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Trailrun

Familien Harrer/Urbansky und die Lauflust

Die Extremläufer aus Berg und Sengenthal sind heiß auf den Ultratrail Lamer Winkel. Anika Harrer muss jedoch passen.
Von Thorsten Drenkard

Anika Harrer mit ihrem Mann Philipp (v. l.), ihrem Papa Reinhard und Bruder Christopher Urbansky Foto: Harrer
Anika Harrer mit ihrem Mann Philipp (v. l.), ihrem Papa Reinhard und Bruder Christopher Urbansky Foto: Harrer

Berg.Die Gipfel sind ihr Sehnsuchtsziel. Schnellen Schrittes die Spitzen steiler Berge zu erklimmen, das ist die Passion von Anika Harrer. Die Ultratrail-Läuferin aus der Neumarkter Gemeinde Berg versteht sich für gewöhnlich ganz hervorragend darauf, in kürzester Zeit die bergigsten Pfade zu meistern.

So wie im vergangenen Jahr, als sie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils als schnellste Läuferin die Zugspitze erklomm. Eine absolute Ausnahmeleistung und der bisherige Höhepunkt in der erfolgreichen Laufkarriere der Wahl-Regensburgerin.

Ein Highlight im sportlichen Jahreskalender der 28-Jährigen sollte eigentlich der 3. Ultratrail Lamer Winkel (UTLW) im Bayerischen Wald an diesem Samstag werden – eigentlich.

Gipfelstürmerin im Tal

Denn momentan befindet sich die Gipfelstürmerin in einem emotionalen Tal, dem tiefsten ihrer Läuferkarriere. Harrer hat seit zwei Wochen absolutes Laufverbot. Nicht, weil sie auf einem ihrer Ultratrail-Läufen gestürzt wäre und sich die flinken Beine verletzt hätte. So naheliegend ist der Fall nicht.

Der unerwartete Übeltäter ist das Zwerchfell der Extremläuferin, das sich vor Wochen plötzlich verkrampft hat. Zum Lachen findet das Harrer natürlich nicht. „Ich bin sehr traurig darüber, dass ich nicht starten kann, schließlich liebe ich den Lauf und die Gegend im Bayerischen Wald“, sagt Anika Harrer. Ihre Stimme klingt geknickt.

Hier sehen Sie eine Bildergalerie der Ultratrail-Läufer der Familien Urbansky/Harrer:

Die Harrers und Urbanskys im Ultratrail-Fieber

Nur zu gerne hätte sie die 54-Kilometer-Strecke des UTLW unter ihren flinken Füßen gespürt und ihren zweiten Platz aus dem Jahr 2016 (6:47:11 Stunden) getoppt. Doch ihr Zwerchfell ist ihr zwischen die Beine gegrätscht.

„Das ist, wie wenn man einen Bauchmuskelkrampf unterhalb des Rippenbogens hat“, beschreibt Anika Harrer ihren Schmerz, mit dem einfach keine konditionsraubenden Abenteuerläufe über Stock und Stein zu absolvieren sind. Wie lange sie wird pausieren müssen, ist nicht abzusehen. So lange, wie es dauern wird. Anika Harrer ist da pragmatisch und geduldig. Mit Zuversicht geht sie die härteste Prüfung ihrer bisherigen Laufkarriere an.

Eine schwierige Herausforderung, die sie nach Aussage ihres Mannes Philipp Harrer mindestens genauso gut meistert wie die anspruchsvollsten Singletrails im Hochgebirge.

Hier lesen Sie einen Artikel über Anika Harrers Triumphe auf der Zugspitze.

„Wie sie mit der Situation umgeht, die für sie auf keinen Fall leicht ist, nötigt mir den größten Respekt ab. Sie steckt das alles gut weg“, sagt der 32-jährige Gemahl und mutmaßt, dass „ich damit wohl weniger gut umgehen könnte“. Schließlich zieht es auch Philipp Harrer in beinahe jeder freien Minute auf atemberaubende Berg- und Naturpfade. Seit 2008 läuft der Sengenthaler (Landkreis Neumarkt) bei Ultratrails die Berge der Region und Europas hinauf und hinab.

Für den 32-Jährigen ein nicht mehr wegzudenkendes Hobby, das er einst mit Christopher Urbansky (30 Jahre), dem Bruder von Anika Harrer, begann – und dem das Familien-Trio bis heute leidenschaftlich frönt. Längst hat sich auch Anikas Vater Reinhard Urbansky von der Faszination der Trail- und Bergläufe anstecken lassen.

Hier sehen Sie eine Grafik der 54-Kilometer-Strecke König vom Bayerwald:

Da versteht es sich von selbst, dass die Ausdauersportler der Familien Harrer und Urbansky am Samstag auf der „König vom Bayerwald“-Strecke die geforderten 54 Kilometer (2600 Höhenmeter) beim UTLW angehen wollen. Anika würde auch so gerne wollen, kann aber nicht.

Doch unterkriegen ist nicht, schließlich ist die energiegeladene Bergerin ein fröhlicher und optimistischer Mensch – also: „Werde ich meine Leute vor Ort unterstützen. Das ist doch klar.“ Ebenso wie Christophers Freundin Lena und Anikas Mutter Heidi, die bei den verwegenen Läufen ihrer Liebsten fast nie als emotionale Stütze fehlt. Heidi Urbansky: „Ich liebe es, Euch laufen zu sehen und wie Ihr mir immer ein Lächeln schenkt“, sagt die Mama. Ihre Tochter freut dieser Satz, sie lächelt.

Laufen in der freien Natur – für die Bergerin Anika Harrer und ihre Familie gibt es nichts Schöneres. Foto: Philipp Harrer
Laufen in der freien Natur – für die Bergerin Anika Harrer und ihre Familie gibt es nichts Schöneres. Foto: Philipp Harrer

Die Chemie stimmt im Familienclan der Urbanskys und Harrers. Sie alle sind eine verschworene Einheit, die nicht nur das extreme Laufen, sondern auch einander lieben. Hier helfen und halten alle zusammen, auf und neben den Laufpfaden.

Auch an diesem Samstag werden allesamt beim UTLW wieder zueinanderstehen. Die 54-Kilometer-Strecke des Ultratrails im Bayerischen Wald, die unter anderem über den Großen Arber und den Osser führt, ist technisch anspruchsvoll, weiß Philipp Harrer. „Es geht meist auf schmalen Singletrails entlang und permanent auf und ab“. Vor zwei Jahren stießen er und sein Kumpel Christopher Urbansky auf dem UTLW jeweils an ihre körperlichen Grenzen.

Beim UTLW total eingebrochen

„Chris und ich sind damals total eingebrochen. Wir sind beide gegen eine Wand gelaufen“, erinnert sich Philipp Harrer, der sich 2016 nach 7:17:23 Stunden als 87. von 315 Startern über die Ziellinie quälte, während Christopher Urbansky 7:08:06 Stunden brauchte und damit den 69. Platz belegte.

Diesmal will es der 32-Jährige besser machen, ohne dabei ein konkretes Ziel auszurufen. „Eine Zeit zwischen sechs und sieben Stunden wäre gut“. Die Platzierung sei ohnehin zweitrangig, das Durchkommen und Genießen stehe immer an erster Stelle.

Ihren letzten Sieg feierte Harrer beim Spindellauf in Regensburg.

Eine Einschätzung, die Philipp Harrers Schwiegervater Reinhard Urbansky nur teilen kann: „Ich verfolge kein ambitioniertes Ziel. Ich nehme teil, um das Feeling einer solchen Veranstaltung zu genießen. Freude, Spaß, wunderbare Landschaften und ein gemeinsam geteiltes Abenteuer mit meiner Familie treiben mich an den Start.“

Und auch wenn Topläuferin Anika Harrer am Samstag keinen Gipfel erlaufen wird, wird sie freilich ab 8 Uhr ebenfalls an der Strecke stehen – diesmal eben zum Anfeuern. Wie das in laufverrückten Familien eben so ist.

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