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Handwerk

Junger Metzger poliert das Handwerk auf

Xaver Leidl junior will seinen Job mit neuen Ideen in die Zukunft treiben. Er bietet Kunden Qualität und Einkaufserlebnis.
Von Markus Rath

Johannes Leidl beaufsichtigt Laura Hilpoltsteiner dabei, wie sie Würste abbindet. Dem Augenschein nach macht sie alles richtig.Fotos: Markus Rath
Johannes Leidl beaufsichtigt Laura Hilpoltsteiner dabei, wie sie Würste abbindet. Dem Augenschein nach macht sie alles richtig.Fotos: Markus Rath

Beilngries.Nachwuchsprobleme, Betriebssterben – die Entwicklungstendenz des traditionellen Metzgerhandwerks ist auch in den Landkreisen Neumarkt und Eichstätt keine Erfolgsbilanz. „In den vergangenen zehn Jahren hat die Innung Neumarkt rund ein Drittel ihrer Betriebe verloren, beklagt Obermeister Josef Schneider aus Berching. Düster auch die Zahlen auf dem Ausbildungssektor. Von 2017 sank die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach Auskunft von Hans Schmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz von 40 auf 25. „Es gibt unzählige arbeitslose Akademiker, aber trotzdem will niemand einen Handwerksberuf wie den des Metzgers erlernen“, bedauert Schneider.

Dabei stünde die Zunft was die Konsumententrends angeht vor einem goldenen Zeitalter. „Die Bedeutung der Qualität als Einkaufskriterium gegenüber dem Preis nimmt seit Jahren zu.“ Das behauptet die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie. Der Anteil der Konsumenten, die vermehrt bewusst konsumieren und auf eine nachhaltige und gesunde Ernährung Wert legen, sei auf 27 Prozent angestiegen. Ein Trend, den auch Obermeister Schneider so beobachtet hat: „Die Kunden wollen keine Industriewurst, sie wollen Qualität. Deshalb kaufen sie vermehrt bei handwerklichen Metzgereien ein.“

Kunden ein Erlebnis bieten

Diese Zeichen erkannt hat Xaver Leidl junior: Der 34-jährige Dietfurter leitet zusammen mit seinem Vater Xaver Leidl senior den Familienbetrieb und hat sich entschlossen, diesen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Sein Handwerk hat er von der Pike auf gelernt. Nach der Realschule und der Ausbildung im heimischen Betrieb arbeitete er in sechs verschiedenen Firmen, absolvierte die Meisterprüfung, ist Betriebswirt des Handwerks und außerdem Fleisch-Sommelier.

„Die Generation unserer Väter und Großväter hat sich irgendwann in den siebziger Jahren die Schneid von den Discountern abkaufen lassen.“

Xaver Leidl junior

Er will seinen Kunden Qualität, Transparenz und fachkundige Beratung bieten. „Die Generation unserer Väter und Großväter hat sich irgendwann in den siebziger Jahren die Schneid von den Discountern abkaufen lassen“, analysiert er die aktuelle Situation im Handwerk. Das Image der Metzger sei viel zu wenig aufpoliert worden. „Wir sind nicht die Grobiane, die blutverschmiert Tiere hinrichten. Das Schlachten ist nur ein kleiner Teil eines abwechslungsreichen Berufes.“ Diese Botschaft will Leidl junior weitertragen.

Leild kooperiert mit dem deutschen Grill & BBQ Meister

Xaver Leidl zeigt den Jugendlichen, wie in der Metzgerei gearbeitet wird. Fotos: Markus Rath
Xaver Leidl zeigt den Jugendlichen, wie in der Metzgerei gearbeitet wird. Fotos: Markus Rath

Beilngries mit seiner großen Touristenzahl bietet ihm hierfür das perfekte Umfeld. Regelmäßige Veranstaltungen sollen den Kunden ein Erlebnis bieten. Bei „Steak meats Wine“ am 24. Mai arbeitet Leidl junior mit dem Winzer Toni Holzreiter und dem deutschen Grill & BBQ Meister von 2017, Martin Schulz aus Berg, zusammen. Leidl: „Unsere Zukunft liegt in der Qualität. Über den Preis kann ich mit dem Supermarkt nie mithalten.“ Der Kunde wolle heute eine Geschichte erzählt bekommen, fordere detaillierte Informationen über die Herkunft des Fleisches, die Haltung der Schlachttiere bis hin zu modernen Schnitten: „Wir zeigen auch, dass ein Rindvieh aus mehr besteht als nur dem Filet. Zudem weiß ich bei jedem Tier, das geschlachtet wird, von Geburt an wie es gelebt hat und was es gefressen hat.“ Nur so könne der Endverbraucher davon abgebracht werden, am Essen zu sparen. „Es ist für mich immer unerklärlich, warum einer seine Nobelkarrosse in der Garage mit dem teuersten und besten Öl versorgt, während der Fahrer Lebensmittel konsumiert, die bildlich gesprochen mit Altöl zu vergleichen sind.“ Orientieren will sich Leidl junior auch am Hotel- und Gaststättengewerbe, das dem Metzgerhandwerk im Bereich Waren- und Angebotspräsentation weit voraus sei. „Bei hochpreisigen Hotels ist jedes Detail im Zimmer durchdacht. Dahin müssen wir auch kommen.“ Deswegen geht er auch zusammen mit dem Vater und dem Bruder Johannes in Klausur: „Leidl 2.0“ heißt der Themenkomplex, der zusammen mit einem Coach erarbeitet werden soll.

Das Projekt Leidl 2.0

  • Steak meats Wine:

    Das Fleisch- und Wein-Tasting in der Metzgerei ist ein echtes Erlebnis. Nächster Termin ist der 24. Mai.

  • Altmühltaler Weiderind:

    Leidl arbeitet mit dem Naturpark an einem Rinder-Qualitätssiegel ähnlich dem Juradistel-Lamm.

  • Weideschuss:

    Um den Tieren Stress zu ersparen, sollen diese auf der Weide betäubt und vor Ort getötet werden.

Kampf um Berufsnachwuchs

Auch der fehlende Berufsnachwuchs treibt Leidl junior um. Mit dem knackigen Slogan „Du geile Sau willst Metzger werden!“, wirbt er um Auszubildende. Zudem arbeitet er bei dem Projekt „Ernährungshandwerk erleben - Ernährung macht Schule des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) mit, bei dem Real- und Mittelschüler aktiv in die Produktion des Betriebes eingebunden werden. So auch die siebte Klasse der Altmühlrealschule, die fleißig mit anpackte, um leckere Weißwürste herzustellen. Damit der Besuch der Schüler mehr vermittelt als eine reine Betriebsbesichtigung, wurden Leidl und seine Mitarbeiter im Vorfeld dahingehend geschult, dass sie den Nachwuchs- und Imageproblemen ihres Berufsstandes pädagogisch kompetent zu Leibe rücken.

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