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Die Bachhubers kennen sich mit Müll aus

Das Beilngrieser Unternehmen sammelt nicht nur Gelbe Säcke ein. Entsorgung ist eine große logistische Herausforderung.
Von Dagmar Fuhrmann

Patrick und Roland Bachhuber vor einem Berg „Gelber Säcke“: Diese Menge wurde innerhalb von zwei Tagen im Landkreis Neumarkt eingesammelt und wartet auf den Weitertransport.
Patrick und Roland Bachhuber vor einem Berg „Gelber Säcke“: Diese Menge wurde innerhalb von zwei Tagen im Landkreis Neumarkt eingesammelt und wartet auf den Weitertransport. Foto: Fuhrmann

Beilngries.Bei den Bachhubers am Mittagstisch in Beilngries kann es schon mal vorkommen, dass sie eine Dose genauer anschauen. Während andere Menschen sich vielleicht für die Inhaltsstoffe interessieren, wollen die Bachhubers wissen, ob sich ein „Grüner Punkt“ auf der Dose befindet. Denn nur dann darf die Verpackung dem Dualen System zugeführt werden.

Roland und Patrick Bachhuber sind die Chefs des Entsorgungsbetriebs Bachhuber Beilngries und als solche auch für die Entsorgung der sogenannten Gelben Säcke in Teilen des Landkreises Neumarkt zuständig. Wobei es der Ausdruck „Entsorgung“ nicht ganz trifft, denn eigentlich sammelt der Betrieb Bachhuber die Gelben Säcke lediglich ein.

Einer von 30 Arbeitern der Firma Bachhuber Foto: Fuhrmann
Einer von 30 Arbeitern der Firma Bachhuber Foto: Fuhrmann

Die Verwertung des Inhalts findet an anderen Orten statt. Beispielsweise in der Firma Wesotech in Eitting. Hier wird sortiert. Übrigens schon längst nicht mehr mit Hilfe von Menschen, die am Band stehen und unappetitliche Dinge herausfischen müssen. Das war vielleicht einmal, als das Duale System 1990 eingeführt wurde. Inzwischen haben längst Infrarotgeräte und andere technische Augen diese Arbeit übernommen. In den Sortieranlagen werden die Inhalte der Gelben Säcke in Textilfraktion, Verbundstoffe und Metalle getrennt.

Welche Abfälle im Landkreis Neumarkt anfallen, zeigt diese Grafik.

Zunächst müssen die Säcke aber bei den Bachhubers auf dem Hof gelagert werden und hier hinkommen. Daher sind die Lastwagen täglich im Einsatz, auch für Teile des Landkreises Eichstätt ist der Entsorgungsbetrieb zuständig.

Zum Job der Entsorger gehört es auch, einen geschulten Blick auf den Inhalt der Gelben Säcke zu werfen, denn bekanntlicherweise darf man nicht alles entsorgen, was einem gerade so einfällt. Deswegen gibt es eine Sichtkontrolle der Säcke, und sollte etwas auffallen, das nicht hinein gehört, bleibt der Sack stehen und bekommt einen Aufkleber mit dem Hinweis, den Inhalt als Restmüll zu entsorgen. Wer sich nicht ganz sicher ist, was hinein darf und was nicht, wirft am besten einen Blick auf den Sack selber. Hier ist der erlaubte Inhalt ganz genau aufgelistet.

Neun dieser Lastwagen hat die Firma Bachhuber im Einsatz. Foto: Fuhrmann
Neun dieser Lastwagen hat die Firma Bachhuber im Einsatz. Foto: Fuhrmann

Es sollte sich aber niemand darauf verlassen, dass die Gelben Säcke immer um die gleiche Zeit abgeholt werden. Nicht umsonst gibt es den Hinweis, die Säcke ab 6 Uhr morgens bereitzustellen. Denn es gebe jede Menge unvorhergesehene Ereignisse, die eine Umplanung der Touren notwendig machen. Demnach brauche bloß einer der Lastwagen einen Defekt zu haben und schon verschiebe sich der komplette Abfuhr-Plan. Es komme immer wieder vor, dass sich Leute beschweren, weil ihre Säcke angeblich stehen geblieben sind, dabei hätten sich einfach die Abholzeiten aus irgend einem Grund verschoben, erzählen die Bachhubers.

Missverständnisse bei Wertstoffen

Das Entsorgen der Gelben Säcke ist aber nur ein Standbein des Unternehmens. Zu seinem Geschäftsbereich gehört auch das Abholen von Wertstoffcontainern. Und auch hier gebe es immer wieder Missverständnisse mit der Bevölkerung, sagt Bachhuber. Beispielsweise beim Entleeren der Glascontainer. Wenn man einen Lastwagen beim Entleeren beobachtet, sieht es gelegentlich so aus, als ob einfach Braun-, Grün- und Weißglas gleichermaßen in den Lastwagen gekippt würden. Dabei sei das Fahrzeug in verschiedene Kammern unterteilt. Denn es gebe einen guten Grund, Glas getrennt zu sammeln: Eine Flasche Grünglas mache die Ladung eines kompletten Lastwagen wertlos. Noch schlimmer als Grünglas sei Keramik. Hiervon reiche wenig aus, um 5000 Tonnen Weißglas wertlos zu machen.

„Niemand braucht seinen Müll in die Landschaft zu werfen, es gibt für alles eine Möglichkeit der Entsorgung.“ Patrick Bachhuber

Wenn man bei diesen Fehleinwürfen noch mit viel gutem Willen von einem Versehen ausgehen kann, so kann man denen, die Abfall einfach in die Landschaft werfen, nur böse Absicht unterstellen. Und hierfür hat Patrick Bachhuber, der Junior-Chef des Betriebs, keinerlei Verständnis. „Niemand braucht seinen Müll in die Landschaft zu werfen, es gibt für alles eine Möglichkeit der Entsorgung.“ Einfach die Tüte des Fast-Food-Restaurants aus dem Fenster zu schmeißen, sei mittlerweile strafbar. Bis zu 15000 Euro Strafe könne ein derartiges Verhalten nach sich ziehen. Denn durch Regenwasser-Auswaschungen sei es möglich, dass krebserregende Stoffe aus Plastikbechern in das Grundwasser gelangen. Man merkt es dem jungen Mann an, dass ihm dieses Thema besonders am Herzen liegt.

Gebrauchtwarenmarkt in Beilngries

Patrick Bachhuber ist eine gelernte Fachkraft für Kreislauf und Abfallwirtschaft, – sogar mit dem besten Abschluss in Franken, wie sein Vater stolz anmerkt. Der 24-Jährige ist seit zwei Jahren im Betrieb. Und er hat auf alle Fragen eine passende Antwort, denn der elterliche Betrieb kümmert sich sowohl um Sperrmüll als auch um Biomüll, um Sondermüll und alles andere, was anfällt. Am Standort wird außerdem ein Gebrauchtmöbelmarkt für den Landkreis Eichstätt betrieben, er übernimmt die gleichen Aufgaben wie die CAH-Märkte im Landkreis Neumarkt.

Die Firma Bachhuber plant einen Neubau ihres Wertstoffhofs, weil die Zufahrt sehr schmal ist. Foto: Fuhrmann
Die Firma Bachhuber plant einen Neubau ihres Wertstoffhofs, weil die Zufahrt sehr schmal ist. Foto: Fuhrmann

16820 Tonnen Hausmüll im Landkreis

Die Müllmenge, die jeder Bürger im Landkreis Neumarkt erzeugt, hat das Landratsamt Neumarkt parat. Demnach fielen 2015 insgesamt 16820 Tonnen Hausmüll, 2649 Tonnen Sperrmüll und 11910 Tonnen Gewerbemüll an. Die Entsorgung dieser Abfälle findet beim Zweckverband Müllverwertung statt.

Hier werden die Säcke aus dem Landkreis Eichstätt zwischengelagert. Foto: Fuhrmann
Hier werden die Säcke aus dem Landkreis Eichstätt zwischengelagert. Foto: Fuhrmann

Auf den Wertstoffhöfen sind folgende Fraktionen gesondert erfassbar: Metallschrott 650 Tonnen, Grüngut 8159 Tonnen und Flachglas in Neumarkt, Berching und Parsberg: 170 Tonnen.

Eine Nachfrage ergibt, dass als Entsorger im Landkreise mehrere Firmen tätig sind. Den Restmüll entsorgt die Firma Edenharder aus Neumarkt, für den Biomüll ist die Firma Pöppel aus Kelheim und die Firma Bachhuber aus Beilngries zuständig. Außer der Firma Bachhuber in Beilngries entsorgt noch die Firma Pöppel aus Kelheim den Gelben Sack.

Der Hausmüll kommt von der Mülltonne ins Sammelfahrzeug und dann wird er zur Müllumladestation nach Neumarkt transportiert. Weiter geht es mit der Bahn zur Müllverwertung nach Schwandorf. An Biomüll fallen jährlich rund 1042 Tonnen an, sie werden auf der Kompostieranlage Schlierfermühle verarbeitet. Gemeinsam mit Grüngut wird der Biomüll zu Neumarkter Jurakompost. Die jährliche Menge beträgt ca. 1600 Tonnen.

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Analysen, Grafiken, Videos und Bilder sowie alle Teile der Themenwoche finden Sie im Internet unter www.mittelbayerische.de/umwelt.

So werden die Abfälle entsorgt

  • Sperrmüll:

    Sperrmüll sind alle Abfälle, die nicht mehr in die Restmülltonne passen und verbrannt werden können. Die maximale Kantenlänge beträgt zwei Meter. Vor allem Mobiliar zählt dazu wie Sessel, Matratzen, Stühle, Tische oder Teppiche, aber auch Regentonnen, Schnellkomposter aus Kunststoff oder Surfbretter. Ausnahmsweise werden auch Fensterrahmen aus Holz und Kunststoff akzeptiert. Autoreifen, Bauabfälle, Laminatböden, Spanplatten oder in Säcke verpackte Abfälle werden nicht mitgenommen.

  • Problemmüll:

    Farbreste, Arzneimittel, Batterien, Kleber, Desinfektionsmittel oder Energiesparlampen gelten als Problemmüll und haben in der Mülltonne nichts zu suchen. Mit einer Ausnahme: Wenn Farbdosen eingetrocknet sind. Problemmüll kann bei den monatlichen Sammlungen in Neumarkt abgegeben werden. In den Landkreisgemeinden finden im Frühjahr und im Herbst Sammlungen statt. Allerdings kann man Altöl oder Batterien auch bei den Verkaufsstellen abgeben, Altmedikamente in Apotheken.

  • Computer und Co.:

    Schon wieder die Tintenpatrone des Druckers leer? Und dann? Bitte nicht in den Restmüll: Tintenpatronen, Tonerkartuschen und auch Fixiereinheiten, CD, DVD und Blu-Ray können auf einem Wertstoffhof in die rote Tonne geworfen werden. Neben dem Blomenhof stehen auch welche in Berching, Velburg, Pyrbaum, Parsberg und Dietfurt. Ausrangierte Computer, Drucker und Bildschirme nimmt die CAH-Werkstätte in Neumarkt in der Goldschmidtstraße an, um sie auszuschlachten.

  • Biomüll:

    Der Landkreis Neumarkt stellt Haushalten kostenfrei Bio-Tonnen zur Verfügung. In Gemeinden mit ausreichend Nutzern wird sie wöchentlich geleert. Bio-Abfälle können aber auch in Säcken bereitgestellt werden. Dazu gehören Obst- und Gemüsereste, Eierschalen, Kaffeefilter, gekochte Speisereste, Schnittblumen und Pflanzen oder Laub – aber keine Katzenstreu, Asche oder Zigarettenkippen. Nähere Informationen erhalten Bürger im Landratsamt unter Tel. (0 91 81) 470-209, -219, -239.

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