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Städtepartnerschaft

Freundschaft prägt Generationen

Berching und Savigny pflegen eine tiefe Freundschaft. 1994 wurde daraus eine Städtepartnerschaft, die Generationen umspannt.
Von Markus Rath

Die neue Generation: Jugendbegegnung 2018 in Savigny.
Die neue Generation: Jugendbegegnung 2018 in Savigny.

Berching.Was haben Nacktschnecken mit Rassismus und Europa zu tun? Die Antwort geben Franzosen und Deutsche aus Savigny und Berching, die seit Jahrzehnten eine tiefe Freundschaft pflegen und im August das 25-jährige Jubiläum dieser Städtepartnerschaft feiern werden. Dabei blicken sie auch zurück auf das Wirken der inzwischen verstorbenen Pfarrer Heinrich Füracker und Père Bobichon, die über ihre persönliche Beziehung den Weg für die Verbindung mehrerer Generationen bereitet haben.

Impressionen Savigny

Ihre Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1969 als der damals 39-jährige Füracker im französischen Lyon ein Priesterfortbildungsjahr absolviert und dabei Bobichon kennen lernt. Trotz des Altersunterschieds, der Franzose war zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre alt, erwächst zwischen den beiden eine innige Freundschaft. Sie ermutigt Bobichon, ein mehrmals gescheitertes Vorhaben anzupacken: den Jugendaustausch zwischen einer deutschen Kirchengemeinde und seiner Pfarrei. Denn als Zeitzeuge hat er sowohl den verheerenden Ersten als auch den menschenverachtenden Zweiten Weltkrieg miterlebt und zusehen müssen, wie Millionen von Menschen wegen der propagierten deutsch-französischen Erbfeindschaft und des erbitterten Revanchismusdenkens umkamen.

Monsignore Heinrich Füracker
Monsignore Heinrich Füracker

In Füracker findet Bobichon einen Mann, dem diese Idee imponiert, und der nicht vor der Organisation zurückschreckt. Im August 1972 trifft eine Gruppe Jugendlicher aus Savigny in Berching ein, 1973 erfolgt der Gegenbesuch, an dem neben den Jugendlichen Füracker und Roger Delacroix, ein einstiger französischer Kriegsgefangener, teilnehmen. Zur Begrüßung sagt Père Bobichon: „Es geschieht durch diesen Kontakt, dass unsere zwei Völker sich nach und nach als Brüder fühlen werden und sie die Vorurteile aus Kriegszeiten abschaffen.“

Rosi und Rudolf Roth
Rosi und Rudolf Roth

In der Zeit, als die Partnerschaft zwischen Berching und Savigny auf Kirchenebene begann, entsteht auch die Freundschaft zwischen den Familien Roth und Gandit. Im August 2012 besuchen Rosi und Rudolf Roth mit dem Fahrrad Freunde in Trambouze. Ihr Rückfahrt planen sie über Savigny. André Bouvier, wie die Roths ein passionierter Radfahrer, lässt sich von seiner Frau extra mit dem Auto nach Trambouze bringen. Das Fahrrad hat er im Kofferraum. Während seine Frau das Auto allein zurück nach Savigny bringt, machen sich Rosi, Rudolf und André zusammen auf. Rosi Roth hat Tränen in den Augen, als sie die Reise schildert: „Wir fahren über Tarare, überqueren viele Brücken mit blumengeschmückten Geländer und alten Mauern mit Laternen. Eine wunderschöne Landschaft. Um 14 Uhr erreichen wir das Haus von André. Es war ein grandioser Empfang. Zwölf Personen haben uns erwartet, Anne-Marie und Jean-Luc Gandit, Familie Boudaud und natürlich die Presse. ‚Herzlich Willkommen Rosi und Rudolf’ stand auf einer Tafel. Wir waren überwältigt von so viel Freundschaft.“

Gute Freunde spielen einander aber auch lustige Streiche. Pierre Dutour, der mit seiner Frau Odile schon 1972 beim ersten Berching-Besuch der Franzosen dabei war, kann ein Lied davon singen.

Die Familien Dutour und Ammon.
Die Familien Dutour und Ammon.

„Vor 20 Jahren habe ich die Bank verlassen, um eine Immobilien-Kreditagentur in Lyon auf die Füße zu stellen. Bald bekam ich aus Deutschland, im Namen der Agentur PFAFA, eine Finanzierungsanfrage für den Kauf eines Hochhauses mit Mietwohnungen in Lyon. Da eine Finanzierung für einen ausländischen Kunden nicht in meinem Aufgabenbereich lag, schickte ich diese Anfrage an meine Vorgesetzten in Paris, wo sie genauestens untersucht wurde. Nach einigen Tagen kamen unsere Freunde, die Familie Ammon aus Berching und mir wurde schnell klar, dass sie mir einen Streich gespielt hatten. Natürlich haben wir viel darüber gelacht. Auch lange Jahre danach noch.“

Während die Familien Roth, Gandit oder Dutour in Erinnerungen schwelgen, ist das Zepter der Freundschaft längst an die Enkelgeneration weitergegeben worden. Doch die Erfahrungen sind vergleichbar und immer noch faszinierend: „Es ist als wären wir alle eine große Familie. Das ist genial und macht den Austausch so besonders. Wir können auf den anderen zählen und zwar in jeglichem Moment“, sagt Clarisse Dubos (18). Als junger Mensch und im Laufe der Jahre lerne man immer entspannter miteinander umzugehen, sich leichter anderen gegenüber zu öffnen, besonders durch die vielen gemeinsamen Aktivitäten, die Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede zeigen. „Das sind Erfahrungen, die uns verändern, unvergessliche und wunderschöne Momente. Beim Kanuausflug oder dem gemeinsamen Brez’n-Backen. Alle diese sehr sorgsam ausgewählten Aktivitäten haben mir einen tieferen Einblick in die Kultur geben können, aber ganz besonders einmalig ist es, dass man großartige Freunde findet.“

Hannah Mirwald (rechts) und Tanja Schmaußer (Mitte) mit ihren französischen Freunden Clarisse und Penelope Dubos (links).
Hannah Mirwald (rechts) und Tanja Schmaußer (Mitte) mit ihren französischen Freunden Clarisse und Penelope Dubos (links).

Das bestätigt auch Hannah Mirwald (19), die sich seit fünf Jahren an dem Austausch zwischen Berching und Savigny beteiligt: „Auf die gemeinsame Woche freue ich mich das ganze Jahr. Zum einen, weil ich die Freunde aus Frankreich wiedersehe, und zum anderen, weil wir immer ein tolles Programm zusammen erleben.“ Bei den Besuchen stelle sich immer die Frage nach Gastgeschenken. Da sie nicht immer bayrische Spezialitäten mitbringen wolle, habe sie eine CD mit deutschen und bayrischen Liedern zusammengestellt. „Richtig begeistert waren die Franzosen vom Fliegerlied von Donikkl.“ Mirwald übersetzt kurzerhand den Text und bringt ihren Freunden den Tanz bei. „Damit hatten wir an unserem Abschlussabend unseren Spaß“, erzählt sie.

Doch nicht immer ist es mit der Sprache so einfach. Man sagt ja, sie sei der Quell aller Missverständnisse. Das musste Tanja Schmaußer erkennen, als sie zum ersten Mal Schnecken angeboten bekam und wissen wollte, ob ihre Gastgeber auch Nacktschnecken verspeisen. „Ich kannte nur das Wort Escargots und fragte deshalb auf Englisch: Do you also eat black Escargots? (Essen Sie auch schwarze Schnecken?)“ Die scherzhafte Gegenfrage ihrer Gastgeber, „Are you Rassist?“, erklärt, was Europa, Nacktschnecken und Rassismus miteinander zu tun haben.

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