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Fest-Nachlese

Bald mehr Literaten an den Mikros?

Der Altstadtfestsonntag zeigte, dass die Neumarkter nicht nur die Texte der „Gebrüder Mühlleitner“ gerne vom Publikum hören.
Von Lothar Röhrl

  • Die Gebrüder Mühlleitner sowie Celia Faust (l.) und „Stepper Bua“ (2.v.l.) beim herzerweichenden und magentratzenden „Schweinebraten-Song“.Foto: Röhrl
  • Wer mal wieder Tom Baier am Schlagzeug, Richard Dorr an den Keyboards, Stefan Bögl an der E-Gitarre oder Michael Waldmüller am Bass, im Gesang und bei der Moderation erleben wollte, der hat gerne die erste Halbzeit des Deutschland-Spiels verpasst. „Face to Face“ gehören zu der Sorte von Bands, die nur ausgesuchte Termine spielen – diese aber so was von wie!
  • Wer die Augen zumachte, konnte sich im Paris Anfang der 30er Jahre fühlen. Als Jean „Django“ Reinhardt, der ein „Manouche“ (französischer Sinti) war, eigenständigen Jazz in Europa kreierte. „Mademoisell Manouche & her swinging Reinhardts“ erinnerte an den Gypsy-Jazz: Anita Dotzauer (Gesang), Stefan Althammer (gt), Andreas Gerl (bs) und Gerd Plechinger (gt).

Neumarkt.Wenn ein „Nicht-Fleischesser-Dödel“ ein Liebeslied für die Zubereitung eines Schweinebratens singt, hat das zwar nicht das Zeug zu einem von vielen Besuchern mitgesungenen Altstadtfest-Hit. Doch das ist Daniel und Philipp Mühlleiter alias „Gebrüder Mühlleitner“ noch nie wichtig gewesen, wenn sie bei diesem Neumarkter Fest als Lokalmatadoren aufgetreten sind. Den beiden Schöpfern von Blödel-Liedern und Betreibern bester Bühnen-Gaudi ging es immer schon um das Verbreiten guter Laune. Und nie war die nötiger als am Sonntag zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr, als deren Zuhörer immer wieder fiesen Nieselregen von oben und die nächste schwarze Wolkenfront von Westen her hinnehmen mussten.

Um den „Stepper Bua“ an der Tuba und die blonde Celia Faust als Sängerin verstärkt zauberten die Mühlleitner-Brüder ihren Zuhörern ein Dauergrinsen ins Gesicht. Damit machte das Neumarkter Duo auch gleich Werbung für ihr erstes Album, welches im August erscheinen wird. Damit wollen sie nun auch ihren Fans und all den vielen, die es noch werden sollen, ein Nachhör-Erlebnis für daheim bieten. Mit ihrem Live-Eindruck sind die Grimassen-Könner und Vorturner fürs ganz junge und erwachsene Volk vor einer Bühne allerdings unerreichbar.

Zufall oder nicht: Das Musikprogramm heuer klang am Sonntag quasi im Vier-/Fünftel-Takt aus. Hier die Vier von „Face to Face“ und „De Andern“. Da die Fünf von „PurpleMania“ (Sparkasse), von „Remember“ (Residenzplatz) und den „Stoned“ (Unterer Markt). Doch trotz zwei aufgestellter Fernsehgeräte – am Unteren Markt wurde dann auch noch ein Gerät platziert – hielt es nur die größten Fans dieser Bands beziehungsweise der Musik in der kühl gewordenen Abendluft.

Das war schade, denn insgesamt war das Bühnenprogramm heuer so hochwertig wie lange nicht. Weil zur Qualität auch sehr viele einheimische Solisten und Bands beigetragen haben, dürfte Programmmacher Wolfgang Fuchs auch in den kommenden Jahren die „Qual der Wahl“ bei der Zusammenstellung sicher sein. Und dann werden Newcomer wie „Up Insane“ (Sonntag, Sparkasse) und „Free2Play“ (Samstag, ebenfalls Sparkasse) schon den nächsten Schritt gemacht haben. Die Liste derer, die bei diesem Fest ihren allerersten Auftritt gemacht haben, ist auch heuer gewachsen.

Eine Premiere war der Auftritt von Literat Hermann Lahm. Er war am Freitagabend der vierte Mann beim „Trio Collegio“. Der gebürtige Oberpfälzer machte als Autor von an Wortwitz reichen, aber auch mit nachdenklichen Untertönen glänzenden Texten Lust auf mehr Literaten am Mikrofon bei diesem Fest. Gibt es diese Wunscherfüllung schon 2017?

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