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Nachwuchs

Junge Retter üben für den Ernstfall

Hinter der Jugendarbeit der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt stecken harte Arbeit – und Jugendliche mit Idealismus.
Von Eva Gaupp

Neumarkt Bezirksentscheid Feuerwehr 14 Foto: Eva Gaupp
Neumarkt Bezirksentscheid Feuerwehr 14 Foto: Eva Gaupp

Neumarkt.In der Pause sind sie ganz normale Jugendliche: Sie spielen Karten, Kichern über Handybilder, trinken Cola und albern herum. Dann vollzieht sich die Verwandlung. Wie ein Schauspieler mit dem Kostüm in seine Rolle schlüpft, verwandeln sich die Mädchen und Jungen in Mitglieder der Feuerwehr, wenn sie den Helm unterm Kinn festschnallen, Handschuhe überziehen und das Lachen voller Konzentration weicht. Es ist nur ein Wettbewerb, eine Übung von vielen, aber der sportliche Wettkampf hat einen ernsten Hintergrund.

Das Training sei nicht nur für die Einsätze wichtig, um schnell richtig zu reagieren, erklärt der Kreisjugendwart Jürgen Kohl. „Die Einsatzkräfte müssen für sich sagen können, ich habe alles gegeben, was möglich war.“ Dazu gehört zum einen, dass jeder weiß, was er zu tun hat – dazu gehört aber vor allem, dass sich jeder auf den anderen verlassen kann. Auch das muss das Training zeigen. Denn der Alltag der Feuerwehrleute bringt mitunter Leid und dramatische Momente mit sich. „Das kann man nur in der Gruppe und über die Kameradschaft bewältigen“, sagt Kohl.

Glaube

Gott und Teddy begleiten ihn zum Einsatz

Diakon Herbert Götz ist seit acht Jahren Seelsorger der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt. Er rückt mit der Truppe aus.

Das Rettungswesen in Deutschland wäre ohne die Feuerwehren undenkbar. Und zumindest im Landkreis Neumarkt ist der Nachwuchs gesichert. 1200 Jugendliche in 120 Jugendgruppen sind derzeit aktiv. In Buchberg existiert sogar eine Kinderfeuerwehr und in Sengenthal soll eine weitere Gruppe ab sechs Jahren entstehen. „Da sind wir gerade im Aufbau“, sagt sein Stellvertreter Jens Bögl.

Gemeinsame Unternehmungen

„Wir sind noch sehr gut aufgestellt“, freut sich Kohl, der dies auf die engagierte Jugendarbeit der Feuerwehren zurückführt. Dazu gehören bei weitem nicht nur Trainingseinheiten, sondern auch Grillfeiern, Ausflüge, Menschenkicker und vieles mehr.

Bezirksentscheid der Jugendfeuerwehr in Neumarkt

„Wir sind eine starke Truppe, die zusammenhält“, sagt Tim Söllner. Wie seine Kameraden ist der 16-Jährige noch nicht bei einem Ernstfall zum Einsatz gekommen. Die meisten Feuerwehren nehmen Jugendliche erst ab 18 mit. Minderjährige dürfen nur außerhalb des Gefahrenbereichs eingesetzt werden und es muss ein Betreuer für sie abgestellt werden, erklärt Tim Söllner. Damit wären jedoch zwei Sitze im Einsatzfahrzeug mit Personen belegt, die keine wichtigen Positionen vor Ort einnehmen können. „Aber wir freuen uns alle auf den ersten Einsatz“, sprudelt es aus dem 16-Jährigen heraus. Natürlich sei er sich darüber im Klaren, dass jeder Einsatz Verletzte, gar Tote bereit halten kann, dass jeder Einsatz auch für die Retter Gefahren in sich birgt. „Gleichzeitig weiß man aber, dass man Menschen helfen kann“, sagt Tim Söllner. Und Adrenalin spiele schon auch eine Rolle.

Hier sehen Sie ein Video der Wettkämpfe in Neumarkt von Teams aus der ganzen Oberpfalz:

Jugendfeuerwehren kämpfen in Neumarkt um den Sieg

Um die jungen Nachwuchskräfte behutsam heranzuführen, trainieren sie ab dem 16. Lebensjahr mit den Erwachsenen, führt Jens Bögl weiter aus. Und Einsätze werden nachbesprochen, unterstreicht Jürgen Kohl. Vor allem, wenn Menschen zu Schaden gekommen sind.

Einer, der den Nachwuchs auf ihrem Weg begleitet, ist Franz Späth. In der Gemeinde Berg wird alle zwei Jahre ein Aufruf gestartet, um neu Jugendliche für die Feuerwehr zu gewinnen. So sind zwölf neue dieses Jahr zur Truppe dazugestoßen – und sie haben sich gleich für den Bezirksentscheid der Jugendfeuerwehren qualifiziert. Zwei- bis dreimal haben sie dafür pro Woche trainiert, samstags auch. Im Rahmen der Truppmannausbildung ab 16 Jahren sind zwei Stunden dem Seelsorger der Feuerwehr vorbehalten. In Berg ist Diakon Herbert Götz ebenfalls aktiver Feuerwehrler. Ein Glücksfall. „Es ist wichtig, dass man ganz offen darüber reden darf, was einen beschäftigt“, sagt der 21-Jährige.

Florian Praxl ist der Jugendwart in Berg. Auch er begleitet die jungen Mädchen und Buben. „Die Faszination der roten Autos und die Kameradschaft, die gibt es bei der Feuerwehr noch.“ Und dann gibt es da noch die Bilder von den schweren Unglücken. „So was vergisst man nicht“, sagt Praxl, der schon 25 Jahre im aktiven Dienst ist. Früher in Aschheim, jetzt in Berg.

Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr. Etwa 70 Prozent der Ehrenamtlichen stammen aus der Jugendfeuerwehr, weiß Heinrich Scharf. Auch wer zwischendurch der Wehr den Rücken gekehrt hat, kommt oft wieder zurück. Der Amberger ist Bezirksjugendwart und beobachtet die Entwicklung im Landkreis Neumarkt relativ entspannt. Dennoch sagt er: „Wir müssen um jeden Jugendlichen kämpfen.“

Laut Prognosen wird die Zahl der Aktiven sinken

Denn nicht in allen Kreisen ist es gut um den Nachwuchs bestellt, ergänzt Alexander Beier, einer von zwei Leitern des Bezirksentscheids der Jugendfeuerwehren. Im Landkreis Cham beispielsweise sehe es nicht ganz so gut aus. Und schon gar nicht in allen bayerischen Bezirken. Im bayernweiten Vergleich steht die Oberpfalz top da“, fügt Felix Müller, der zweite Wettbewerbsleiter, an. Zwischen 18 und 27, wenn sich das Leben der meisten Menschen in Beruf und Familie verändert, verlieren auch die Feuerwehren die meisten Mitglieder. „Deshalb müssen wir die Leute frühzeitig an die Feuerwehr binden“, appelliert Scharf.

Spezialisten sind bei Feuerwehr gefragt

Wegen der notwendigen Spezialisierung und des demografischen Wandels müssten die Feuerwehren heute eigentlich noch mehr Mitglieder gewinnen als früher, um in zwölf bis 14 Jahren dasselbe Niveau zu halten wie heute. „Den Universal-Feuerwehrmann gibt es eigentlich nicht mehr“, erläutert Scharf. Es braucht Spezialisten für Gefahrgut, Höhen- und Absturzsicherung, für Atemschutzgeräte und und und. „Es wird den Leuten unheimlich viel abverlangt.“

Feuerwehr-Serie Neumarkter Tagblatt

Um ihnen den Rücken freizuhalten und die entsprechende gesellschaftliche Unterstützung zu gewährleisten, braucht es die Verbandsarbeit und die Politik. Personen wie Heinrich Scharf, der sich um Fördermittel kümmert, die Jugendwarte vor Ort unterstützt, ihre Belange nach außen vertritt und die Belange der Jugend nach innen, einer, der beispielsweise auch dafür kämpft, dass das Eintrittsalter für Jugendliche von 14 auf zwölf Jahre gesenkt worden ist. „Das sind relativ viele Dienstbesprechungen“, nickt der 54-Jährige. Der Ansatz der Feuerwehrarbeit sei ganzheitlich, erklärt Scharf, Jugendarbeit bedeute immer auch Sozialarbeit. Bayern sei beispielsweise das erste Bundesland gewesen, in dem die Feuerwehr Menschen mit Behinderung aufgenommen habe. „Für jeden gibt es eine Aufgabe.“ Ohne diese professionellen Strukturen funktioniert das Ehrenamt nicht. Scharf gehört schon seit 1981 der Feuerwehr-Familie an, wie sie viele bezeichnen. „Die Feuerwehr kann man nicht erklären. Sie ist ein Faszinosum.“

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