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Energiewende

Politik und Wind spielten nicht mit

Der Windpark Berching ist seit drei Jahren in Betrieb. Mit dem Ergebnis sind die Betreiber nicht ganz zufrieden.
Von Dagmar Fuhrmann

Derzeit konkurriert auf der Hochfläche blühender Raps mit Windrädern.
Derzeit konkurriert auf der Hochfläche blühender Raps mit Windrädern. Foto: Fuhrmann

Berching.Der Windpark Berching ist inzwischen seit gut drei Jahren in Betrieb. Seitdem hat die Firma Windpower, die den – damals als Vorzeigeprojekt titulierten – Windpark errichtet hat, Erfahrungen mit dem Standort gesammelt. Unter anderem auch die Erfahrung, dass Bayern seine eigene Politik in Bezug auf Windräder betreibe. Für neue Anlagen sei es so gut wie ausgeschlossen sei, eine Genehmigung zu bekommen, wie der Geschäftsführer der Firma Windpower, Hans Lenz im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Der bayerische Weg der 10-H-Regelung wurden jetzt vom obersten bayerischen Verwaltungsgericht bestätigt.

Die sieben Anlagen der Firmen Windpower und Max Bögl als Mitinvestor erzeugen laut Lenz im Durchschnitt pro Jahr 46 Millionen Kilowattstunden Strom, das reiche aus, um 40 000 Menschen mit Strom zu versorgen. Zufrieden sei er mit diesem Ergebnis nicht, es sei unterdurchschnittlich. Als Grund hierfür nennt Lenz die Windverhältnisse, sie seien seit 2009 europaweit sehr schlecht. Einen Grund hierfür kann Lenz nicht nennen. Er hofft jedenfalls nicht, dass es etwas mit der Klimaerwärmung zu tun habe.

Auch Positives weiß Lenz zu berichten. Der bayerische Windstrom werde zentral über einen Direktvermarktungspartner gehandelt, der einen maximalen Wert erziele. Windstrom aus Bayern sei wertvoller als der aus Sachsen. Die Begründung leuchtet ein: In Bayern wird gegenüber dem Norden der Strom zeitversetzt produziert und kann somit Zeiten abfangen, in denen nen aus dem Norden kein Strom kommt. Noch seien nämlich die Netze nicht vorhanden, um den zeitweise massenhaft anfallenden Strom in den Süden zu transportieren, daher seien die bayerischen Windräder ein gewisser Puffer.

„Der Netzausbau ist unfassbar teuer“, sagt Lenz und solange der noch nicht stattgefunden hat, würden im Norden bei zu viel Wind die Netze abgeregelt, der Strom müsse aber trotzdem teuer vergütet werden. „Umso umverständlicher ist es, dass die Staatsregierung dieser Entwicklung einen Knieschuss erteilt hat“, sagt Lenz und meint damit die 10-H-Regelung. Nur in Bayern sei diese Forderung Gesetz. „Alle Experten waren dagegen“, sagt Lenz. Es werde mit 10-H nur sehr schwer sein, den Wegfall der Atomenergie zu kompensieren, diese hätten in Bayern fast die Hälfte des gesamten verbrauchten Stroms produziert.

Auch wenn das Ergebnis des Windparks bisher noch nicht optimal sei, so habe er doch schon viel für das Klima getan. Die eingesparte Braunkohle könnte Züge von 32 Kilometer Länge füllen. Auch finanziell habe sich der Windpark für die Stadt Berching bereits gelohnt, 180000 Euro seien in die Stadtkasse geflossen, hinzu kommen Nutzungseffekte für die Wege und den Breitbandausbau. Durch die Vorarbeit würden der Stadt hierfür 100000 Euro erspart, auch an private Grundstücksbesitzer sei Geld geflossen.

An die Anleger sei hingegen noch nichts ausgeschüttet worden, das hänge mit der Verzögerung bei der Fertigstellung im Umspannwerk zusammen, die eine Verzögerung bei der Volleinspeisung zur Folge hatte.

Neuprojekte seien nicht mehr möglich, es lägen aber noch zwei Altanträge vor, die nach Lenz Ansicht genehmigt werden müssten. Hiermit beschäftigten sich bereits die Gerichte. Eines von diesen Windrädern soll auf der Hochfläche bei Berching gebaut werden.

Die Begründung für die Ablehnung sei die, dass die Anlagen mit einer seismologischen Messstation nicht verträglich seien. Nachvollziehen kann Lenz diese Begründung nicht: „Durch eine schalttechnische Entkopplung könnte man die Einwirkung des Windrades auf die Anlage reduzieren.“ Außerdem habe es ursprünglich eine positive Stellungnahme der entsprechenden Behörde gegeben, die damals akzeptiert worden sei.

In der Frage der seismologischen Erdbebenstation stehen sich offenbar die Ansichten zweier Gutachter gegenüber. Das teilt Thomas Luft vom Landratsamt Neumarkt unserer Zeitung auf Anfrage mit. Die beiden Gutachter seien sich unter anderem darin uneinig, ob es tatsächlich möglich ist, die Einwirkung auf die Erdbebenmessstation zu entkoppeln. Nun wird zunächst geprüft, ob naturschutzrechtliche Bedenken gegen das Vorhaben bestehen. Sollten diese ausgeräumt sein, wird das Gericht einen dritten Gutachter beauftragen, der Einwirkung auf die Erdbebenmessstation prüfen soll. Erst wenn dieses Gutachten vorliegt und naturschutzrechtliche Bedenken ausgeräumt sind, werde über den Antrag weiter entschieden.

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