mz_logo

Gemeinden
Donnerstag, 19. Juli 2018 28° 2

Wirtschaft

Huber SE geht ganz neue Wege

Das Berchinger Umweltunternehmen nutzt eine Änderung im Entsorgungsrecht und steigt in die Klärschlammverwertung ein.
Von Johann Grad

Vorstandsvorsitzender Georg Huber (r.) und Vorstand Vertrieb Rainer Köhler blicken positiv in die Zukunft von Huber SE. Von der Klärschlammverwertung erhoffen sie sich neue Impulse füs Unternehmen.
Vorstandsvorsitzender Georg Huber (r.) und Vorstand Vertrieb Rainer Köhler blicken positiv in die Zukunft von Huber SE. Von der Klärschlammverwertung erhoffen sie sich neue Impulse füs Unternehmen.Foto: Grad

Berching.Wohin mit 400 Tonnen Klärschlamm pro Tag? Eine Menge, die man sich gar nicht vorstellen kann. Aber auch bei unseren kleinen Kläranlagen fällt Schlamm an, der aus dem Abwasser geholt wird. Diesen auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen oder auf Deponien zu kippen, wird bald vorbei sein. Eine neue Klärschlammnovelle verlangt eine sinnvollere Verwertung des wertvollen Rohstoffes. Die Berchinger Firma Huber SE, weltweit ein Ausrüster für Kläranlagen, steigt jetzt zusätzlich ein in die Klärschlammverwertung, wie Vorstandsvorsitzender Georg Huber, Vorstand für Vertrieb Rainer Köhler und Marketingleiter Christian Stark erläuterten.

Die genannten 400 Tonnen Schlamm pro Tag fallen in der kolumbianischen Stadt Medellín an. Dort wird momentan die neue Kläranlage „Bello“ für 2,75 Millionen Einwohnergleichwerte gebaut. Die mechanische Vorreinigung, durch die alle möglichen festen Teile herausgeholt werden, hat Huber SE geliefert und eingebaut, dazu die Anlage, mit welcher der Sand isoliert wird. In der neuen Kläranlage fallen täglich 310 Tonnen Schlamm an, aus der anderen Kläranlage werden 90 Tonnen Schlamm angeliefert.

Projekt für 50 Millionen US-Dollar

Der Betreiber der Anlage, die Stadtwerke Medellín, suchten eine nachhaltige und wirtschaftliche Entsorgung des Klärschlamms. Das gewählte Konzept sieht die Kombination einer Kraftwärmekopplung mit einer kombinierten Schlammtrocknung vor. Die Berchinger Firma beteiligte sich als Konsortialführer gemeinsam mit einer renommierten kolumbianischen Anlagenbaufirma an der Ausschreibung für das Projekt zur schlüsselfertigen Errichtung mit Ingenieursleistungen, Bau und Betrieb der Anlage.

Mit etwa 50 Millionen US Dollar ist das der größte Firmenauftrag. Elf Millionen Euro davon werden direkt in Berching erarbeitet, die Bauzeit beträgt lediglich 22 Monate. Ende August wurde der Vertrag unterzeichnet. Bereits jetzt sind drei Mitarbeiter vor Ort und kümmern sich beim Bau um alle möglichen Details, mehr Leute sind dann anwesend, wenn die Anlage in Betrieb geht. Anfallende Probleme werden gelöst, bis alles reibungslos funktioniert.

Eigene Anlagen entziehen Wasser

Bandtrocknungsanlagen von Huber SE holen 90 Prozent des Wassers aus dem Schlamm, der sich nachher wie trockener Sand anfühlt. Zur Stromversorgung für den Betrieb der Kläranlage werden Gasturbinen eingebaut, befeuert mit Biogas, das als Methan in den riesigen Faultürmen von Bakterien erzeugt wird. Die anfallende Abwärme der Turbinen wird gleichzeitig zur Klärschlammtrocknung verwendet.

Dieser Schlamm kann dann als Dünger verwendet oder, da er so wertvoll ist wie Braunkohle, weiter verbrannt werden und zur Energieversorgung am Ort beitragen. In der anfallenden Asche verbleibt der Phosphor. Momentan wird die Asche Düngemitteln beigemischt, später soll sie extrahiert werden. In etwa 90 Jahren geht nämlich der Abbau von Phosphor zu Ende.

Auf der Kläranlage in Straubing hat die Firma Huber SE im Rahmen eines EU-Förderprojekts bereits vor einigen Jahren eine Anlage zur Verwertung des Klärschlamms in einer Menge von 10 000 Tonnen pro Jahr errichtet und betrieben. Hier demonstrierte man erfolgreich eine dezentrale vollständige Entsorgung des Klärschlamms mit der Kombination Energieerzeugung und der künftigen Möglichkeit der Rückgewinnung des Phosphors.

Vorstandsvorsitzender Georg Huber zeigte sich zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im zu Ende gehenden Jahr. Trotz aller Krisen sei man „in mehr als 100 Ländern mit den Produkten dabei, man beobachte die Situationen und reagiere entsprechend“. Russland, früher ein wichtiger Markt, sei jetzt aufgrund politischer Probleme und wegen des Wechselkurses sehr schwierig. Polen, EU-kritisch, ruft Gelder aus Brüssel nur zögerlich ab, was in den Kommunen Projekte für Abwasserreinigung verzögert.

Deutschsprachiger Raum wichtig

Nach dem Brexit ist auch in Großbritannien der Wechselkurs sehr ungünstig geworden. In Brasilien ist die politische Situation schwierig, was sich bis hinunter zu den Kommunen auswirkt. Huber SE ist international aber gut aufgestellt und nutzt die Chancen in anderen Ländern, um die Schwierigkeiten zu kompensieren.

In den USA habe man eine gute Marktposition, sehr positive Entwicklungen gibt es in Kolumbien mit dem Großauftrag „Bello“ in Medellín, und einer neuen Tochter in Mexiko. Weiter bestehe eine gute Situation in Argentinien und China. Der wichtigste Markt jedoch sind die deutschsprachigen Länder. Hier wurden ehrgeizige Ziele erreicht.

In der Huber-Gruppe konnte der Plan von 192 Millionen Euro Umsatz sogar übertroffen werden, weitere Potenziale sind im Iran und in China zu sehen. Man sei in der Technologie führend, achte auf Qualität, Service und Produktinnovation. Im kommenden Jahr werde man rund acht Millionen Euro investieren, die Hälfte davon in Deutschland. Ein wichtiger Bereich für Wachstum ist die neue Klärschlammverwertung.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht