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Freizeit

Tourismus-Verein vor dem Aus

Der Fremdenverkehrsverein dümpelt in Breitenbrunn nur noch vor sich hin. Ohne Urlaubsgäste fehlt ihm der Vereinszweck.
Von Markus Rath

Erika Martens, Gründungsmitglied des Fremdenverkehrsvereins, und der aktuelle Vorsitzende Bernd Heyn vor dem Barbara-Brunnen. Foto: Rath
Erika Martens, Gründungsmitglied des Fremdenverkehrsvereins, und der aktuelle Vorsitzende Bernd Heyn vor dem Barbara-Brunnen. Foto: Rath

Breitenbrunn.1951 gegründet ist der Fremdenverkehrsverein Breitenbrunn ein Relikt aus einer touristisch besseren Zeit. Denn während die Gemeinde in ihren Hochzeiten 1975 rund 59 000 Übernachtungen pro Jahr registrierte, sind davon 2018 nur noch gut 10 000 übrig geblieben. Und wie der Tourismus in der Gemeinde, ist der Verein schon mehr als zehn Jahre ein sterbender Patient, der schon 2013 vor der Vereinsauflösung stand. Sie wurde aber nicht vollzogen, weil zu wenige Mitglieder in die Versammlung kamen, die folglich nicht beschlussfähig war.

Damals ließ sich Bernd Heyn „auf der Straße dazu überrumpeln“, den Vorsitz zu übernehmen, um dem Patienten mit neuen Ideen Leben einzuhauchen. Doch es blieb beim frommen Wunsch. Die Jahre gingen ins Land und die einzigen Aktivitäten des Vereins waren die jährlichen Abbuchungen der Mitgliedsbeiträge. In zwei Vorstandssitzungen wurden zudem Zuschüsse für eine historische Broschüre von Kurt Martens und für das Tillydenkmal beschlossen. „Ich habe mich auch bei anderen Tourismusvereinen informiert, aber keine Vergleichsmöglichkeiten zu Breitenbrunn gefunden. Denn wer Übernachtungsgäste hat, besitzt auch die entsprechende Infrastruktur.“ Zudem sei es schwierig die Leute zu begeistern, wenn kein Druck dahinter ist, mit seinen Aktivitäten Geld zu verdienen.

Kaum noch Zimmervermieter

Eben so, wie es früher war. „Die Frauen haben damals alle nicht gearbeitet. Die Einnahmen aus der Vermietung von Privatzimmern waren damals ein willkommenes Zubrot“, erzählt Erika Martens, die Gründungsmitglied des Vereins ist.

Damals veranstaltete der Verein alle 14 Tage einen Heimatabend, 1962 wurde zudem das erste Freibad des Landkreises gebaut. 1963 war der Ort Bayernsieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Rund 130 Betten für Urlauber wurden allein von den Privatvermietern angeboten, dazu kamen noch mehrere Gaststätten. Heute gebe es neben den wenigen gewerblichen Übernachtungsbetrieben gerade noch elf Privatzimmervermieter.

Vereinsauflösung

  • Auflösungsversammlung:

    Mindestens zwei Drittel der Mitglieder müssen anwesend sein und von ihnen müssen zwei Drittel für die Auflösung stimmen.

  • 2. Versuch:

    Ist die erste Versammlung nicht beschlussfähig, wird sie vier Wochen später wiederholt. Bei diesem Termin gibt es keine Mindestteilnehmerzahl. Es reicht zur Vereinsauflösung die Zweidrittelmehrheit der Anwesenden.

Fast fünf Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, seit Heyn den Vorsitz übernahm. Seine berufliche Situation führte schon kurz nach der Wahl dazu, dass er nur noch an den Wochenenden in Breitenbrunn war. Dazu kam das fehlende Interesse der inzwischen alt gewordenen Mitglieder, unter denen Heyn mit seinen 58 Jahren zu den jüngsten zählt. Wie wenig Innovationskraft da ist, zeigt die letzte verbürgte Aktivität, die im Protokoll der Mitgliederversammlung 2014 festgehalten ist: Als Beitrag zum Ferienprogramm 2013 hielt Kurt Martens einen Vortrag ab, zu dem sogar einige Kinder und Erwachsene kamen. So ist es sicherlich kein Wunder, dass sich Heyn angesichts der Umstände weder selbst, noch die Mitglieder zu mehr Einsatz animieren konnte. Sei Fazit ist niederschmetternd: „Den Vorsitz zu übernehmen war einer meiner größten Fehler, weil ich nicht vom Fach bin. Die Reanimation war untauglich, weil sie kein Arzt vorgenommen hat.“

Fortbestand als Förderverein?

Als Konsequenz daraus hat nun die aktuelle Vorstandschaft entschieden, dem Leiden des Fremdenverkehrsvereins ein Ende zu bereiten und ihn aufzulösen. Heyn: „Noch im April wird es eine Mitgliederversammlung geben, bei der einzig die Vereinsauflösung auf der Tagesordnung steht. Damit diese erfolgen kann, müssen zwei Drittel der Mitglieder teilnehmen und von ihnen wiederrum zwei Drittel der Auflösung zustimmen. So ist es in der Satzung festgeschrieben.“

Gibt es noch einen Ausweg? Schließlich verfügt der Verein sogar über eine mit rund 5000 Euro gefüllte Kasse. „Ich halte es für möglich, dem Fremdenverkehrsverein eine neue Satzung zu geben und ihn als Förderverein für Breitenbrunn weiterzuführen. Dann wäre er für alle Bürger interessant“, sagt Heyn, der dabei auch an die Badefreunde denkt, die sich zuletzt als Fördergremium betätigt hätten. Dafür müsste sich aber auch ein engagierter Vorsitzender finden.

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