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Film

Fast so wie im richtigen Leben

Das Filmteam von „Different Bayern“ drehte in Freihausen. Am Sonntag werden wieder Statisten benötigt. Dieses Mal als Fans.
Von Dagmar Fuhrmann

Unverhofft tauchte Schäfer Thomas Inselsberger auf, prompt ließ Regisseur Matthias Koßmehl (rechts) eine Szene mit ihm drehen.
Unverhofft tauchte Schäfer Thomas Inselsberger auf, prompt ließ Regisseur Matthias Koßmehl (rechts) eine Szene mit ihm drehen. Fotos: Fuhrmann

Berching. „Haben wir’s jetzt?“, fragt Schäfer Thomas völlig unbefangen. Nicht wissend, dass er wohl eine der wichtigsten Regeln beim Filme machen außer Acht gelassen hat: Es ist der Regisseur, der die Aktion an- und absagt – sonst niemand. Die Szene ist dennoch gerettet, denn das „Danke Aus“ von Regisseur Matthias Koßmehl folgte sofort.

Was sich gestern beim SV Freihausen abspielte, war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass sich die Produktion eines Filmes nicht so sehr vom wirklichen Leben unterscheidet. Die Planung- oder in diesem Fall das Drehbuch- ist das eine, die Wirklichkeit aber dann ganz etwas anderes. Denn wer hätte das ahnen können, dass mitten in den Dreharbeiten zu einer Szene für „Different Bayern“, für den sich Filmhochschüler seit Monaten in Berching aufhalten, etwa 600 Schafe auftauchten, mitsamt dazugehörigem Schäfer und zotteligen Hütehunden. Noch dazu beschienen von einer untergehenden Septembersonne, die der Szene ein ganze Kaskade von Rottönen spendierte und somit ein magisches Licht, das es nur am Ende eines schönen Sommertages gibt.

Eine kleine Rolle für den Schäfer

Die Filmemacher zögerten nicht und baten den Schäfer eine kleine Rolle zu übernehmen, wofür das Drehbuch kurzerhand ergänzt wurde. Schäfer Thomas spielte mit, stützte sich auf seinen Stab und unterhielt sich mit Hauptdarsteller Trainer Oertl, gespielt von Hans Schuler. Der hatte laut Drehbuch gerade das alles entscheidende Fußballspiel hinter sich gebracht und ging, sich eine Zigarette anzündend, zum Schäfer auf ein paar Worte.

Und so ergab sich am Sportheim des SV Freihausen die seltsam anmutenden Situation, dass sich auf der einen Straßenseite ein quirliges Filmset mit jungen Leuten, angezogen im Stil der kreativen Szene, befand. Demgegenüber stand auf der anderen Seite eine Schafherde, der Hirte gekleidet mit traditionellen Umhängemantel und Hut.

Zwischen Schäfer und Schauspieler gab es aber sehr wohl eine Gemeinsamkeit. Beide müssen viel warten. So hatte auch Hauptdarsteller Hans SchSonntag wird Berching zu Gretzinguler Zeit, sich mit der Tagblatt-Reporterin zu unterhalten und erzählte von seiner Rolle. Dass er einen Trainer der alten Schule spielt, erkennbar an seinem old fashioned Trainingsanzug und seinen billigen Plastikfußballschuhen. Und der ein 20 Jahre altes Auto fährt. Das ist den Berchingern wohl bekannt. Ursprünglich sollte es ein alter Golf sein, der gab aber zur Unzeit seinen Geist auf. Glücklicherweise besitzt aber Resi Christl vom Tourismusbüro einen Opel Astra aus dieser Zeit, der gut passte.

Dieser Trainer also, ein Typ aus vergangenen Zeiten, bekommt es mit einem Vorstand zu tun, der den Dorfverein nach betriebswirtschaftlichen Merkmalen führen will und der Bürgermeister werden will. Und er bekommt es mit einem Starspieler aus Ghana zu tun, mit Austin Abassi. Der heißt in Wirklichkeit Ashley Byam und war ebenfalls am Mittwochabend in Freihausen vor Ort. Auch er musste lange warten. Regieassistentin Kathleen, im Abspann wird sie Director of Arts genannt, sagte, dass sei die Herausforderung für die Schauspieler. Lange Zeit nichts zu tun zu haben, um dann auf den Punkt konzentriert zu sein.

Ashley Byan tat offensichtlich alles dafür, die Spannung aufrecht und in der Rolle des mit sich hadernden Fußballers zu bleiben. Während der Drehpause schimpfte er vor sich hin, tigerte auf und ab und gestikulierte vor sich hin. Wenige Minuten vor dem Dreh verdichtete sich die Atmosphäre am Set so, dass sie körperlich spürbar war. Während Matthias Koßmehl und Kameramann in Position gingen, kümmerte sich „Flo“ um das Drumherum. Per Funk gab er Anweisungen. Die Flutlichtanlage muss an, die Vorhänge sollen zugemacht werden, der Bewegungsmelder abgeklebt werden.

Keine Diskussionen mehr

Niemand diskutierte mehr in diesem Augenblick, alles schien reibungslos ineinander zu greifen. Regisseur Koßmehl ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht von einem Passanten in Zimmermannskluft, der ihn genau in diesem Moment fragte, ob es sich hierbei um einen echten Film handelt und wie das Filmteam gerade auf die Oberpfalz und speziell auf den Sportplatz in Freihausen gekommen sei. Bereitwillig und freundlich gab Koßmehl Auskunft, erklärte, dass sie sich unglaublich viele Fußballplätze und Sportheime angeschaut hätten, dieses aber alle Bedingungen erfülle. Und er machte Werbung für das alles entscheidende Filmfußballspiel, das am Sonntag beim SV Freihausen gedreht wird. Und auch hierfür sind die Filmemacher auf Statisten angewiesen. „Bring doch viele Kumpel mit“, sagte Koßmehl.

Das gilt übrigens auch für alle anderen, die Lust haben den Sonntag als Statisten auf dem Fußballplatz in Freihausen zu verbringen. Sie sollten die Vereinsfarben von Gretzing tragen, die sind Rot und Gelb und möglichst ein zweites Outfit in Blau und Silber dabeihaben. Benötigt werden die Leute ab 9 Uhr.

Filmdreh in Freihausen

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