MyMz
Anzeige

Glaube

Gott und Teddy begleiten ihn zum Einsatz

Diakon Herbert Götz ist seit acht Jahren Seelsorger der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt. Er rückt mit der Truppe aus.
Von Eva Gaupp

Teddybären, Kruzifixe, Malstifte und Apfelschorle gehören zur Ausrüstung von Diakon Herbert Götz. Foto: Eva Gaupp
Teddybären, Kruzifixe, Malstifte und Apfelschorle gehören zur Ausrüstung von Diakon Herbert Götz. Foto: Eva Gaupp

Berg.Eine Flasche Apfelschorle, bunte Malstifte, Schere, Kerzen, Gummibärchen, eine lila Stola, Teddybären und Gebetsbücher. Die Ausstattung, die Feuerwehrseelsorger Herbert Götz zu einem Einsatz mitnimmt, füllt den ganzen Kofferraum. Ein Glas mit Schraubverschluss beherbergt sogar Weihwasser, eine Tasche hält kleine Kruzifixe bereit.

Eigentlich unterrichtet Herbert Götz in Vollzeit als Maler- und Lackierermeister an einer Berufsförderschule. Darüber hinaus fungiert der 54-Jährige als Diakon in der Pfarrei St. Vitus und am Klinikum und er ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann – und das ist bei ihm wörtlich zu verstehen. Denn der überzeugte Christ aus Berg hat 2006 als damals noch selbstständiger Handwerker an der Domschule in Würzburg ein vierjähriges Theologiestudium aufgenommen, um Diakon und Feuerwehrseelsorger zu werden. „Es wird so vielen geholfen, aber wer hilft den Einsatzkräften?“, sagt er.

Die wichtigste Aufgabe: Zuhören

Was Einsatzkräfte erleben und ertragen müssen, weiß Herbert Götz aus eigener Erfahrung. Denn er gehört seit 37 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr an. Als Zugführer rückt er mit aus. „Für einen Feuerwehrseelsorger ist es wichtig, dass er Stallgeruch hat.“ Seine Dienstkleidung ist zwar die des Feuerwehrmannes, doch er ist durch die Aufschrift auf Helm und Jacke sofort als Seelsorger erkennbar. Seine Kameraden – und auch die anderen Einsatzkräfte – wissen immer, wo er sich befindet. Sie wissen, er ist da.

Herbert Götz ist seit 2011 Seelsorger der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt. Foto: Eva Gaupp
Herbert Götz ist seit 2011 Seelsorger der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt. Foto: Eva Gaupp

Und das ist schon ein großer Part seines Amtes. Da zu sein. Halt zu geben, allein durch seine Gegenwart. Kleine Helfer sind die Gummibärchen, die flauschigen Teddys. „Auch Erwachsene brauchen in manchen Situationen etwas zum Festhalten“, sagt Herbert Götz. Es gehe oft gar nicht darum, etwas Kluges zu sagen, sondern einfach nur zuzuhören. Schweigen auszuhalten, auch Weinen und Schreien. „Jeder geht anders damit um.“

Sowohl die Opfer von Unglücken als auch deren Angehörige oder die Einsatzkräfte. Für alle fungiert der 54-Jährige als Seelsorger und Ansprechpartner. Zur Nachsorge gehören nicht nur eine gemeinsame Runde, in der man über einen schweren Einsatz spricht, und viele viele Einzel-Gespräche. Die Nachsorge beginnt für den katholischen Diakon noch vor Ort. Symbole und Rituale helfen, um ein Unglück zu verarbeiten.

Autobahn

Gaffer behindern die Einsatzkräfte

Es ist unglaublich, was Feuerwehrleute im Landkreis Neumarkt zu erzählen haben. Dreistigkeit hat offenbar keine Grenzen.

So deckt Götz einen Verstorbenen mit einem speziellen Tuch zu, stellt auch eine Kerze neben ihn. Sind die Einsatzarbeiten abgeschlossen, bietet er für alle Rettungskräfte eine Verabschiedungsfeier, ein Aussegnungsritual an. Nicht nur, um dem Verstorbenen zu gedenken, um zu beten. Sondern auch, um den Einsatzkräften zu signalisieren, ihre Arbeit ist getan. Sie können jetzt abschließen. „Ich gebe das, was ich getan habe, ab.“ Loslassen, auch wenn die Bilder für immer im Gedächtnis bleiben. „Man muss versuchen, einen Abschluss zu finden“, unterstreicht Götz.

Seine Frau steht hinter ihm

Das ist überlebensnotwendig, damit die Retter nicht krank werden. Auf seelische Traumata können körperliche Symptome folgen. Die muss ein Aktiver im Blick behalten, das lernen schon die Jugendlichen in ihrer Ausbildung. Denn Prävention gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Feuerwehrseelsorgers und sein etwa fünfköpfiges Team im Landkreis Neumarkt. Und woraus schöpft Herbert Götz seine Kraft? „Mein Glaube ist meine Kraftquelle.“ Und seine Frau. „Sie trägt alles mit.“

Feuerwehr-Serie Neumarkter Tagblatt

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht