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Freizeit

Urlaub im Schäferwagendorf in Beilngries

Michael Müller modernisiert den Campingplatz mit neuen Wohnkonzepten. Wer im Wagen übernachtet, fühlt sich wie ein Hirte.
Markus Rath

  • Der Beilngrieser Campingplatzbetreiber Michael Müller ist Vorreiter seiner Branche. Das neue Schäferwagendorf, das von einem Altarm der Altmühl umschlossen wird, ist seine neueste Idee. Foto: Rath
  • Jonas und Luisa sind vom Schäferwagen als Nachtquartier restlos begeistert. Foto: Müller

Beilngries.Individualisten mit eigenen Wohnkonzepten gab es zu allen Zeiten. Man denke nur an Peter Lustig, der im Kinderfernsehen der 80er Jahre vormachte, dass der Mensch auch in einem Bauwagen pfiffig und bequem wohnen kann. Geht man ein Stück weiter zurück, landet man bei Erich Kästner, der in seinem Kinderbuch „Ein fliegendes Klassenzimmer, den Eisenbahner, einen Arzt, der sich aus dem Leben zurückgezogen hatte, in einem ausrangierten Bahnwaggon logieren ließ.

Ihr Urvater ist aber wohl Diogenes, der mit einer einzigen Tonne auskam. Für den braven Bürger in diesem Land zählte in der Vergangenheit vor allem das Eigenheim als Traum, der, wenn er nicht zu erreichen war, oft mit einem Wohnwagen auf einem Campingplatz kompensiert wurde.

Neue Trends im Camping

Soweit die Bestandsaufnahme des vergangenen Jahrtausends: Heute zählen Mobilität und Wohnqualität mehr als Steine an einem bestimmten Ort. Das Tiny House ist im Trend und auf dem Campingplatz warten urige Fässer auf die Gäste, die naturnah und individuell übernachten wollen. Einer der Vorreiter dieser Entwicklung ist Campingplatzbetreiber Michael Müller, der Bayerns erstes Fasshotel im Naturama in Beilngries erbauen ließ.

Ungewzungene Atmosphäre

Der Beilngrieser Campingplatzbetreiber Michael Müller ist Vorreiter seiner Branche. Das neue Schäferwagendorf, das von einem Altarm der Altmühl umschlossen wird, ist seine neueste Idee. Foto: Rath
Der Beilngrieser Campingplatzbetreiber Michael Müller ist Vorreiter seiner Branche. Das neue Schäferwagendorf, das von einem Altarm der Altmühl umschlossen wird, ist seine neueste Idee. Foto: Rath

Er geht jetzt noch einen Schritt weiter und verfeinert mit einer völlig neuen Idee das Konzept. Seit dieser Saison warten 22 Schäferwagen auf ihre Gäste, die im Urlaub keine Lust darauf haben, ein Hotelzimmer aufzusuchen, sondern die Ungezwungenheit eines Campingplatzes vorziehen. Da Beilngries aber mit dem Altmühltal Panoramaweg, der Altmühl und dem Main-Donau-Kanal eine Destination für Radler, Wanderer oder Kanuten ist, die auch längere Strecken bewältigen wollen, ist hier der eigene Wohnwagen natürlich fehl am Platz.

Wanderschäfer unterwegs

Doch warum ausgerechnet Schäferwagen? Die Erklärung findet sich in direkter Nachbarschaft zum Campingplatz. Alle Wander- und Radelwege führen in den Flusstälern von Altmühl, Sulz sowie Weißer und Schwarzer Laber durch eine wertvolle Kulturlandschaft: Neben Wacholderbeständen, die durch wilde Rosen, Schlehen und Weißdorn aufgelockert werden, entwickelten sich Magerrasenflächen, die durch Rodung des Waldes und Viehbeweidung im Mittelalter entstanden. Hier finden sich prachtvolle Polster der Felsennelke und der sehr seltenen spitzblättrigen Miere, das Kahlblättrige Heideröschen, ebenfalls eine große Seltenheit, und drei Enziane: Frühlingsenzian, Gefranster Enzian und Deutscher Enzian. Diese wertvollen von Menschenhand geschaffenen Pflanzenstandorte bedürfen einer ständigen Pflege durch Schafbeweidung, da sonst Gebüsch und Wald die Heide zurückerobern. Deshalb sind hier noch wie zu alter Zeit Wanderschäfer unterwegs. Und genau die waren ideengebend für Müller. In den gemütlichen aus Holz gefertigten Wagen legen die Besucher nach einem aktiven Tag die Beine hoch und fühlen sich ein bisschen so, als wären sie wie die Hirten mit ihrer Herde über die Wacholderheiden gezogen.

Wagen für Familien

Die Familie Schmidt beim Probewohnen auf der Veranda des Schäferwagens. Foto: Müller
Die Familie Schmidt beim Probewohnen auf der Veranda des Schäferwagens. Foto: Müller

Entworfen hat die Wagen, die für Familien bis zu drei Kinder geeignet sind, Müller selbst. „Es gibt eine Skizze von mir. Meine drei Hausmeister, die sonst nur im Sommer hier arbeiten, haben auf ihren Winterurlaub verzichtet und stattdessen die Wagen gebaut“, sagt er. Die ersten Testwohner sind begeistert: Jonas und Luisa Schmidt und ihre Eltern Jessica und Manual wohnen zwar in Beilngries, verbringen aber als passionierte Camper regelmäßig ein Wochenende im Naturama. „Die Schäferwagen sind für alle, die keinen eigenen Wohnwagen haben, ideal“, sagen sie.

Zwei gemütliche Stockbetten bieten genügend Platz zum Schlafen, dazu der Geruch nach Holz. Vor dem Eingang befindet sich eine gemütliche Veranda, auf der die Besucher den Tag ausklingen lassen können. Möglichkeiten zum Kochen bieten die Grillstellen im Dorf, Lebensmittel können im Kühlschrank des Schäferwagens verstaut werden.

Gästezahlen in Beilngries steigen

Der Erfolg gibt Müller recht: Seit er 2016 den Campingplatz übernahm und seine Konzepte umsetzte, explodierten die Gästezahlen. „Ich traue mich gar nicht, es zu sagen, aber über Ostern sind wir ausgebucht“, erzählt er. Fasshotels, das Familiendorf Bunterkund und jetzt die Schäferwagen, ergänzt mit Fass-Sauna, Massage, Kraftbox und Bootsverleih bieten alles, was Urlauber sich wünschen.

Saunabereich beliebt

Seitdem Müller aktiv ist, hat sich viel verändert. Das bemerken auch die Gäste, die seit vielen Jahren hier gastieren. Margot und Joe Hansal aus Nürnberg sind seit 1979 immer wieder zu Gast auf dem Campingplatz in Beilngries. Sie sind begeistert, wie sich der einfache Standort in etwas ganz besonderes verwandelt hat. „Das Naturama ist ein wahres Schmuckkästchen geworden“, sagen die beiden, die vor allem den Saunabereich schätzen.

Der Campingplatz sei für junge, aber auch für ältere Urlauber ein Platz für Erholung. Zufrieden zeigen sich auch die Stadt Beilngries und der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Christoph Raithel. Seit 2016 stiegen die Übernachtungszahlen von über 34 000 auf mehr als 61 000. „Wir haben mit ihm einen sehr rührigen Betreiber, der innovative Ideen hat und auch umsetzt“, sagt Raithel.

Kurz & knapp: Aktiv sein

  • Kindergeburtstag: Das Campingteam organisiert einen spannenden Tag mit Bootstour, Lunchpaket und Grillen.
  • Schulausflug: Die Fässer oder Schäferwagen sind auch für Klassenfahrten geeignet. Für Lehrer gibt es ein Mobilhome und vorbereitete Unterrichtsmodule.
  • Verwöhnwochenende:Im Kuschelfass erleben frisch Verliebte Romantik und Natur pur.

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