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Wie der ÖPNV das Land erobern kann

Wo wenige Menschen auf großer Fläche leben, stößt der Verkehr mit Bus und Bahn schnell an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit.
Von Wolfgang Endlein

Armin Deß nimmt die S-Bahn für den Weg in die Arbeit.
Armin Deß nimmt die S-Bahn für den Weg in die Arbeit. Foto: Endlein

Berngau.Wenn Armin Deß am Morgen gegen 7.18 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof aus der S-Bahn aussteigt, ist er nicht allein. Hunderte Menschen strömen auf den Bahnsteig, als sich die Türen der S3 aus Richtung Neumarkt öffnen. „Die wenigsten fahren mit Bus und Bahn wegen eines grünen Herzens, wenn wir realistisch sind“, glaubt der Berngauer, der seit zwölfeinhalb Jahren mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nach Nürnberg pendelt. Für Deß sind es praktische Gründe, warum er Bus und Bahn nimmt: „Es ist günstiger und dauert nicht länger“.

Tatsächlich liegt Berngau für einen Nürnberg-Pendler nicht schlecht angebunden an das ÖPNV-Netz. Die Neumarkter Stadtbusse bedienen auch Berngau, die S-Bahn und der Regionalexpress erreichen Nürnberg in 35 beziehungsweise 25 Minuten.

ÖPNV passt nicht für jeden

Dass der ÖPNV in einem dünn besiedelten Flächenlandkreis wie dem Neumarkter aber auch seine Grenzen hat, das muss Deß selbst im gut angebundenen Berngau erfahren. Abends muss er sich sputen, der letzte Bus vom Bahnhof in Neumarkt nach Berngau gehe um kurz nach 18 Uhr, sagt Deß.

„Es passt nicht immer für jeden“, sagt auch Isabel Meier, am Landratsamt zuständig für den ÖPNV, mit dem laut einer Studie von 2002 rund sieben Prozent der täglich anfallenden Wege im Landkreis zurückgelegt werden. Sie bezieht dies zwar speziell auf den Rufbus und dessen Taktung, aber die Aussage lässt sich auch allgemein auf den ÖPNV in einem Flächenlandkreis wie dem Neumarkter übertragen. Dem Wunsch, den Menschen Mobilität mit dem ÖPNV anzubieten – Kreisentwicklungschef Michael Gottschalk spricht hier von Daseinsfürsorge – steht auch immer die Frage gegenüber: Rechtfertigt der Nutzen die Kosten? Sprich, gibt es genügend Personen, die mit Bus oder Bahn fahren?

Das flexible System der Rufbusse soll dabei helfen, die Balance zu schaffen. 2015 fuhren mit ihnen 28 349 Fahrgäste. Meier schätzt die Entwicklung des mit 15 Linien flächendeckenden Systems als gut ein. Sich selbst tragen wird es aber wohl nie. Der Landkreis wird 150 000 bis 180 000 Euro pro Jahr ausgeben müssen, damit Menschen ohne eigenes Auto, allen voran Senioren, mobil sein können.

Langer Atem ist gefragt

Das System ist aber flexibel, so dass es künftig noch andere Fahrgastgruppen anlocken könnte. Auch auf Pendler könne man bei Interesse eingehen, sagt Isabell Meier mit Blick auf einzelne Linien im Landkreis, wo dies bereits der Fall ist. Andernorts wurden derartige frühe Fahrten hingegen nicht angenommen. Woran das liegt? „Wo Rufbusse Hauptbuslinien ersetzt haben, ist oft die Nutzung besser. Wo früher kein Bus gefahren ist, sind die Menschen daran gewöhnt, das Auto zu nehmen“, sagt Meier.

Angebote zur Verfügung zu stellen, ist also das eine, die Menschen aber auch dazu zu bringen, ihre Gewohnheiten zu überdenken und möglicherweise zu ändern, das andere. „Man braucht einen langen Atem“, sagt Gottschalk. An Angeboten mangelt es nicht. S-Bahn, Regionalbahn und -express halten im Landkreis, 40 Bushauptlinien, 15 Rufbuslinien, eine Anrufsammeltaxi-Linie, sechs Nachtbuslinien und drei Freizeitlinien fahren kreuz und quer durch ihn.

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