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Nürnberg

Gaststätte in die Luft gejagt

Die Wirtin soll ihren Mitarbeiter zu Manipulationen an der Gasleitung angestiftet haben. Doch sie streitet diesen Vorwurf vor Gericht ab.
Von Roland Beck, dapd

Der „Gasthof zum Klösterle“ in Nürnberg-Pillenreuth lag am 4. Januar nach einer Explosion in Trümmern. Foto: dpa

Nürnberg.Sechs Monate nach einer Gasexplosion in der Traditionsgaststätte „Zum Klösterle“ im Stadtteil Pillenreuth muss sich die Gastwirtin in einem Strafprozess verantworten. Zum Auftakt vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth bestritt die 63-Jährige, ihren Aushilfskoch mit der Detonation beauftragt zu haben. Der mitangeklagte damalige Mitarbeiter legte indes ein Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft wirft der Gastwirtin vor, ihren langjährigen Aushilfskoch zu der Tat angestiftet zu haben, um die Versicherungsleistungen von rund 200000 Euro zu kassieren. Mit dem Geld habe sie das unrentable Ausflugslokal sanieren wollen.

Dieser Darstellung widersprach die Angeklagte: „Ich hatte dazu überhaupt keine Veranlassung, die Finanzlage war doch in Ordnung.“ Sie habe immer wieder Rechnungen nicht in die Buchhaltung aufgenommen. Durch dieses Schwarzgeld und die Kündigung ihres fest angestellten Kochs Ende 2011 habe sie einen ausreichenden finanziellen Spielraum gehabt. Außerdem kenne sie sich überhaupt nicht mit Versicherungen aus, beteuerte sie.

Bei der Explosion war die Gaststätte in der Nacht zum 4. Januar fast vollständig zerstört und mehrere Häuser in der umliegenden Nachbarschaft stark beschädigt worden. Auch ein großer Pferdestall war betroffen. Die Tiere wurden zum Teil verletzt. Der entstandene Gesamtschaden lag bei rund einer Million Euro. Der mitangeklagte Mitarbeiter gab an, erstmals vor drei Jahren von seiner Chefin um die Manipulation der Gasleitungen gebeten worden zu sein.

Erst als das Ordnungsamt im Oktober 2011 gegen das Lokal ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro wegen hygienischer Mängel aussprach, habe er sich zu der Tat überreden lassen. „Ich hatte Mitleid mit meiner Chefin“, sagte der Mann. Während des Betriebsurlaubs der Gaststätte habe er die Gasleitungen in der Küche geöffnet. Die Wirtin sei ebenfalls im Haus gewesen, habe ihm sogar eine Taschenlampe gebracht. „Als ich am nächsten Tag die Bilder von der Explosion im Fernsehen gesehen habe, war ich selbst von dem Ausmaß schockiert“, sagte er dem Richter. Er habe nur „eine kleine Detonation“ herbeiführen wollen.

Der Prozess wird fortgesetzt. Rund 30 Zeugen sollen im weiteren Verlauf gehört werden. Ein Urteil wird für Anfang August erwartet. Im Fall einer Verurteilung droht den Angeklagten eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

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