MyMz
Anzeige

Chinesenfasching

Abinauten fliegen an Fasching zum Mond

Die Abi-Klasse aus Beilngries hatte eine kuriose Idee. Die Mondlandung einer chinesischen Sonde hat sie dabei inspiriert.
Von Markus Rath

Die Abinauten des Astrophysikkurses mit Sternen, Spaceshuttle und ihrem Kursleiter Simon Schmid Fotos: Markus Rath
Die Abinauten des Astrophysikkurses mit Sternen, Spaceshuttle und ihrem Kursleiter Simon Schmid Fotos: Markus Rath

Beilngries. „Erstmals in der Geschichte ist eine Raumsonde auf der Rückseite des Mondes gelandet. Die chinesische ,Chang’e 4‘ setzte am frühen Donnerstagmorgen um 3.26 Uhr am Aitken-Krater in der Nähe vom Südpol des Erdtrabanten auf. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.“ Die Meldung tickerte am 3. Januar durch alle Nachrichtenkanäle und wurde zur Inspiration für ein einzigartiges Faschingsprojekt.

Der Astrophysikkurs des Gymnasiums Beilngries, angeführt von Kursleiter Simon Schmid, Gymnasiallehrer für Mathe und Physik, nahm Bayrisch China ins Visier, um als Abinauten hinter dem Mond zu landen. 23 von 26 Schüler des Faches werden verkleidet – die Männer als Abinauten, die Frauen als Sternenhimmel – mit ihrem selbst gebauten Raumschiff am großen Umzug am Unsinnigen Donnerstag teilnehmen.

Reguläres Unterrichtsfach

Astrophysik, Mondlandung? Wie kommen solche Themen in den Mittelpunkt des Schulunterrichts? „Astrophysik ist als Lehrplanalternative in der Oberstufe kein Larifarikurs, sondern ein reguläres Unterrichtsfach mit Schulaufgaben und allem drum und dran“, stellt Schmid klar. Die Noten zählen zum Abitur. Die Mondlandung der chinesischen Sonde passe genau zum Unterrichtsstoff, der den Schülern zeigt, wie sie sich am Himmel orientieren. Dafür hat die Schule ein eigenes Teleskop angeschafft, mit dem Schüler und Lehrer an Beobachtungsabenden in die Sterne blicken. Schmid: „Der Unterricht gibt Überblick über das Sonnensystem, die Sonne, die Sterne und Großstrukturen im Weltall.“

Wie die Lehrplanalternative Biophysik ist die Astrophysik bei den Schülern sehr beliebt. „Es ist die Chance für uns, in der Oberstufe einen Bereich neu anzufangen, ohne große Grundlagen dafür zu brauchen“, erläutert Teresa Grabmann ihre Beweggründe für die Kurswahl. Auch die praktische Arbeit mit dem Teleskop an den Beobachtungsabenden sei attraktiv. Und wenn in der Physik die Chemie zwischen Schülern und Lehrern passt, entstehen kreative Ideen, wie die, während des Chinesenumzugs in Dietfurt als Abinauten hinter dem Mond zu landen und so auch noch einen Tag schulfrei zu bekommen.

Besondere Wahlmöglichkeiten in Physik

  • Lehrplanalternativen: In den Physikkursen der Jahrgangsstufen 11 bzw. 12 kann eine Schule die klassischen Lehrplaninhalte oder die im Fachlehrplan ausgewiesenen Alternativen Biophysik bzw. Astrophysik einrichten. Beide Fächer können auch als Zusatzangebots gewählt werden, um die benötigte Gesamtstundenzahl zu erreichen. Wichtig: Die Kurse sind keine Spaßveranstaltungen, sondern zählen voll zum Abitur.

  • Biophysik: Unterrichtet werden physikalische Vorgänge in Auge und Ohr und daraus abgeleitete typische Untersuchungsmethoden. Weitere Themen: Photosynthese, Strahlenbiophysik und Medizinphysik, Biomechanik.

  • Astrophysik: Die Orientierung am Himmel und der Überblick über das Sonnensystem werden theoretisch erarbeitet und in der Praxis mit dem Teleskop der Schule beobachtet.

„Als wir im Januar das erste Mal bei der Stadt Dietfurt angefragt haben, ob wir teilnehmen dürften, war die Resonanz leider nicht so begeistert“, berichten Antonia Waldmüller, Teresa Grabmann und Franziska Meier, die als treibende Kräfte ihren männlichen Mitschülern Beine gemacht haben. Erst als Simon Schmid als Lehrer selbst bei Pia Pritschet vom Tourismusbüro anfragt, gibt es grünes Licht vom Veranstalter. Und auch die Schulleiterin Sabine Nolte-Hartmann ist von der Idee der Schüler begeistert: Das Projekt schließt sich durch den Bezug zur chinesischen Mondlandung direkt an den Unterricht an. „Die Schüler setzen hier Brauchtum kreativ und mit eigenen Ideen um.“ Genau das wolle der moderne Unterricht fördern. „Wir sind ja in Beilngries dafür bekannt, dass wir Tradition und Naturwissenschaften auf ungewöhnliche Art und Weise miteinander verbinden.“

Abinauten, Sterne, Spaceshuttle

Simon Schmid mit Spaceshuttle-Erbauer Paul Neger
Simon Schmid mit Spaceshuttle-Erbauer Paul Neger

Die entstandene Verbindung kann sich sehen lassen: Die Männer stecken in Astronautenuniformen mit chinesischer Flagge, die vier Mädchen bilden im Sternenkostüm den Horizont. Angeführt wird die Truppe von Simon Schmids Sohn Gabriel. Der siebenjährige bekommt ebenfalls schulfrei und darf die gelbe Tafel mit dem Gruppennamen vorne weg tragen.

Herzstück der Präsentation ist aber das mit Muskelkraft betrieben Spaceshuttle, das Paul Neger aus Erasbach gebaut hat. Er hat einen Leiterwagen als Grundgerüst benutzt und mit Holzplatten und Brettern den Korpus gebildet. „Am schwierigsten war die Spitze, dabei hat mir ein Bruder geholfen“, erzählt der 19-Jährige. Als Düsen unter den Tragflächen wurden Blumenkübel verwendet, ein Fahrradrückstrahler dient als Rücklicht. Als Bewaffnung haben die Abinauten übrigens eine Konfettikanone und jede Menge Süßigkeiten an Bord, um den Mann im Mond freundlich zu stimmen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht