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Gastronomie

Pächter für Hotel Post springt ab

Breitenbrunns Bürgermeister Lanzhammer hat sich zu früh gefreut. Das Traditionswirtshaus am Marktplatz bleibt ohne Wirt.
Von Markus Rath

Für den Gasthof zur Post wird weiter ein Pächter gesucht. Foto: Markus Rath
Für den Gasthof zur Post wird weiter ein Pächter gesucht. Foto: Markus Rath

Breitenbrunn.Bürger und Übernachtungsgäste müssen weiter auf den Gasthof zur Post verzichten. Denn anders als von Bürgermeister Johann Lanzhammer gemeldet, wird das Traditionswirtshaus am 1. Juni nicht wiedereröffnet. Der mögliche Pächter hat inzwischen abgesagt. Das bestätigte der Eigentümer Karl Ferstl dem Neumarkter Tagblatt. Damit bleibt das markante und prägende Gebäude am Marktplatz weiterhin ein Problemfall.

Die Misere begann kurz vor Weihnachten, als Dieter Jüngst und Ehefrau Heike sich entschieden, Breitenbrunn und die Oberpfalz zu verlassen und aus familiären Gründen in den Schwarzwald überzusiedeln. Rund sechs Jahren lang hatten der Koch aus Thüringen und seine Frau aus dem Schwabenland im ersten Haus am Marktplatz den Gästen regionale Gerichte aufgetischt. Sie schrieben damit eine Erfolgsstory und schufen aus einem innerörtlichen Problemfall ein schmuckes Lokal, das von der örtlichen Bevölkerung genauso geschätzt wurde wie von den Übernachtungsgästen. Radler, Kurzurlauber, Tillyfestbesucher aber auch Fernfahrer machten hier Station, die Post hatte einen festen Kundenstamm.

Jetzt droht der Zustand wie vor den erfolgreichen sechs Jahren mit der Familie Jüngst: Sieben Pächter hatten sich in den zehn Jahren davor in dem Lokal versucht, 18 Monate war es sogar komplett geschlossen. Jetzt hofft der Eigentümer, dass er einen Pächter findet, der das funktionierende Konzept der Familie Jüngst fortsetzt. Er will vor allem, dass die Post ein gut-bürgerliches Lokal mit regionaler Küche bleibt. Das sei auch der Wunsch der Gäste.

Koch mit Kapital gesucht

Ziel sei es, einen Koch oder Küchenmeister zu finden, denn „mit dem Essen und den Zimmern steht und fällt alles. Wer gut kochen kann, wird sich in Breitenbrunn auch behaupten können.“ Zudem sei für ihn wichtig, dass ein Pächter auch das notwendige Kapital für solch ein Unternehmen mitbringt. „Was hilft es mir, wenn jemand anfängt, der nicht einmal die ersten Lebensmittel ohne Kredit einkaufen kann?“, fragt Ferstl. Das sei dann sofort zum Scheitern verurteilt. Das mache auch die Brauerei nicht mit. Lange tat sich nichts Entscheidendes, erst Ende April schien sich eine Lösung anzubahnen. Ein neues Pächter-Paar werde seine Gäste mit regionalen Gerichten und Spezialitäten, unter anderem aus der fränkischen Küche, verwöhnen. Doch die Meldung, die Bürgermeister Johann Lanzhammer freudig kommuniziert hatte, war verfrüht.

Gasthof zur Post

  • Historie:

    Am 27. Dezember wurde der Gasthof zur Post erstmals urkundlich erwähnt. Der Bräu und Bürgermeister Hans Seiz nahm damals Michael Pettenkofer aus Berching als Lehrling an. Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1543.

  • Postexpedition:

    Am 8. Juli 1861 wurde eine Poststelle eingerichtet und 1867 in eine Postexpedition umgewandelt. Diese wurde 1930 in ein neues Gebäude verlegt.

„Der Bürgermeister will immer der erste sein, aber es macht keinen Sinn etwas zu veröffentlichen, solange die Verträge nicht unterschrieben sind“, sagte Ferstl zu der Falschmeldung aus dem Rathaus. Aber es sei nun mal nicht so einfach, einen geeigneten Pächter zu finden, der das Wirtshaus und den Hotelbetrieb in seinem Sinne weiterführt. Der letzte Interessent wäre zwar geeignet gewesen, hätte sich aber leider doch nicht zu dem Schritt entschlossen.

Doch warum hat es nicht geklappt. „Ich glaube, er hätte es sicher gewollt. Aber am Ende hat seine Partnerin nicht mitgezogen. Ihr war es wohl zu viel Risiko und sie war sich nicht sicher, ob die Arbeit zu zweit zu schaffen ist.“ Jetzt gehe die Suche weiter. Das Problem sei, dass gute Pächter im Normalfall ein gut gehendes Lokal führen und deshalb nur selten etwas Neues anfangen. Bestätigt wird Ferstl in dieser These durch die eigene Vergangenheit.

Letzte Chance auf eigenes Lokal

Auch die Familie Jüngst entschloss sich nur schweren Herzens, den Gasthof zur Post aufzugeben. Die Trennung vom erfolgreichen Betrieb und der Umzug hatten zum Teil sehr emotionale Gründe: In Villingen-Schwenningen leben der Sohn Marcel und die Tochter Isabelle, letztere hat nun selber Nachwuchs bekommen und die Großeltern zieht es einfach zum Enkelkind. Da kam die Chance, die Mühlenstube in Lauterbach (Landkreis Rottweil) zu kaufen, gerade recht. „Es ist die letzte Chance für uns, etwas Eigenes aufzubauen.“ Das Lokal sei ein Glücksfall: Kein Sanierungsobjekt, sondern ein gut laufender Betrieb, genau das, was die Familie Jüngst gesucht hatte.

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