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Verkehrsstatistik

Unfallzahlen steigen auf Rekordhoch

Die Verkehrsstatistik bringt in Beilngries verheerende Zahlen ans Licht: Mehr als drei Unfälle gab es pro Tag.
Von Markus Rath

Christian Gerner, PI-Chef Maximilian Brunner und sein Stellvertreter Franz Dräxler präsentieren die Verkehrsstatistik 2018. Foto: Markus Rath
Christian Gerner, PI-Chef Maximilian Brunner und sein Stellvertreter Franz Dräxler präsentieren die Verkehrsstatistik 2018. Foto: Markus Rath

Beilngries.„Wir können mit unseren Zahlen leider nicht glänzen.“ Maximilian Brunner, Leiter der Polizeiinspektion Beilngries, hat für 2018 ein negatives Rekordergebnis bei den Unfallzahlen verkündet. Die Eckdaten: Sechs Tote, darunter fünf Motorradfahrer (Vorjahr 1), 223 Verletzte (214), 1189 Unfälle (1132), davon 570 Wildunfälle (573) im Zuständigkeitsbereich. Dieser umfasst die Gemeinden Altmannstein, Beilngries, Denkendorf, Kinding, Kipfenberg, Mindelstetten, Oberdolling, Pförring und Stammham.

Bei der Analyse der Zahlen sieht Brunner die Gründe in der Bevölkerungsentwicklung und in den Veränderungen in der Arbeitswelt. „Wir befinden uns in einer stark wachsenden Boom-Region“, sagt Brunner. Dies zeige sich deutlich in der Bevölkerungsentwicklung. Zudem seien die Neubürger fast immer junge Erwachsene, die in die Arbeit fahren. Dadurch nehme der Straßenverkehr zu und die Folge seien auch mehr Verkehrsunfälle. Deutlich werde der Anstieg vor allem, wenn man zum Vergleich nicht die Zahlen der Vorjahre, sondern von 2010 verwende, als nur 881 Verkehrsunfälle passierten.

50 Prozent sind Wildunfälle

In das Bild der sich verändernden Arbeitswelt passt auch die im selben Zeitraum fast verdoppelte Anzahl der Wildunfälle. Beinahe jeder zweite bei der PI Beilngries registrierte Verkehrsunfallvorgang ist ein Wildunfall. 2018 waren dies 570 (573) Fälle. Als auffälligster Tag kristallisierte sich der Donnerstag mit 103 Unfällen heraus. Die meisten ereignen sich abends zwischen 17 und 0 Uhr und morgens zwischen 5 und 7 Uhr. Brunner: „Das zeigt deutlich, dass die Arbeitszeiten flexibler werden und die Pendler zu jeder Zeit unterwegs sind.“ Zum Vergleich: 2010 waren nur 366 Fälle registriert worden.

Ein totes Reh liegt nach einer Kollision mit einem Auto am Straßenrand. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Ein totes Reh liegt nach einer Kollision mit einem Auto am Straßenrand. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Gründe sind laut Brunner vielfältig: Aufseiten des Wildes lasse sich feststellen, dass die Rückzugsgebiete immer mehr gestört werden, sei es durch Wanderer, Spaziergänger oder Mountainbiker. „Die Tiere werden immer mehr nach außen gedrängt.“ Dazu komme die verstärkte Bebauung. Diese Ursachen gelten laut Brunner ebenso für das ganze PI-Gebiet wie die homogene Verteilung der Unfallstellen über dieses. „Wir haben kaum Möglichkeiten anzusetzen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.“ Reagieren könne nur der Autofahrer.

Die intensivierten Nachtmessungen hätten klar ergeben, dass besonders in der Zeit, in der das Wild unterwegs ist, zu schnell gefahren wird. Christian Gerner, Verkehrsexperte der Beilngrieser Polizei kündigte deshalb auch an, die Nachtmessungen weiter auszuweiten, um die Raserei zu unterbinden.

Dies bestätigt auch eine Untersuchung des ADAC, die feststellt: Bis Tempo 80 kann ein Autofahrer wahrscheinlich noch anhalten, wenn ein Tier rund 60 Meter vor ihm auf die Straße springt. Bei Tempo 100 gelingt das schon nicht mehr. Das Auto prallt dann immer noch mit einer Restgeschwindigkeit von 61 Stundenkilometern auf das Tier auf. Bei diesem Tempo entspricht das Aufprallgewicht eines Wildschweins dem Gewicht eines ausgewachsenen Panzernashorns von 3,5 Tonnen.

Brunners daraus abgeleitetes Fazit: „Auf unseren Landstraßen wird zu schnell gefahren!“ Wer mit Tempo 180 unterwegs sei, brauche sich nicht wundern, wenn er nicht mehr reagieren könne, wenn ein Reh vors Auto springe. Diese Raserei sei brandgefährlich und es sei ein Wunder, dass bisher nur wenig schwere Unglücke passiert seien. „Ich kann das nicht verstehen und würde mich selbst so einen Fahrstil aus Angst vor den Folgen nicht trauen.“ Brunners Stellvertreter Franz Dräxler ergänzt: „Die Autofahrer müssen a bisserl denken und es muss in die Köpfe rein, dass die Viecher Tag und Nacht unterwegs sind.“ Deshalb werde die Polizei auch die Geschwindigkeitskontrollen, vor allem in der Nacht, weiter intensivieren.

Kein Wunder also, dass bei den Hauptunfallursachen gleich nach den Vorfahrtsmissachtungen 56 (41) auf der Spitzenposition die nicht angepasste Geschwindigkeit (50/54) folgt, in die auch hauptsächlich die Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot (70/50) (Abkommen von der Fahrbahn nach links) und der Unfallfluchten im Gegenverkehr („Spiegelstreifer“) integriert zu sehen sind. An Nummer drei folgen 26 Überholverstöße, dahinter die Fehler beim Abbiegen (24/20).

Todesfälle sind belastend

Während insgesamt eine Vielzahl der Unfälle glimpflich abläuft, gibt es aber auch andere Szenarien, insbesondere sechs Unfallgeschehen, die für einen Menschen tödlich endeten. „Das ist nicht nur für die Angehörigen tragisch, auch die Kollegen sind davon stark belastet, wenn sie Eltern und Angehörigen die Todesnachricht überbringen müssen und wissen, was sie in diesem Moment bei der Familie auslösen.“ In diesem Moment sei nichts mehr, wie es war.

Getroffen hat das Schicksal 2018 einen 51-jährigen Porschefahrer, der auf der Kreisstraße EI 26 von Dietfurt Richtung Denkendorf unterwegs war, als er nach einem Überholmanöver eines landwirtschaftlichen Gespanns beim Wiedereinscheren kurz vor der Wolfsbucher Kreuzung zunächst nach rechts und anschließend nach links von der Fahrbahn abkam. Der Pkw überschlug sich mehrmals. Der 35-jährige Mitfahrer konnte sich selbst aus dem Fahrzeug befreien, für den Fahrer, der nicht angeschnallt war, kam jegliche Hilfe zu spät.

Motorradfahrer verunglückt

Zudem sind fünf Motorradfahrer im Bereich der PI Beilngries tödlich verunglückt. „Wir haben zwar keine ausgesprochenen Raserstrecken, allerdings ist das Altmühltal natürlich bei Motorradfahrern ein beliebtes Ziel“, berichtet dazu Gerner. Demzufolge verteilen sich die Unfallorte auch hier über das gesamte Einsatzgebiet. Ursache waren bei vier Fällen unter anderem die überhöhte Geschwindigkeit des Motorradfahrers, ein Fall müsse auch als ausgesprochen unglücklich eingestuft werden. Der Pkw eines 39-Jährigen stieß beim Ausfahren vom Netto-Parkplatz in Beilngries auf die Eichstätter Straße mit dem Motorrad eines 67-Jährigen, der ortsauswärts Richtung Kinding unterwegs war, zusammen.

Verkehrssicherheits-Programm 2020

  • Aktionen: Das Verkehrssicherheitsprogramm 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“ hat seit seiner Vorstellung 2013 konkrete Formen angenommen. Bayernweite Blitzermarathons, Verkehrssicherheitstage und Aktionswochen für Motorradfahrer und Geschwindigkeitsüberwachung auf außerörtlichen Landstraßen zeigen Wirkung. Deswegen gibt es auch 2019 schwerpunktmäßige Kontrollen und Verkehrsüberwachungen.
  • Ergebnisse: Bei 197 (211) Geschwindigkeitsmessungen wurden 1208 (1098) Verkehrsteilnehmer beanstandet. Im Vergleich zum Jahr 2016 zeigt die Beanstandungsquote bei gleicher Messhäufigkeit deutlich nach unten.

  • Nachtmessungen: Besonders zur Nachtzeit wird es auf Landstraßen außerorts verstärkt Kontrollen geben, um den Geschwindigkeits- und Wildunfällen entgegenzuwirken.

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