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Das Kamel bekommt keine Bonbons

Die Sternsinger in Berg haben einen tierischen Begleiter. Füttern müssen sie ihn nicht – dafür aber in viele Kameras lächeln.
Von Philipp Seitz

Wenn sich die Sternsinger aus Berg auf den Weg machen, begleitet sie seit einigen Jahren das Kamel der Familie Nießlbeck.
Wenn sich die Sternsinger aus Berg auf den Weg machen, begleitet sie seit einigen Jahren das Kamel der Familie Nießlbeck. Foto: Pfarrei

Berg.Florian Nießlbeck hat Karriere gemacht: Erst war der nun 13-Jährige das Kamel, heute ist er der König. Wenn die Sternsinger der Pfarrei Berg Ende Dezember im Neumarkter Münster ausgesandt werden, weicht das Tier aus Holz und Pappe ihm nicht von der Seite. Seit mittlerweile sieben Jahren geht das so. Das Kamel und die Sternsinger – in Berg gehört das untrennbar zusammen.

Begonnen hat alles mit einem Scherz: Der damals siebenjährige Florian wollte unbedingt bei den Sternsingern mitgehen – schließlich durfte das seine ältere Schwester Christina auch. Doch in der Pfarrei gilt eine Regel: Alle Sternsinger müssen mindestens in die vierte Klasse gehen. Zum Sternsingen war Florian deshalb noch zu jung. Doch der damalige Oberministrant Benedikt Zunner meinte scherzhaft: „Florian, Du gehst halt als Kamel mit.“

Pappkostüm mit Griffen

Noch heute ist das aus Holz und Karton gestaltete Kamel ein Blickfang. Foto: Seitz
Noch heute ist das aus Holz und Karton gestaltete Kamel ein Blickfang. Foto: Seitz

Das nahm der Junge wörtlich und beauftragte seine Eltern damit, für ihn ein Kamel-Kostüm zu basteln. Zwei Tage entwarf Florians Familie Pläne, schnitt Pappe und Holz für das Kamel und bemalte die einzelnen Teile. Die Mühen lohnten sich: Florian kam zur Sternsingeraussendung als Kamel – und um die ausgefallene Verkleidung dürfte ihn der ein oder andere König beneidet haben.

„Erst einmal waren alle überrascht und fanden es lustig“, erinnert sich Florian. In den Rücken des Kamels hatten seine Eltern ein Loch geschnitten und Handgriffe geklebt. So konnte Florian das Pappkostüm bequem tragen. „Schwer war es nicht“, erinnert er sich. An vielen Haustüren seien die Sternsinger gebeten worden, zusammen mit dem Kamel für ein Foto in die Kamera zu lächeln.

„Als Florian selbst als König mitgehen durfte, hat das Kamel Räder bekommen.“

Sabine Nießlbeck, Mutter von Florian

Heute ist Florian selbst Ministrant und schon erfahrener Sternsinger. Das Kamel hat er immer noch dabei. Seine Mutter Sabine Nießlbeck erzählt: „Als Florian dann Ministrant wurde und selbst als König mitgehen durfte, hat das Kamel Räder bekommen.“ Es steht seitdem auf einem Rollbrett und wird von den Sternsingern gezogen. Nützlich ist es auch für den Süßigkeitentransport: „Wir hängen die Tüten dann immer um den Hals des Kamels“, sagt Florian.

„Es gibt nicht viele Gruppen, die ein Kamel dabei haben. So ein Kamel habe ich bislang noch nirgends gesehen.“

Josef Meindl, Gemeindereferent in Berg

Einen Kamel-Bonus habe seine Gruppe aber nicht: Das Kamel hat an den Türen bislang keine eigene Futterration an Bonbons und Süßigkeiten bekommen. Doch die Aufmerksamkeit ist den Berger Sternsingern nach wie vor sicher. Gemeindereferent Josef Meindl betont: „Es gibt nicht viele Gruppen, die ein Kamel dabei haben. So ein Kamel habe ich bislang noch nirgends gesehen.“

Die ganze Familie ist im Einsatz

Immer dabei: Das Kamel darf bei den Einsätzen der Sternsinger nicht fehlen. Foto: Pfarrei
Immer dabei: Das Kamel darf bei den Einsätzen der Sternsinger nicht fehlen. Foto: Pfarrei

Auch zur bundesweiten Auftaktveranstaltung der Sternsinger in Neumarkt wollen es die Berger Messdiener mitnehmen – außer, wenn es regnet. Dann lässt Familie Nießlbeck das Kamel lieber in der heimischen Garage, denn das Kamel aus Pappe verträgt den Regen nicht so gut. Florian freut sich schon auf seinen Einsatz: „Das macht mir Freude, vor den Häusern zu stehen und den Spruch aufzusagen.“ Auch seine 15-jährige Schwester Christina und Mutter Sabine werden dann wieder im Einsatz sein.

Den Termin für das diesjährige Dreikönigssingen am 7. Januar haben sich die Nießlbecks schon früh in ihren Kalender eingetragen. Während des Sternsingens packt oft die ganze Familie mit an. Mutter Sabine kümmert sich um die Gruppe, während der Vater zu Hause schon für die hungrigen Könige kocht. Für die Familie ist das schon längst eine bewährte Tradition. Sohn Florian hat das Kamel schon hergerichtet. Eines ist aber klar: „Als König ist das noch viel schöner wie als Kamel.“

Was hat es mit dem Stern von Bethlehem auf sich und warum muss Postbauer-Hengs Bürgermeister im Januar ebenfalls als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen? Lesen Sie alles in unserem MZ-Spezial zu den Sternsingern.

Lesen Sie mehr: In der Weihnachtskrippe begleiten meist Kamele die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem. Doch Belege auf die Darstellung gibt es nicht.

Zum königlichen Auftritt gehört auch die richtige Ausstattung dazu:

Alle Informationen zur bundesweiten Aussendungsfeier der Sternsinger in Neumarkt lesen Sie hier.

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