer groß genug sind, um zu helfen. Im Bus geht es zurück zur Kratzmühle, wo auf uns schon die Großeltern und Bruder Ben warten.

Pommes, Eis und Tretboote

Pommes gibt es trotzdem, nur eben nicht in Kottingwörth, sondern im Seerestaurant vor Ort. Auch ein prima Platz, hier kann man mit Blick aufs Wasser essen, direkt daneben ist ein kleiner Sandstrand für die Kinder. Und in einer guten halben Stunde lässt es sich einmal um den See marschieren oder im Kleinkindertempo radeln. Später wollen wir noch ein Ruderboot oder, noch besser, ein Tretboot mit Rutsche in Form eines Autos mieten, aber erst einmal geht es zum Schwimmen ins Wasser – denn während es in Beilngries gewittert hat, ist es nur ein paar Kilometer weiter an der Kratzmühle trocken geblieben. Minigolfspielen könnte man auch, aber darauf haben weder die Jungs noch ich große Lust. Besser zum Spielplatz und zum Eiskiosk. Wir beschließen: Die Kanutour holen wir bald in voller Länge nach. Gewittert hat es übrigens den ganzen Nachmittag nicht mehr.

Alle Serienteile zu unserer Themenwoche „Ferien vor der Haustür“ finden Sie hier.

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