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Entsorgung

Wenn Erde auf einmal teurer Abfall wird

Breitenbrunn musste alle drei Erdaushubdeponien schließen. Jetzt wird versucht, wenigstens eine davon weiter zu betreiben.
Von Markus Rath

Die Deponie Langenthonhausen ist geschlossen. Die Gemeinde hofft allerdings, sie in Zukunft wieder eröffnen zu können. Foto: Markus Rath
Die Deponie Langenthonhausen ist geschlossen. Die Gemeinde hofft allerdings, sie in Zukunft wieder eröffnen zu können. Foto: Markus Rath

Breitenbrunn. Schon wer als Kind am Strand eine Burg baut, steht vor der Frage, was mit dem Material passieren soll, das beim Ausheben des Burggrabens anfällt. Hier ist die Lösung aber noch relativ einfach: Der übrige Sand wird mit Wasser vermischt und so zu stabilen Türmen und Mauern aufgehäuft. Oft muss man sogar noch weitere Gruben graben, um genügend Baustoff zu haben. Diese simple Vorgehensweise aus Kindertagen stimmt überraschend exakt mit dem Ideal des Kreislaufwirtschaftssystems überein: Alle Stoffe, die noch verwendet werden können, müssen auch genutzt werden. Nur, was absolut unbrauchbar ist, darf in einer Deponie abgelagert werden. Das heißt übertragen auf ein Neubauprojekt in der heutigen Zeit: Der Erdaushub, der anfällt, soll am besten auf dem Grundstück selbst für die Gartengestaltung verwendet werden. Doch nur selten ist es möglich, allen Erdausschub an Ort und Stelle zu verfüllen. Denn nicht für jedes Loch, das gegraben wird, gibt es in unmittelbarer Nähe eines, das geschlossen werden soll.

Karstgebiet: Deponien verboten

Muss das Erdreich aber in eine Deponie gebracht werden, fallen hohe Entsorgungskosten an, die durch lange Anfahrtswege noch steigen: Dies ist vor allem im Karstgebiet des Landkreis Neumarkts ein Problem, zu dem auch die Marktgemeinde Breitenbrunn gehört. Sie war, wie auch einige andere Kommunen des Landkreises, bereits 2009 aufgefordert worden, ihre Erdaushubdeponien in Langenthonhausen, Gimpertshausen und Kemnathen stillzulegen. Grund war die Deponieverordnung von 2009, die den Betrieb einer Deponie im Karstbereich grundsätzlich untersagt und für nicht genehmigungsfähig erklärt. Diese Stilllegung wurde nach Auskunft des Landratsamtes auch angezeigt, doch dann passierte nichts mehr. Der Betrieb ging einfach weiter, weil die Gemeinden von einer stillschweigenden Duldung des Landratsamtes ausgingen. Das berichtet eine Mitarbeiterin aus dem Sachgebiet Abfallwirtschaft. Erst nach einem Personalwechsel begann man dort im Verlauf von 2018 diese „Missstände aufzuarbeiten“. Damit waren auch in Breitenbrunn die paradiesischen Zustände, dass Erdaushub billig und ortsnah entsorgt werden konnte, zu Ende. Seit Mitte 2018 sind alle drei Deponien gesperrt. Die Bauwilligen haben damit ein teures Problem mehr.

Um diese Situation wieder zu verbessern, hat die Gemeinde die drei Deponien untersuchen und die bereits vorhandenen Ablagerungen beproben lassen. Bürgermeister Johann Lanzhammer informierte in der Sitzung des Gemeinderates am Montagabend, dass Kemnathen und Gimpertshausen auf keinen Fall weiterbetrieben werden können. In Gimpertshausen sei auch die Kapazitätsgrenze erreicht. Bei beiden Lagerstätten müsse die Gemeinde die Rekultivierung einleiten. Er empfahl daher allen, die Erdaushub entsorgen müssen, diesen zu beproben, um festzustellen, ob das Material für die Rekultivierung genutzt werden kann.

Wasser aus der Deponie

Anders verhält es sich mit Langenthonhausen. „Die Schürfungen sehen nicht schlecht aus, wir hoffen, dass wir die Genehmigung bekommen, die Deponie wieder zu öffnen. Aus dem Landratsamt heißt es, dass dies grundsätzlich möglich sei. Es müsse aber geklärt werden, ob der Untergrund wirklich aus Lehm besteht, wie von Lanzhammer angenommen, und ob dieser auch ausreiche. Wäre dies nicht der Fall, müsste eine künstliche geologische Barriere eingebaut werden, um zu verhindern, dass Wasser aus der Deponie ins Grundwasser gelangt und dieses verunreinigt. Lanzhammer macht aber auch deutlich, dass die Gebühren für die Anlieferung deutlich höher liegen werden als in der Vergangenheit. „Die Schürfungen kosten uns viel Geld, die billigen Zeiten sind vorbei“, sagte er. Deponien seien Einrichtungen der Gemeinde, die kostendeckend geführt werden müssen. Dazu gehöre auch die Nachsorge. Denn auch vor der Rekultivierung muss laut Landratsamt geprüft werden, ob für die Umwelt problematische Stoffe im abgelagerten Material vorhanden sind. Dementsprechend könne die Oberflächenabdeckung gewählt werden.

Weiher werden saniert

Der Weiher in Siegertshofen soll im Herbst ausgebaggert und von Schlamm und Schilf befreit werden.  Foto: Markus Rath
Der Weiher in Siegertshofen soll im Herbst ausgebaggert und von Schlamm und Schilf befreit werden. Foto: Markus Rath

Die Weiher in Breitenbrunn, Buch und Siegertshofen sollen im Herbst ausgebaggert und von Schlamm und Schilf befreit werden. Das kündigte Lanzhammer an. Außerdem sollen alle drei Weiher gestalterisch aufgewertet werden. Die Sanierung wird über die Leader-Förderung bezuschusst. Nach Auskunft von Bürgermeister Lanzhammer wurden inzwischen zwei Firmen zur Angebotsabgabe für die Beprobung und die Ermittlung der Schlamm-Menge in den drei betroffenen Weihern aufgefordert. Der wirtschaftlichste Bieter, die Firma Spotka aus Postbauer-Heng mit einer Angebotssumme von 2653 Euro brutto, wurde mit den Arbeiten betraut. Vom Ergebnis der Beprobung wird auch abhängen, wie teuer das Projekt insgesamt werden wird.

Sanierung der Mädchentoiletten

Bereits in den Pfingstferien haben die Abbruch- und Entkernungsarbeiten für die Sanierung der Mädchentoiletten in der Schule Breitenbrunn begonnen. Die Arbeiten werden in der kommenden Woche abgeschlossen. Der Regieauftrag wurde dafür an die Fa. Sippl Bau aus Dürn vergeben, nachdem ein weiterer Bewerber aus Zeitgründen absagen musste. Die Kosten belaufen sich auf rund 10 000 Euro. Die anschließenden Baumeisterarbeiten (ca. 10 000 Euro) sollen ebenfalls von der Fa. Sippl erledigt werden, da auch hierfür die weitere Bewerberfirma aus Zeitgründen absagen musste.

Für die Sanitärarbeiten liegen von zwei Firmen Angebote vor. Der wirtschaftlichere Bieter ist die Fa. Schröder aus Töging mit 16 900 Euro brutto. Das zweite Angebot beläuft sich auf rund 18 000 Euro. Weitere Kosten werden für Kabinen (ca. 5000 Euro), sowie für Fliesen und Malerarbeiten anfallen. Ebenfalls neu vergeben wurde der Glasfaseranschluss. Hier war das erste Angebot der T-Systems fehlerhaft und wurde verbessert. Die Kosten steigen von 52 824 Euro auf 55 843 Euro.Das Nachtragsangebot darf zur Verbescheidung eingereicht werden.

Kurz & knapp

  • Standort: Wer eine Deponie errichten will, braucht einen geeigneten Standort. Die Deponieverordnung schreibt vor, welche Ansprüche an den Untergrund gestellt werden.

  • Ablagerung: Die genehmigten Abfälle, zum Beispiel Erdaushub, werden kontrolliert eingebaut, bis das genehmigte Volumen verfüllt ist.

Stilllegung: In dieser Phase wird das Oberflächenabdichtungssystem installiert und abschließend die Stilllegung von der zuständigen Behörde festgestellt.

  • Nachsorge: Um sicher zu gehen, dass von der Deponie auch künftig keine schädlichen Umweltauswirkungen ausgehen, wird diese überwacht.

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