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Geschichte

Kiste führt von Frankreich nach Berg

Das alte Stück tauchte auf einem Flohmarkt auf. Weil darauf der Name eines Soldaten stand, kam ein Student bis nach Hausheim.
von Hans Stepper

  • Eine kleine Delegation Hausheimer und Berger empfing den 25-jährigen Geschichtsstudenten Paul Cherrier (Mitte) im Ort am Kaltenbach. Fotos: Stepper
  • Auf der Holzkiste ist der Name des Gefreiten Siegert aus Berg bei Neumarkt zu lesen.
  • Eine kleine Delegation Hausheimer und Berger empfing den 25-jährigen Geschichtsstudenten Paul Cherrier (Mitte) im Ort am Kaltenbach. Fotos: Stepper

Hausheim.Mit Unterlagen und dem Foto von einer Holzkiste ist der 25-jährige französische Geschichts-Student Paul Cherrier nach Berg und Hausheim gekommen. Der Grund: Auf der Kiste ist der Name des Gefreiten Siegert zu lesen, und zwar mit dessen Postadresse Hausheim 25, Berg bei Neumarkt/Oberpfalz.

Cherrier hat vor drei Jahren elf Monate lang an der Universität Augsburg studiert. Dabei hat er die deutsche Sprache gelernt und die bayerische Kultur entdeckt. Er ist direkt an den Landungsstränden aufgewachsen, wo 1944 die Schlacht um die Normandie war. Beim Treffen mit Bürgern aus Berg und Hausheim erklärte er, dass er sehr viele Artikel und deutsch-französische Übersetzungen über diesen Zeitraum schreibe. Er sei froh, den Kontakt zu deutschen Veteranen und deren Familien entwickelt zu haben.

Typische Ausrüstung aus dem Krieg

„Ich bin eigentlich kein Sammler aus dieser schrecklichen Zeitepoche. Aber vor drei Jahren hat mir eine ältere französische Frau eine beschädigte Holzkiste – eine typische französische Ausrüstung im Blitzkrieg 1939-40 – gegeben“, sagte Paul Cherrier.

Wie Paul Cherrier im Gespräch weiter sagte, sei nach der französischen Niederlage eine Menge französischer Material von den Besetzern erbeutet und wieder benutzt worden. Der Gedanke, etwas über den Gefreiten Siegert zu erfahren – zum Beispiel, ob er noch lebt – ließ den Geschichtsstudenten nicht mehr los. Er erzählte, wie er neugierig im Internet nach dem Namen Siegert aus Berg recherchiert habe. Dabei habe er den Namen von Manfred Siegert gefunden, der im Klinikum Neumarkt beschäftigt ist. Nach weiteren Recherchen kontaktierte er ihn: Im Sommer hat er ihm einen Brief geschrieben. „Wissen Sie etwas über den Soldaten? Wenn ja, gehörte er zu Ihrer Familie und haben Sie weiter Infos über ihn?“, fragte der Franzose. Beendet hat er sein Schreiben mit dem Satz: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“

Siegert informierte wiederum seinen geschichtsinteressierten Schwager, den früheren langjährigen Gemeinderat Helmut Klein. Er brachte schließlich die Geschichte ins Rollen – und einiges in Erfahrung über den damaligen Gefreiten Siegert, der aus dem Nachbarort Hausheim stammte. Klein stöberte in alten Akten der Gemeinde Berg. Per Email teilte er Cherrier mit, dass es sich bei dem Gefreiten Siegert um einen Hans Siegert handle. Er sei 1921 in Fürth geboren und als kleiner Junge nach Hausheim gekommen. Im Haus Nummer 25 der „Luttergramerin“ sei er aufgezogen worden. Nach der Schulzeit, dem Krieg und dem Studium sei Siegert nach Ingolstadt gezogen. Später habe der Weg von Dr. Hans Siegert nach München geführt, wo er 1956 auf dem dortigen Waldfriedhof beerdigt worden sei.

Der Name Hans Siegert sei sogar im Kriegerdenkmal des Orts eingemeißelt und stehe auch auf dem Grabstein der Eltern. Bei den Nachforschungen wurde Klein vom Hausheimer Zimmerermeister Michael Thumann, vom SRK-Schriftführer Peter Dörfler und vom SRK-Vorsitzenden Johann Marx besonders unterstützt.

Der Germanistik-Student Cherrier wollte allerdings auch noch wissen, wo der ehemalige Gefreite Siegert seine Kinder- und Jugendzeit sowie die weiteren drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbracht hat. Deshalb hat er auf seiner Reise nach Würzburg, wo er Bekannte besucht hat, einen Stopp in Berg und Hausheim eingelegt. Nach einem bayerischen Mittagessen im Lindenhof, besichtigte er in Berg die St.-Vitus-Kirche und das Kriegerdenkmal. Dann fuhren Klein und Siegert mit ihm ins drei Kilometer entfernte Hausheim.

Besuch beim Kriegerdenkmal

Das Haus, in dem Hans Siegert aufgewachsen ist, gibt es nicht mehr. Doch die Gruppe fuhr zum Hausheimer Friedhof zum Kriegerdenkmal und besichtigte die Dorfkirche St. Peter und Paul. Anschließend gab es ein Gespräch mit Hausheimer und Berger Bürgern im Gasthaus Zum Ross. Klein überreichte nach einem herzlichen „Au revoir“ und einem freundschaftlichen „Auf Wiedersehen“ eine Chronik der Gemeinde Berg und das 2008 erstellte „Ehrenbuch der Kriegerkameradschaft Berg“.

Die Holzkiste, um die es letztendlich ging, hat Cherrier allerdings einem Museum vermacht. Deshalb konnte er sie nicht mit nach Hausheim bringen. Der Kontakt solle allerdings nicht abreißen, da waren sich alle einig. Eine Idee hat Helmut Klein im Hinterkopf: „Vielleicht machen die Beteiligten aus Berg und Hausheim einmal eine Reise zu den Kriegsschauplätzen der Normandie, wo französische und deutsche Soldaten zu Erzfeinden wurden, zweieinhalb Jahrzehnte später aber Franzosen und Deutsche zu Freunden wurden“.

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