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Schule

Geschichte wie aus einem Politthriller

Lutz Questers lebendiger Vortrag über seine Vergangenheit in der DDRhielt die Schüler am Gymnasium Beilngries in Atem.

Lutz Quester hielt im Gymnasium Beilngries einen lebendigen Vortrag über seine politische Haft in der DDR.
Lutz Quester hielt im Gymnasium Beilngries einen lebendigen Vortrag über seine politische Haft in der DDR.Foto: Annegret Spiegl

Beilngries. So spannend kann Geschichtsunterricht in der Schule sein. Im Rahmen des Zeitzeugenprogramms der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hatte die Fachschaft Geschichte des Gymnasiums Beilngries mit Lutz Quester einen ehemaligen politischen Häftling des DDR-Regimes zu einem Vortrag für die 9. Jahrgangsstufe eingeladen.

Eindrücklich und emotional sehr bewegend schilderte dieser sein Lebensschicksal, das einem Roman als Vorlage dienen könnte.

Freiheit immer mehr eingeengt

Geboren in den späten 1950er Jahren bemerkte Lutz Quester im Laufe seiner Jugend und als junger Erwachsener mehr und mehr, wie sehr das DDR-Regime sein Leben bestimmte und seine Freiheit einengte. Nach verschiedenen Aktionen des zivilen Ungehorsams geriet er schließlich Mitte der 1980er Jahre ins Fadenkreuz der Stasi und musste eine direkt anstehende Verhaftung befürchten.

Da beschloss er, das Heft des Handelns in die eigene Hand zu nehmen und seine Inhaftierung bewusst herbeizuführen – in der Hoffnung, später von der Bundesrepublik Deutschland als politischer Gefangener der DDR freigekauft zu werden.

Zusammen mit einem Freund provozierte Lutz Quester den DDR-Staatsapparat, indem er ein Schild mit seiner Ausreiseforderung vor den Überwachungskameras der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin enthüllte.

Wie erwartet führte diese Aktion zu seiner Festnahme und ein langer Leidensweg durch die Gefängnisse der Stasi begann, ehe ihm und seiner Familie letztendlich die ersehnte Ausreise nach Westdeutschland ermöglicht wurde.

Leidenschaftlicher Appell

Beeindruckend brachte der Gast den Zuhörern ein Stück Zeitgeschichte näher. Die Schüler verfolgten die Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit. Beweis dafür war die absolute Ruhe, die in der Mensa herrschte.

Doch Lutz Quester berichtete den Neuntklässlern des Gymnasiums nicht nur aus der Vergangenheit der Deutschen Demokratischen Republik, sondern er gab den interessiert zuhörenden Schülern auch einen leidenschaftlichen Appell mit auf den Weg, der nach seinem Lebensbericht umso nachdrücklicher wirkte: „Die ganze Welt beneidet Euch um das Land und seine politische Ordnung, in der ihr heute leben dürft. Setzt euch dafür ein, dass Euch diese Freiheit erhalten bleibt!“

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