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Kultur

BerLi-Kino: Retter dringend gesucht...

Franz Bäumel muss sein Berchinger Kino im Dezember schließen. Falls sich kein Käufer findet, gibt es auch schon einen Plan B.
Von Vera Gabler

  • Franz Bäumel in seinem Reich, das er Ende des Jahres schweren Herzens verlassen wird Fotos: Vera Gabler
  • Die Technik ist hochmodern.

Berching. Auch wenn es hart ist – die Gesundheit spielt nicht mehr mit und Franz Bäumel gibt bekannt: „Ich werde das BerLi-Kino in der Schmiedstraße zum 31. Dezember dieses Jahres schließen“. Schon seit Wochen hängt neben dem Kinoprogramm die Nachricht, dass der Kinobesitzer Bäumel einen Nachfolger sucht.

Diese Tatsache ist nicht nur für treue Kinobesucher erschreckend, sondern hat auch Christian Eisner vom Stadtentwicklungsverein „Gemeinsam für Berching“ auf den Plan gerufen. Zusammen mit dem Tagblatt stattete er Bäumel einen Besuch ab.

Eisner kennt das Kino aus seiner Freizeit und beim Eintreten in den Kinosaal kommt Nostalgie auf. Nicht nur das herrliche Ambiente mit der großen Leinwand und den vielen Plakaten macht den Saal zu etwas Besonderen, sondern auch die Tischgruppen am Ende der Sitzreihen laden sofort zum Verweilen ein.

Als Bäumel vor 13 Jahren das Kino samt Gebäude ersteigert hatte, war erst einmal ein Umbau nötig gewesen, erinnert sich der heute 59-Jährige an seinen Start in Berching. „Wenn einer was von Kino versteht, dann du“, war ihm damals versichert worden und mit leuchtenden Augen erzählt Bäumel, dass er im Kino groß geworden sei. Schon im Alter von 15 Jahren verdiente sich zusätzliches Taschengeld als Platzanweiser in den damaligen Kaiserlichtspielen Neumarkt.

Sechs Monate später durfte er schon als Filmvorführer arbeiten und zwar in den Bavaria-Kinos bis Anfang der 80er-Jahre. Seine berufliche Karriere als Kaufmann im Autohaus und später in der Entsorgungsbranche habe ihn nie von einem Kinobesuch abgehalten.

Mit Blick auf die Vergangenheit zählt Bäumel noch die Wodansburg in Beilngries auf und auch an die Kinos in Breitenbrunn und Hemau könne er sich erinnern. Auch das BerLi-Kino gehörte in seiner Jugendzeit dazu. „Ich bin da auch oft mit dem Mofa von Neumarkt nach Berching gefahren, um als Filmvorführer einzuspringen“.

Als im Jahr 2002 das Schmuckstück von Berching, wie es Eisner nennt, zur Versteigerung anstand, sah Bäumel seine Zeit gekommen. „Ich wollte die Welt verändern, war bereit, Berge zu versetzen“. Und das sei ihm auch gelungen – mit Hilfe der Filmbranche, die gute Filme auf den Markt brachte, die Bäumel sofort nach Berching holte.

Zehn bis 15 Wochen laufe ein Film und das auf dem neuesten Stand der Technik, betont der Kinobesitzer bei der Führung durch das Obergeschoss, wo er auf die digitale Technik mit 3D zeigt. „Wie in den großen Häusern“, sagt er stolz. Das große Plus des Berli Kinos in Berching sei die familiäre Atmosphäre.

Es fängt damit an, dass die damaligen Jugendlichen jetzt als Eltern gerne ins Kino gehen und reicht bis zu der Tatsache, dass Eltern ihre Kinder für den Film im Kino abgeben, um sie später wieder abzuholen. „Die Kinobranche hat 2015 im Vergleich mit 2014 zur Zeit ein Plus von rund 15 Prozent mehr Besuchern“ verrät Bäumel die finanzielle Seite. Eisner ergänzt, dass gerade für den Tourismus ein Kino eine Bereicherung sei, man denke nur an einen Regentag, den man im Kino verbringen könne.

Das Kino, eigentlich ist es auch das zweite Wohnzimmer für den Kinobetreiber, müsse also gerettet werden. Und weil sich bis dato noch kein ernster Interessent gefunden habe, beraumt Eisner kurzerhand einen Informationsabend ein. Dieser findet am 30. Juli um 19 Uhr in einem derzeit leerstehenden Gebäude in der Hubstraße 8 statt. Das Gebäude werde in der Zeit sowieso für die Aktionswoche „Neues Leben in alten Mauern“ genutzt, so dass sich das Thema gleich mit anbiete.

Wenn sich also kein Käufer finde, dann müsse Plan B angegriffen werden, so Eisner. Er stellt sich dabei einen Art Kinoverein vor, wobei der Stadtentwicklungsverein nur wieder als Anschieber fungieren könne. Denn und das muss Bäumel bestätigen, als Kinobesitzer ist die Freizeit am Nachmittag und Abend eher beschränkt: „Meine Familie hatte eigentlich nur am Heiligen Abend einen gemeinsamen Abend“.

Trotz allem stehe seine Familie mit Ehefrau Barbara und den zwei Kinder hinter seiner Leidenschaft. Zum Abschluss versichert Bäumel, dass er natürlich gerne beratend weiterhin „Kinobesitzer“ sein werde, wenn es erforderlich ist.

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