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Einzelhandel

Edeka in Breitenbrunn öffnet wieder

Nach der Schließung von Edeka-Geitner fehlte in Breitenbrunn eine Einkaufsmöglichkeit. Jetzt gibt es einen neuen Betreiber.
Von Markus Rath

Fitim Thaqi (links) steckt mit seinem Bruder Fatjan, der bei ihm als Azubi anfangen wird, mitten in den Umbauarbeiten für den neuen Markt. Foto: Rath
Fitim Thaqi (links) steckt mit seinem Bruder Fatjan, der bei ihm als Azubi anfangen wird, mitten in den Umbauarbeiten für den neuen Markt. Foto: Rath

Breitenbrunn.„Wenn wir weiter auf die Erbengemeinschaft gewartet hätten, wäre es mit einer neuen Einkaufsmöglichkeit vor Ort sicher nichts geworden.“ Mit diesen Worten lobt CSU-Marktrat Albert Braun den Breitenbrunner Bürgermeister Johann Lanzhammer. Dieser habe sich enorm dafür eingesetzt, eine Nachfolgeregelung für den seit Dezember geschlossenen Edeka-Geitner zu finden. Lanzhammer selber spricht von einem Glücksfall, den der Hamberger Unternehmer Markus Ernsberger und der aus dem Kosovo stammende Fitim Thaqi der Gemeinde Breitenbrunn beschert haben.

Sie haben gemeinsam am 3. Mai die Verbrauchermarkt Breitenbrunn GmbH gegründet, die unter der Geschäftsführung von Thaqi einen nah&gut-Markt im ehemaligen Edeka-Gebäude eröffnen wird. Dazu wurde das Gebäude gepachtet. Der Laden wird aber nicht wiederzuerkennen sein. Thaqi: „Wir haben die komplette Einrichtung, beginnend bei der Metzgereitheke bis hin zu den Regalen und der Beleuchtung erneuert.“ Fünf Container des alten Geitner-Inventars seien bereits entsorgt worden, weitere werden wohl noch folgen.

Start spätestens am 1. August

„Wir sind damit selbstständige Kaufleute, die von der Edeka-Gruppe beliefert werden“, sagt der 24-Jährige, der mit seiner Frau und der vier Monate alten Tochter in Breitenbrunn wohnt und zur Zeit noch als Filialleiter der Netto-Märkte Beratzhausen und Nittendorf fungiert. Unterstützt wird Thaqi bei seinem Projekt von acht Mitarbeitern: „Mein Bruder wird als Azubi anfangen, meine Mutter als Aushilfe.“ Außerdem werden vier Teilzeitkräfte und zwei weitere Aushilfen eingestellt. Seine Frau sei momentan noch in Elternzeit und werde später möglicherweise noch dazukommen.

Der neue Laden

  • nah & gut:

    Eigenständige Kaufleute, die vor allem in ländlichen Regionen eine wohnortnahe Versorgung bieten, firmieren unter der Edeka-Bezeichnung nah & gut.

  • Angebot:

    Die kleinen Vollsortimenter wie der neue Markt in Breitenbrunn sind auf den täglichen Bedarf ausgerichtet und setzen auch verstärkt auf regionale Produkte.

  • Sortiment:

    Rund 3500 Artikel werden angeboten. Der Markt wird von der Edeka-Gruppe beliefert und bei der Werbung unterstützt, ist jedoch in der Auswahl seiner Produkte frei.

  • Lieferservice:

    Als besonderen Leistung wird den Kunden das Schleppen von Getränkekisten erspart. Gegen einen geringen Aufschlag liefert Thaqi Getränke ins Haus.

Auf rund 700 Quadratmetern sollen spätestens ab 1. August rund 3500 Artikel und damit mehr als das dreifache des bisherigen Geitner-Sortiments angeboten werden. Zudem gebe es einen Getränke-Lieferservice für die Kunden, damit diesen künftig das Kistenschleppen erspart bleibt. Abgerundet wird das Angebot durch die Metzgerei inklusive Heißer Theke mit Produkten der Südbayerische Fleischwaren GmbH aus der Edeka-Unternehmensgruppe und einer Bäckerei. Wer hier als Lieferant fungiert, ist laut Thaqi allerdings noch nicht entschieden.

Cäcilia Geitner gab den Laden auf

Cäcilia Geitner hatte den EDEKA-Markt in Breitenbrunn bis zum Jahresende als Inhaberin geführt. Foto: Rath
Cäcilia Geitner hatte den EDEKA-Markt in Breitenbrunn bis zum Jahresende als Inhaberin geführt. Foto: Rath

Doch wie ist es zu dem Glücksfall für Breitenbrunn gekommen? Denn zum Jahresende sah es noch wenig rosig aus: Der Edeka-Markt Geitner schloss seine Pforten, weil die Inhaberin, Cäcilia Geitner, in Rente ging. Nach 48 Jahren im Berufsleben sei der Zeitpunkt gekommen, andere Prioritäten zu setzen, sagte sie damals. Sie wolle mit ihrem Lebensgefährten reisen, etwas von der Welt sehen. Das Wohnmobil warte abfahrtbereit. Auch die Gesundheit, vor allem der Rücken, habe unter der schweren Arbeit gelitten. Außerdem stünden als frisch gebackene Oma neue Pflichten für sie an. Geitner zeigte auch viel Verständnis dafür, dass die beiden Töchter kein Interesse haben, in den Familienbetrieb einzusteigen und die Tradition der Geitners in Breitenbrunn fortzuführen.

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Ein Nachfolger, der das Geschäft weiterbetreiben wollte, fand sich in vergangenen Jahr dann nicht, auch die konkreten Pläne der Regens-Wagner-Stiftung platzten, weil selbst der sozial engagierte Stiftung Umsatz und Gewinnerwartung zu gering waren. Geitner mutmaßte damals, ein Nachfolger müsse das Geschäft direkt übernehmen und fortführen. „Wenn einer erst wartet, bis alles leergeräumt ist, dann muss er zu viel investieren“, sagte sie. Das liege sicherlich auch daran, dass einiges im Laden getan werden müsste. „Wenn Sie wissen, dass in ein paar Jahren Schluss ist, dann investieren Sie nicht mehr in eine neue Fleisch- oder Wursttheke. Ich habe das Inventar halt in Schuss gehalten. Wenn etwas nicht mehr ging, wurde es repariert.“

Gemeinsame Idee verwirklicht

Doch dann kam Thaqi: „Ich trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mich im Einzelhandel selbstständig zu machen.“ Bisher habe er neben seiner Arbeit als Filialleiter bei Netto und vorher bei der Rewe-Gruppe in Nürnberg das Garten- und Landschaftsbauunternehmen des Vaters weitergeführt. Doch dieser Bereich sei ihm wegen der Schwierigkeit, gutes Personal dafür zu finden, zu problematisch und nicht lukrativ. Im Einzelhandel seien die Chancen besser. Außerdem kenne er sich dort besser aus. Deshalb sei die Tatsache, dass Cäcilie Geitner in Rente ging, für ihn eine sehr gute Gelegenheit.

„Seit der Verbrauchermarkt geschlossen hat, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man es möglich machen könnte, dass die Menschen hier wieder vor Ort einkaufen können, dass sie ihre Besorgungen wieder dort erledigen können, wo sie leben und wohnen“, erzählt er. Auch Markus Ernsberger habe sich mit diesem Gedanken beschäftigt. Durch Zufall hätten beide im April dann darüber gesprochen. Danach ging alles sehr schnell. „Wir haben die Planung angepackt und mit der Arbeit begonnen.“ Rund 300 000 Euro wollen er und Ernsberger investieren, um den Markt komplett neu zu gestalten. Sorgen, dass das Konzept nicht funktioniert hat er nicht. Breitenbrunn habe rund 5000 Einwohner, die es als Kunden zu gewinnen gilt. Edeka sei als Lieferant naheliegend, weil damit eine Tradition fortgesetzt werde.

Das Glück kaum fassen kann Lanzhammer, der die Hoffnung nie aufgegeben hat, dass sich in Breitenbrunn wieder eine Einkaufsmöglichkeit etablieren kann. Er unterstütze die Pläne von Ernsberger und Thaqi. Das Projekt könne möglicherweise auch über das Amt für ländliche Entwicklung gefördert werden. Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt worden.

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