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Kirche

Deininger Pfarrer bereut Neujahrsrede

Norbert Zawilak betreuert: „Er habe keinen verletzen wollen.“ Unterdessen erheben Bürger neue Vorwürfe gegen den Geistlichen.

Pfarrer Zawilak äußerte sich bei der Diözese zu seiner Rede beim Neujahrsempfang.
Pfarrer Zawilak äußerte sich bei der Diözese zu seiner Rede beim Neujahrsempfang. Foto: Archiv

Deining.Der Generalvikar hat den Pfarrer von Deining, Norbert Zawilak, nach dessen umstrittener Rede beim Neujahrsempfang ins Gebet genommen. In einer Pressemitteilung teilte Isidor Vollnhals mit, die Diözese bekräftige ihren Willen, zu einem friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft beizutragen. Diesem Auftrag seien alle Mitarbeiter in der Seelsorge verpflichtet. Weiter schreibt die Diözese, sie bedauere, „wenn durch Vertreter der Kirche Unsicherheit bezüglich dieser eindeutigen kirchlichen Position sowie Verärgerung und Unfrieden verursacht wurden“.

In einem Gespräch am Dienstag in Eichstätt habe Generalvikar Isidor Vollnhals den Pfarrer von Deining eindringlich auf diese Vorgaben hingewiesen. Pfarrer Zawilak bedauere Äußerungen beim Neujahrsempfang der Gemeinde Deining, die diesem Auftrag nicht entsprochen haben oder missverstanden wurden. Die Diözese schreibt weiter: „Generalvikar Vollnhals wird im Namen des Bischofs die Pfarrgemeinderäte der Pfarrei Deining zu einem Gespräch über die Situation in der Pfarrei einladen.“

Pfarrer Norbert Zawilak hatte beim Neujahrsempfang am 9. Januar nach Aussagen von geladenen Gästen zu einem Rundumschlag ausgeholt. So soll er unter anderem auf Politik und Presse heftig geschimpft und die zunehmende Islamisierung kritisiert haben. Auch Homosexuelle soll der 49-Jährige in seiner Rede ins Visier genommen und die Prunkbauten im Bistum Limburg verteidigt haben. Einige Empfangsgäste, darunter auch der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl (CSU), beschwerten sich daraufhin beim Eichstätter Bischof.

Bei dem Gespräch mit Generalvikar Vollnhals habe Pfarrer Zawilak folgende Erklärung abgegeben: Es sei ihm bewusst geworden, dass er mit seinen Ausführungen beim Neujahrsempfang der Gemeinde Deining nicht den Weisungen des Kirchenrechts entsprochen habe, in denen es heißt: „Die Kleriker haben die Bewahrung von Frieden und Eintracht, die auf Gerechtigkeit beruhen, unter den Menschen so weit als möglich immer zu fördern.“ Er sei sich des hohen Werts einer freien Presse durchaus bewusst und stelle nicht infrage, dass gute Politik viel Gutes bewirken könne, heißt es weiter. Mit seinen Äußerungen habe er nicht beabsichtigt, Menschen zu verletzen oder zu diskriminieren. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, möglichst eindringlich Probleme in einer Weise zu artikulieren, wie sie von vielen Menschen so empfunden würden.

Ausdrücklich bedauere Pfarrer Zawilak, dass er mit seinen Worten nicht erreicht habe, Verständnis für die Sichtweise mancher Probleme in der Gesellschaft zu wecken, sondern statt dessen Menschen irritiert, verärgert oder verletzt habe.

Bürger beschweren sich bei der Diözese

Indes wandten sich einige Deininger Bürger in einem Schreiben, das der MZ vorliegt, an die Diözese Eichstätt. Darin beschweren sie sich über das Verhalten des Pfarrers.

So heißt es darin unter anderem, dass, seitdem Norbert Zawilak Pfarrer im Pfarrbezirk Deining sei, sich das Pfarrgemeindeleben sehr zum Negativen verändert habe. Grund dafür sei das nicht gesellschaftsfähige Verhalten des Pfarrers gegenüber den Pfarrangehörigen sowie sein Auftreten und Verhalten in der Öffentlichkeit.

Im Verlauf der letzten Zeit sei es zu mehreren Vorfällen unabhängig von der Neujahrsrede (wir berichteten) gekommen.

So zeige der Pfarrer Fotos seiner Jagdausflüge nach Afrika, auf denen erlegte Großwildtiere zu sehen seien, den Kindern in der Schule (dritte Klasse aufwärts). Die Jagd rechtfertige er mit den Worten „Nicht ich töte, sondern es ist die Kugel, die das Tier tötet“, teilen die besorgten Deininger in ihrem Schreiben der Diözese mit und fragen sich: „Wie ist das mit der Schöpfung Gottes vereinbar, wenn ein Pfarrer Tiere aus Spaß tötet?“

Den Kindern gedroht

Weiterhin drohe Pfarrer Zawilak Kindern ab der dritten Klasse damit, dass, wenn sie nicht folgsam seien, ihnen Teufelshörner wachsen würden.

Bei einer Beerdigung habe er in seiner Ansprache die Vermutung aufkommen lassen, dass der Verstorbene wahrscheinlich nicht in den Himmel kommen werde, da er ihn nicht in der Kirche gesehen habe. Der Pfarrer soll damals gesagt haben: „Ich habe ihn nicht in der Kirche gesehen, also wird er wahrscheinlich nicht in den Himmel kommen.“

Außerdem würden Frauen vom Pfarrer als „Weiber“ bezeichnet, die hinter den Herd gehörten und zum Kinderkriegen und -erziehen da seien. Frauen müssten nicht arbeiten, der Staat sollte hier genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

Die Messdiener seien ihm reihenweise davon gelaufen, da ein freundliches Miteinander zwischen Messdienern und ihm nicht möglich sei. Bei einer Taufe habe er laut des Schreibens der Deininger Bürger einem an Leukämie erkrankten und im Rollstuhl befindlichen Kind gesagt: „Bist Du zu faul zum Laufen?“

Zur Zeit werde das Pfarrhaus in Deining mit hohem finanziellen Aufwand renoviert. In der Vergangenheit sei es üblich gewesen, dass dort auch der Kaplan wohnte. Dies dürfe nun nach Ansicht des Pfarrers nicht mehr sein, obwohl dort genügend Platz sei.

„Wir finden es zutiefst bedauerlich, dass durch einen Gemeindepfarrer das Leben in der Pfarrgemeinde so stark gestört werden kann. In unserer Pfarrgemeinde, aber auch der weltlichen Gemeinde, gibt es ein sehr ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement. Dieses wird durch das Verhalten von Pfarrer Zawilak nicht gefördert, sondern im Gegenteil, schon jetzt ist die schwindende Motivation zu spüren. Unserer Ansicht nach ist ein weiteres fruchtvolles Zusammenwirken von Herrn Pfarrer Zawilak mit der Pfarrgemeinde nicht mehr möglich“, schreiben die Deininger Bürger – und kommen zu dem Fazit: „Er ist mit seinen Äußerungen und ‚Auftritten‘ bereits viel zu weit gegangen!“

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