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Spendenaktionen

Das ist in Neumarkter Weihnachtspäckchen

Sterntaler, Geschenk mit Herz, Weihnachten im Schuhkarton: Die MZ durfte schauen, was Neumarkter für arme Kinder einpacken.
Von Nicole Selendt

Elisabeth Braun sammelt seit 2003 Päckchen für die Aktion
Elisabeth Braun sammelt seit 2003 Päckchen für die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton". Foto: Selendt

Neumarkt.Die Idee ist einfach: Man packt einen mittelgroßen Pappkarton voll mit Spiel-, Nasch- und Waschzeug und gibt ihn bei einer Annahmestelle ab. So kann sich ein bedürftiges Kind über ein Geschenk zu Weihnachten freuen. So oder so ähnlich gibt es das auch in Stadt und Landkreis Neumarkt. Die MZ hat bei den zahlreichen Annahmestellen nachgefragt, wie die Aktionen 2019 laufen und neben Erfreulichem auch Schockierendes erfahren.

Laut Johannes Schinagl von der Goldschmiede Rother werden die Aktionen „Sterntaler“ und „Schneeflocke“ der Bürgerstiftung gut angenommen. Bei der Geschenkaktion, bei der bedürftige Kinder oder Senioren aus Stadt und Landkreis einen Weihnachtswunsch aufschreiben dürfen, den ihnen dann jemand erfüllt, haben 189 Neumarkter einen Sterntaler oder eine Schneeflocke erworben. Sie kaufen nun den gewünschten Artikel, verpacken ihn als Geschenk, bevor er dann über den Leb-mit-Laden entsprechend verteilt wird.

Weihnachten

Päckchen für Kinder und Senioren

Ein Projekt der Bürgerstiftung: Nicht nur Jugendliche von Hartz IV-Eltern, sondern auch bedürftige Senioren werden beschenkt.

Auch die Aktion „Geschenk mit Herz“ läuft gut. Mehr als zehn Sammelstellen gibt es für die Aktion der Kaufbeurer Hilfsorganisation „humedica“ im Landkreis Neumarkt. Zum Beispiel den Kindergarten St. Pius in der Hasenheide. 20 bis 30 Päckchen sind bisher zusammengekommen.

Leiterin Rita Fromm sagt, das sei für einen kleinen Kindergarten mit nur etwas mehr als 40 Kindern beachtlich. Auch die Grundschule Wolfstein sammelt jedes Jahr Päckchen. Bisher liegen etwa 40 zur Abholung bereit, Schulleiterin Annette Pichl rechnet damit, dass es bis zum Abholtermin am 21. November etwa 60 sein werden.

Einrichtungen vermissen „Geschenke mit Herz“

Nur die Kindertagesstätte Spatzennest in Kemnath und das Donauer Kinderhaus in Neumarkt sind nicht so zufrieden mit ihrer diesjährigen „Ausbeute“. Die Leiterinnen Isolde Fischer und Regina Pflüger können sich nicht erklären, warum sie in diesem Jahr so viel weniger Päckchen gesammelt haben als in den vergangenen Jahren. 14 beziehungsweise zehn Päckchen sind es 2019 nur gewesen. Dennoch kündigten beide im MZ-Gespräch an: „Wir sind nächstes Jahr wieder dabei.“

Was zum Spielen und zum Anziehen, was zum Naschen und zum Waschen. Das darf alles in ein Geschenkpäckchen. Foto: Selendt
Was zum Spielen und zum Anziehen, was zum Naschen und zum Waschen. Das darf alles in ein Geschenkpäckchen. Foto: Selendt

Seit 2003 fleißige Päckchensammlerin ist auch Elisabeth Braun aus Postbauer-Heng. Sie sammelt für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. 230 davon hat sie in ihrer Garage schon in große Kisten verpackt, bald werden sie abgeholt. Was sie seit Neuestem nicht mehr machen muss: Selbst kontrollieren, ob die Spender auch das „Richtige“ eingepackt haben.

Erlaubt sind nämlich nur neue oder neuwertige Spiel- oder Waschsachen oder Kleidung, Süßigkeiten mit langem Haltbarkeitsdatum oder Schulmaterialien. Dabei hat die gelernte Krankenschwester das immer gern gemacht. Zusammen mit Bekannten hat sie mehrere Tage lang jedes einzelne Päckchen geöffnet und geschaut, ob der Inhalt den Richtlinien entspricht.

Immer Ersatz für Ramsch-Artikel

Falls sie doch einmal Artikel aus den Kartons entfernen musste, weil sie für den Transport ins Ausland nicht geeignet waren – zum Beispiel deutschsprachige Bücher, CDs, DVDs oder Lebensmittel – hatte sie immer Ersatz parat. Selbst gestrickte Kindersocken oder Mützen, Schokolade, Buntstifte oder Hefte. Die Kontrolle der Päckchen wird nun in zwei „Weihnachtswerkstätten“ in Birkenfeld bei Pforzheim und Berlin durchgeführt.

Elisabeth Braun und einige Bekannte stricken das ganze Jahr über Kindersocken und Mützen. Die schickt sie nun als „Zupackmaterial“ mit an die Weihnachtswerkstatt von „Weihnachten im Schuhkarton“. Foto: Selendt
Elisabeth Braun und einige Bekannte stricken das ganze Jahr über Kindersocken und Mützen. Die schickt sie nun als „Zupackmaterial“ mit an die Weihnachtswerkstatt von „Weihnachten im Schuhkarton“. Foto: Selendt

Beim MZ-Besuch in Postbauer-Heng öffnet Braun dann doch zwei Päckchen und sagt: „Man merkt, dass die Menschen sich was dabei gedacht haben.“ Doch was sie während ihrer Zeit als Sammelstellenbetreiberin schon alles gesehen hat, schockiert sie auch: Lieblos verpackter Ramsch, alte Kleidung, sogar einen Stringtanga hat sie schon einmal aus einem Karton gefischt. Von anderen Sammelstellen weiß sie von Heiligenbildchen oder Kondomen.

Das kommt ins Weihnachtspäckchen

  • Erlaubt:

    Neue oder neuwertige Spielsachen, wie Kuscheltiere, Puppen, Autos, Bälle, Puzzle, Bauklötze; Süßigkeiten, die noch mindestens sechs Monate haltbar sind; Artikel zum Waschen oder Zähneputzen; neue oder neuwertige Kleidung, Schulhefte, Schreibwaren, eventuell auch eine Grußkarte, am besten in Englisch

  • Nicht erlaubt:

    Lebensmittel, deutschsprachige Bücher oder Zeitschriften, Tonträger wie CDs, DVDs und Kassetten – es sind keine Geräte zum Abspielen da; Kriegsspielzeug, Zerbrechliches oder Schuhe.

Sie will sich nicht vorstellen, welche Enttäuschung es für ein Kind wäre, einen solchen Karton zu öffnen. Gerade weil Braun selbst schon erlebt hat, wie sich die Kinder über die Geschenke freuen. Im März 2019 war sie in Rumänien dabei und hat bei der Verteilung von Kartons mitgeholfen. Für sie ein unvergessliches Erlebnis, von dem sie noch viele Jahre zehren will. Sie möchte weitermachen so lange es geht. Denn sie versichert auch: „Der überwiegende Teil der Päckchen ist mit Liebe und Sorgfalt gepackt.“

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