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Leben

Spitalstiftung bezuschusst das Essen

Es geht um „Essen auf Rädern“ – und genau das hat in Berching so seine Tücken. Der Krankenpflegeverein stellte einen Antrag.
Von Markus Rath

Franz Brandl von der Nachbarschaftshilfe übernimmt die verpackten Speisen aus der Küche des Caritas Seniorenheims. Der Service wird in Berching in Zusammenarbeit mit der Caritas-Sozialstation Neumarkt angeboten. Foto: Gerlinde Delacroix
Franz Brandl von der Nachbarschaftshilfe übernimmt die verpackten Speisen aus der Küche des Caritas Seniorenheims. Der Service wird in Berching in Zusammenarbeit mit der Caritas-Sozialstation Neumarkt angeboten. Foto: Gerlinde Delacroix

Berching. „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ So lautet eine Zeile des Vater unsers. Doch was ist, wenn Alter und Gebrechlichkeit dazu führen, dass buchstäblich nur noch Brot auf den Tisch kommt, weil ein Mensch nicht mehr selbst kochen kann und auch niemanden hat, der ihn mit einer warmen Mahlzeit versorgt?

Kein Problem, er bestellt „Essen auf Rädern“. Damit dies in Berching auch so bleibt, hat der Sozialausschuss jetzt auf Antrag des Krankenpflegevereins einstimmig beschlossen, jedes Essen mit 1,50 Euro aus den Erträgen der Spitalstiftung zu bezuschussen.

Haken bei der Sache

Hintergrund: Der Haken bei der Sache liegt am Wohnort. Denn wie in vielen anderen Bereichen auch, sind die gewerblichen Anbieter darauf angewiesen, dass sie die Kosten für Personal, Fahrzeuge und das Essen erwirtschaften und dann noch Gewinn erzielen. Dies funktioniert am besten dann, wenn in kurzer Zeit möglichst viele Kunden beliefert werden.

Grill- und Zeltplatz in Breitenfurt

  • Projekt:

    Die Stadt investiert 300 000 Euro in einen öffentlichen Grill- und Zeltplatz auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Breitenfurt. Errichtet werden ein Hauptgebäude für sanitäre Anlagen und einem Lagerraum sowie Unterständen mit Feuer- und Grillstellen. Der Platz wird mit 120 000 Euro durch LEADER bezuschusst.

  • Zeitplan:

    Die Ausschreibung ist erfolgt. Die Arbeiten sollen im Juni vergeben werden. Parallel wird der Platz für das kommende Jahr beworben.

  • Nutzung:

    Zielgruppe sind Jugendzeltlagergruppen, Pfadfinder, Ministranten und Radwanderer. Aber auch den örtlichen Vereinen, Privatpersonen und für Schulentlassfeiern soll die Einrichtung zur Verfügung gestellt werden. Die Gebühren und die Spielregeln für die Benutzung regelt eine Platzordnung, die der Sozialausschuss einstimmig beschlossen hat.

  • Platzwart:

    Die Stadt wird für die Saison einen Platzwart einstellen, der den Betrieb auf dem Zeltplatz betreut und die An- und Abreise regelt.

Keine privaten Anbieter

Weil diese Parameter aber in einer ländlichen Stadt wie Berching mit vielen Ortsteilen nicht gegeben sind, wurde dies von privaten Pflegediensten nicht angeboten. Deshalb hat anfangs die Nachbarschaftshilfe diesen Service übernommen. Inzwischen ist die Caritas-Sozialstation Neumarkt, die vom Krankenpflegeverein finanziell gefördert wird, federführend. Sie wird dabei weiter von der Nachbarschaftshilfe unterstützt, die vor allem am Wochenende und an Feiertagen den Fahrdienst übernimmt.

Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich und Geschäftsleiter Reinhard Buchberger besprechen die Planung für den Zeltplatz. Foto: Markus Rath
Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich und Geschäftsleiter Reinhard Buchberger besprechen die Planung für den Zeltplatz. Foto: Markus Rath

Trotzdem ist es laut Gerhard Binder, Stadtrat und Vorsitzender des Krankenpflegevereins, nicht möglich, das Essen zu einem Preis anzubieten, der auf dem Markt üblich ist und von den Menschen bezahlt werden kann. Der liegt aktuell bei 8,50 Euro, der Einkaufspreis beim Caritas Seniorenheim in Berching liegt bei 4,50 Euro. Dafür gibt es ein komplettes Menü mit Suppe und Nachtisch. Insgesamt werden in Berching aktuell 5000 Mahlzeiten pro Jahr verteilt. Dem Antrag des Krankenpflegevereins ist zu entnehmen, dass die Sozialstation die Fahrer nach Tarif bezahlt. Zudem erhalten sie eine Fahrtkostenentschädigung in Höhe von 30 Cent pro Kilometer.

Finanzieller Kraftakt

Binder: „Die soziale Dienstleistung ‚Essen auf Rädern‘ ist in der Großgemeinde ein finanzieller Kraftakt. In der bayernweit zweitgrößten Flächengemeinde müsse die Sozialstation zusammen mit der Nachbarschaftshilfe oftmals zwei Fahrer einsetzen, um sowohl den östlichen als auch den westlichen Berg zeitnah mit warmen Essen versorgen zu können. Ohne finanzielle Unterstützung müsse der Service künftig auf die Ortsteile entlang der B299 beschränkt werden.

Tiefkühlkost zum Erwärmen

Wer außerhalb dieses Korridors wohne, könne nun noch einmal wöchentlich mit Tiefkühlkost zum Erwärmen versorgt werden. Geschäftsleiter Reinhard Buchberger befürwortete in seiner rechtlichen Beurteilung den Antrag. Maßgeblich sei der in der Stiftungssatzung festgelegte Stiftungszweck. Danach fördert die Stiftung die Altenhilfe und Wohlfahrtspflege. Der Stiftungszweck wird insbesondere unter anderem durch die Gewährung von Unterstützung an alte, arme oder in Not geratene Einwohner der Stadt Berching ohne Unterschied der Konfession erfüllt.

„Essen auf Rädern“

Dies sei dadurch gegeben, dass das Angebot „Essen auf Rädern“ erst ab einem Lebensalter von 70 Jahren in Anspruch genommen werden kann. Zudem lasse sich aus dieser Notwendigkeit schließen, dass die begünstigte Person aufgrund ihres Alters, einer Krankheit oder sonstiger misslicher Lebensumstände in Not geraten ist. Außerdem werde in der Präambel die Möglichkeit einer Zuwendung an die freien Wohlfahrtsverbände für die Altenhilfe (z. B. „Essen auf Räder“) explizit genannt. Buchberger übermittelte den Stadträten noch den Hinweis des Kämmerers Christian Rogoza, den Zuschuss jeweils auf die aktuelle Haushaltslage der Stiftung abzustellen.

Wie Buchberger unterstützte auch Bürgermeister Ludwig Eisenreich den Antrag. „Leider sind wir wegen der fehlenden Zinserträge nicht mehr so flexibel wie früher“, sagte er. Trotzdem besitze die Stiftung genügend Rücklagen, um den Zuschuss zu gewähren. Damit wies er auch den Einwand von Werner Stork zurück, der befürchtete, dass die Stadt mit diesem Zuschuss langfristig das Stiftungsvermögen aufzehre.

Besuch für Senioren

Zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix, die 2002 die Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen hatte, wies darauf hin, dass es in der heutigen Zeit nicht sein dürfe, dass nicht jeder, der Essen auf Rädern benötigt, versorgt werden kann. Viele ältere Menschen kämen mit der Tiefkühlkost nicht zurecht. „Noch mehr wert als das Essen zählt aber der tägliche Besuch“, sagte Josef Bogner, der als Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Neumarkt an der Abstimmung zu dem Thema nicht teilnahm. Delacroix ergänzte, dass sie selbst schon mehrmals Personen aus einer misslichen Lage befreit habe.

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