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Gesellschaft

Berngau geht als Vorbild voran

Ein bundesweiter Preis setzt einen Höhepunkt im Veränderungsprozess der Gemeinde. Und es gibt weitere Ideen für die Zukunft.
Von Eva Gaupp

Sie packen alle in Berngau mit an - von der Schulleitung über den Bürgermeister bis zum Vertreter der Städtebauförderung. Foto: Gaupp
Sie packen alle in Berngau mit an - von der Schulleitung über den Bürgermeister bis zum Vertreter der Städtebauförderung. Foto: Gaupp

Berngau.Berngau ist eine ganz besondere Gemeinde. Darin waren sich beim Pressetermin am Freitag alle Beteiligten einig. Doch an diesem Morgen haben sich Protagonisten nicht einfach auf die Schulter geklopft, weil Berngau mit dem ersten Preis eines bundesweiten Städtewettbewerbs ausgezeichnet worden ist. Alle Beteiligten wirkten glücklich darüber, Teil etwas wirklich Großen zu sein, Anteil daran zu haben, dass sich die Gemeinde Berngau positiv weiterentwickelt – und zwar zusammen, gemeinsam.

Unter der professionellen Anleitung des Möninger Schreiners Markus Hirsch und des Münchner Architekts Max Zitzelsberger entstanden ein erster Tisch und ein Hocker. Foto: Max Zitzelsberger
Unter der professionellen Anleitung des Möninger Schreiners Markus Hirsch und des Münchner Architekts Max Zitzelsberger entstanden ein erster Tisch und ein Hocker. Foto: Max Zitzelsberger

„Den Menschen wird nicht einfach etwas übergestülpt, sondern es wird etwas mit den Bürgern entwickelt“, fasste es Gemeindeentwickler Dr. Klaus Zeitler zusammen. Deshalb müssten eigentlich noch 40 bis 50 weitere Personen mit am Tisch sitzen, die sich in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Projekten mit eingebracht hätten. „Das macht Berngau so faszinierend.“

Ergebnis von zehn Jahren Arbeit

In der Tat ist der Preis des Bundesinnenministeriums beim Wettbewerb „Menschen und Erfolge – Lebenswerte Stadt- und Ortskerne im ländlichen Raum“ der Lohn für rund zehn Jahre harte Arbeit. Die ließ Bürgermeister Wolfgang Wild bei der Gelegenheit kurz Revue passieren.

Mit der Idee für eine zeitgemäße Jugendarbeit sei damals der Grundstein für das heutige Generationennetzwerk gelegt und die Stelle der Generationenmanagerin geschaffen worden, sagte Wild, der 2008 zum ersten Mal in das Amt des Bürgermeisters gewählt worden war. Kein einfaches Unterfangen, stießen die Vorstellungen doch zunächst an allen Stellen nur auf Ablehnung. Inzwischen hat sich das Netzwerk zu einer Keimzelle der Erneuerung entwickelt, aus der unter anderem ein neuer Jugendtreff, das vielseitige Nutzungskonzept des Lukas-Anwesens und die Erkläranlage entstanden sind.

Fazit

Ideenwerkstatt war ein voller Erfolg

Die Berngauer haben viele Anregungen für die neue Ortsmitte eingebracht. Jetzt muss der Gemeinderat Prioritäten setzen.

Josef Kagerer von der Regierung der Oberpfalz gab schmunzelnd zu, dass auch die Mitarbeiter der Städteförderung etwas dazu gelernt hätten. „In Berngau gibt es eine außergewöhnliche Bürgerbeteiligung – und außergewöhnliche Förderanträge. Was eine Erkläranlage ist, musste ich mir auch erst einmal erklären lassen“, erzählte er anerkennend. Was die Behörde letztlich überzeugt habe, seien die Ergebnisse. Und deshalb findet sich das Vorgehen Berngaus als vorbildhaft auf den ersten Seiten eines neuen staatlichen Leitfadens für Bürgerbeteiligung.

Lebenshilfe als fester Partner

Aktive Mitglieder des Generationennetzwerks sind die Volksschule und die Lebenshilfe. „Berngau ist eine der wenigen Gemeinden, die ich kenne, die den Gedanken der Inklusion begreift“, sprach Cliff Ründinger-Härlin ein großes Lob aus. Der Begriff der Inklusion werde häufig genutzt, doch um Menschen mit Handicap eine wirkliche Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen, brauche es einen gesellschaftlichen Wandel. Es reiche nicht, ein Kind mit Downsyndrom in einen Morgenkreis zu setzen, so der Leiter des Privaten Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Die Gesellschaft in Berngau ist bereit, diesen Gedanken zu leben.“

Projekt

Gemeinsam den Holzzaun gebaut

Jugendliche sägten und bohrten für die Erkläranlage.

Das jüngste Beispiel: ein Tisch und ein Hocker aus Holz. Nicht ohne Grund hatten sich die Teilnehmer der Pressekonferenz daran niedergelassen. Denn der Prototyp ist als Gemeinschaftsaktion von Kindern der Lebenshilfe mit Neuntklässlern der Mittelschule Berngau entstanden. Das Mobilar ist für die Erkläranlage bestimmt, die zum einen ein grünes Klassenzimmer werden soll, auf das sich schon Schulleiterin Martina Jacob freut.

Bürgermeister Wolfgang Wild hat die Möbel schon mal getestet, bevor sie in die „Serienproduktion“ gehen. Foto: Zitzelsberger.
Bürgermeister Wolfgang Wild hat die Möbel schon mal getestet, bevor sie in die „Serienproduktion“ gehen. Foto: Zitzelsberger.

Zum anderen darf sie aber auch von allen Berngauern gerne frei genutzt werden. Die Zusammenarbeit der Partnerklassen vom Höhenberg und Berngau genießt bei den Schülern eine solche Wertschätzung, dass Martina Jacob und Cliff Rüdinger-Härlin am Freitag kurzerhand beschlossen haben, dass auch alle weiteren 15 Tische und 30 Hocker gemeinsam zu produzieren. Dank der Unterstützung der Zimmerei Hirsch aus Möning und der professionellen Begleitung des Münchner Architekten Max Zitzelsberger dürfte das kein Problem sein.

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Der Preis

  • Thema:

    136 Initiativen aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich an dem Wettbewerb „Menschen und Erfolge – Lebenswerte Stadt- und Ortskerne in ländlichen Räumen“ des Bundesinnenministeriums beteiligt.

  • Auszeichnung:

    Die Gemeinde Berngau erhielt einen 1. Preis in der Kategorie „Rahmen schaffen – Unterstützung geben“.

  • Vorbild:

    Berngau ermöglicht Freiräume für bürgerschaftliches Engagement und unterstützt dieses durch seine Generationenmanagerin.

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