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Musik

Berching feiert Glucks Geburtstag

Berching beteiligt sich an den Internationalen Gluckfestspielen anlässlich des 305. Geburtstags des Erasbacher Künstlers.
Von Markus Rath

Altbürgermeister Rudolf Eineder, Christian Eisner, Berchings zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix und Franz Killer (Pocket Opera Company) haben zusammen mit dem Team der Gluckfreunde Berching die Geburtstagsfeier und die Landpartie vorbereitet. Foto: Markus Rath
Altbürgermeister Rudolf Eineder, Christian Eisner, Berchings zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix und Franz Killer (Pocket Opera Company) haben zusammen mit dem Team der Gluckfreunde Berching die Geburtstagsfeier und die Landpartie vorbereitet. Foto: Markus Rath

Berching.„Im Laufe der Jahre ist er ein Teil von Berching geworden.“ Wenn Altbürgermeister Rudolf Eineder über den berühmtesten Sohn der Hechtenstadt, den in Erasbach geborenen und in Weidenwang getauften Komponisten Christoph Willibald Ritter von Gluck spricht, so verschweigt er auch nicht, dass seine selbst gestellte Aufgabe, Berching mit Hilfe von Gluck auch touristisch zu positionieren, nicht immer einfach war. „Wir wollten ihn den Menschen nahebringen, die nicht regelmäßig in die Oper gehen können. Sie sollten Gluck so erleben, dass sie Spaß dabei haben“, sagt er. Denn aus seiner Sicht muss man Gluck nicht unbedingt mögen, aber er sei ein Thema, über das man ins Gespräch kommen könne und damit auch Touristen anlocken, die nicht nur Wandern oder Radfahren wollen.

Landpartie mit dem „Orfeus“

Das funktioniere nur, wenn man die Menschen da abholt, wo sie zu Hause sind. Und das ist nun einmal Berching. Beginnend mit ersten Freiluftkonzerten haben sich die Gluckfreunde immer weiter vorgewagt und ganze Opern auf dem Pettenkoferplatz vor dem Rathaus dargeboten. Inzwischen ist daraus ein großes Open-Air-Konzert auf der Freiluftbühne im Hans-Kuffer-Park geworden und zum Stammpublikum gehören Leute, die „früher mit Gluck nichts zu tun haben wollten“. Sogar der Volksfestreferent habe für den 2. Juli schon sein Kommen angekündigt, obwohl er eigentlich mit Oper nichts am Hut hat. Warum? Es gibt eben viele Pfade, die zu Gluck führen. Eineder und seine Getreuen haben deshalb 2012 angefangen, ihr Publikum mit auf eine Reise zu nehmen, genauer gesagt auf eine Landpartie. Routenplaner ist nicht der Berchinger Altbürgermeister, sondern Franz Killer, Leiter der Pocket Opera Company, der auch die Aufführung im Kuffer-Park musikalisch verantwortet. Ihn haben die Gluck-Freunde mit ihrem Wunsch, das beliebteste Werk „Orfeo ed Euridice“ (1762) als spannende Opern-Wanderung (13. und 14. Juli) in freier Natur zu inszenieren, eine echte Aufgabe gestellt.

Killer: „Die musikalischen Qualitäten dieses Geniestreiches sind unbestritten und zeitlos. Aber gibt es denn überhaupt noch etwas Neues in diesem antiken Seelendrama aus der griechischen Mythologie zu entdecken, das Orpheus, den einzigartigen Sänger und „King of Leier“, auf der Suche nach seiner verstorbenen Eurydike in die Unterwelt begleitet?“

Bei der Landpartie erleben die Teilnehmer Gluck an verschiedenen Orten der Region. Foto: Blaser
Bei der Landpartie erleben die Teilnehmer Gluck an verschiedenen Orten der Region. Foto: Blaser

Zudem sei der Stoff nun mal eine opera sera, ein Trauerspiel, ohne wirkliches Happy End, ein Stück, das zweifelsohne ans Herz geht, aber nun mal nicht lustig ist und daher wenig passend für eine fröhliche Wanderung. „Meine Überlegung war: Wie kann ich die Leute unterhalten und verhindern, dass ich sie mit einer Depression nach Hause schicke?“ Zu welchen Schlüssen Killer gekommen ist, sei aber dem eigenen Erleben vorbehalten. Nur soviel: Im Unterholz der Berchinger Wälder wandelt ein gefährlicher Schatten, der nur auf den Augenblick wartet, den bekannten Figuren auf den Zahn zu fühlen. Zwischen dem Höhlen-unterwanderten Holnstein und lieblichem Laber-Elysium steht die Wiederkehr von Orpheus und Eurydike aus dem Jenseits auf des Messers Schneide. Killer hat, wie er sagt, für die „L’ombra dell’amore“ nicht nur alle von Gluck selbst erstellten Orpheus-Fassungen berücksichtigt, „sondern durch die Einbindung von insgesamt vier Sprachen auch die unterschiedlichen europäischen Wirkungsorte Glucks und seine damit verbundene Stellung als veritabler Europäer in eine musikalisch-dramatische Synthese destilliert.“

Die Internationalen Gluckfestspiele 2019

  • Neue Wege:

    Christoph Willibald Gluck (1714 -1787) hat Perfektion eingefordert, Visionen entwickelt und sich für das Neue eingesetzt. Damit bereitete er mit der Klassik eine musikalische Epoche vor. Die Festspiele sollen seine schöpferische Fantasie, Erfindungsreichtum, Sensibilität und Temperament erlebbar machen.

  • Spielorte:

    In Berching, Bayreuth, Fürth, Lauf, Neumarkt und Nürnberg finden innerhalb von 18 Tagen gut 30 Veranstaltungen statt, an denen Ensembles aus sechs Nationen und mehr als 300 Künstler mitwirken.

  • Open-Air-Konzert:

    Am 2. Juli erklingt zum 305. Geburtstag im Hans-Kuffer-Park das Stück: „Le Feste d’Apollo“. Beginn ist um 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

  • Landpartie:

    Glucks wohl bekanntestes und beliebtestes Werk „Orfeo ed Euridice“ als spannende Opern-Wanderung in freier Natur. Aufführungen am 13. Juli von 16 bis 20 Uhr und am 14. Juli von 11 bis 15 Uhr. Treffpunkt: Gluck-Museum, Johannesbrücke 2, Berching, Karten: 38 Euro inkl. Verpflegung. Vorverkauf: Tourismusbüro, Tel. (0 84 62) 2 05-15

Großes Fest im Kuffer-Park

Bevor die Wanderungen aber beginnen, wird erst einmal der Jubilar geehrt: Glucks 305. Geburtstag soll mit Musik, Tanz, Szenen und Geschichten im Hans-Kuffer-Park gefeiert werden. Ein Fest voller Überraschungen, mit vielen hochkarätigen Gratulanten. Unter ihnen ist auch der inzwischen 91-jährige Gründungspräsident der Internationalen Gluck-Gesellschaft, em. Prof. Dr. Gerhard Croll, der als Geschenk eine Erstausgabe der Partitur von „Le Feste d’Apollo“ übergibt.

Dieses Werk, das zu den eher selten aufgeführten Stücken Glucks gehört, wird den Rahmen vorgeben. Atemberaubende Koloraturarien präsentiert von Solisten und Musikern der Pocket Opera Company im Wechselspiel mit dem Motetten Chor Nürnberg, virtuose Bläserklänge auf höchstem Niveau von Philharmenka, träumerische Instrumental- und Vokalstücke, dargeboten von Schülern und Musikenthusiasten des Beilngrieser Gymnasiums, prägen dieses Werk, das auf den Tag genau 250 Jahre vorher in Parma uraufgeführt wurde.

Dabei wird ein bekannter Zeitgenosse Glucks durch das Programm führen: Der extra von Wien angereiste Theaterimpresario Graf Giacomo Durazzo erzählt aus dem Leben Glucks, aber auch von Begegnungen mit dem berühmten Reiseschriftsteller Charles Burney, der Gluck in Wien aufgesucht hatte und so manches aus dem „Nähkästchen“ des großen Meisters verraten wird. Aber nicht nur an den Ohrenschmaus ist gedacht: Gluck, zeitgemäß, reformfreudig, up to date wird umgesetzt von einer überwältigenden Anzahl von Schülern der Berchinger Schulen. Denn es gibt viele Pfade, die zu Gluck führen. Manchmal hilft es, wenn die Blasmusik dem Volksfestreferenten den Marsch bläst oder hunderte Fahrradglocken erklingen.

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