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Eklat

Gläubige geschockt über den Pfarrer

Deinings Pfarrer Norbert Zawilak schimpft über Homosexuelle, gekaufte Journalisten, Politiker – und angebliche Islamisierung.
Von Nicole Selendt

Pfarrer Norbert Zawilak befindet sich derzeit im Urlaub.
Pfarrer Norbert Zawilak befindet sich derzeit im Urlaub. Foto: Archiv

Deining.Viele Deininger Bürger fühlen sich von ihrem Pfarrer, Norbert Zawilak, vor den Kopf gestoßen. Er habe in seinem Neujahrsgruß vor mehr als 200 Gästen „recht kritische Töne – in einer gewissen Schärfe – über politische Vorgänge im Land angeschlagen“, wie Bürgermeister Alois Scherer es ausdrückt. Kirchenpfleger Wolfgang Fürst wurde gegenüber dem Tagblatt deutlicher: „Er hat total das Thema verfehlt. Er hat sich als deutlich Rechtsradikaler geoutet.“ Eine überwiegende Mehrheit der Anwesenden sei zutiefst getroffen gewesen, befand Fürst.

Pfarrer Norbert Zawilak hatte in seiner Ansprache am 9. Januar sowohl die Politik, die Medien als auch Andersgläubige und Andersdenkende scharf kritisiert. Wie das Tagblatt erfuhr, habe er „Deutschland als Weltmeister im Abkassieren der Bürger“ bezeichnet und Zweifel daran ausgedrückt, dass die Menschen im Land noch freie Informationen bekommen würden. Es wurde außerdem berichtet, er habe im Stile von Pegida und der eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ die angebliche Islamisierung des Landes kritisiert und zuletzt noch Homosexuelle ins Visier genommen. Prominente Gäste wie Sengenthals Bürgermeister Werner Brandenburger oder Marianne Mederer, die Asylbewerbern in Deining Deutschunterricht erteilt, hatten daraufhin den Saal verlassen.

Bürgermeister Scherer sagte dem Tagblatt, er könne verstehen, wenn einige sich dadurch brüskiert gefühlt hätten. Schließlich sei der Neujahrsgruß des Pfarrers in der Vergangenheit immer dazu da gewesen, das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger zu loben – und hinterher „tolle und nette Gespräche“ mit den Gästen zu führen. Das sei aber diesmal nicht der Fall gewesen. Pfarrer Zawilak könne über diese Dinge denken, wie er wolle, betonte der Bürgermeister – auch wenn Scherer selbst nicht so denke. Und es ließe sich sicher über viele Teile der Rede inhaltlich diskutieren.

„Aber der Neujahrsempfang war nicht der richtige Rahmen dafür. Ich werde mir überlegen müssen, welche Konsequenzen ich für das nächste Jahr daraus ziehe“, sagte Scherer, der bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt habe, mit Zawilak über den Vorfall zu sprechen. Der Pfarrer befindet sich derzeit im Urlaub und war auch für eine Stellungnahme gegenüber dem Tagblatt nicht zu erreichen.

Mit unter den Zuhörern bei der Rede des Geistlichen saß auch der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Karl Sippl. Er beschrieb die Stimmung während der Ausführungen als betreten. Die Leute seien auf ihren Stühlen hin- und hergerutscht, hätten mit dem Kopf geschüttelt. Als „Stammtischgerede hoch zwei“ beschrieb Sippl die Rede von Zawilak und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat.“

Kirchenpfleger Wolfgang Fürst glaubt nicht, dass die Rede aus einer Laune heraus, aus Affekt so gehalten worden ist. „Er hat von einem Manuskript abgelesen – das war vorsätzlich“, sagte er dem Tagblatt. Wie es nun weitergehen soll mit dem Pfarrer in der Gemeinde, weiß er nicht. Es bräuchten wohl alle noch ein bisschen Zeit zum Nachdenken. „Hopplahopp sollten jetzt keine Entscheidung getroffen werden“, sagte Fürst.

Und das gilt nicht nur für alle Beteiligten in der Pfarrei. Denn mittlerweile wissen auch die Verantwortlichen im Bistum Eichstätt über die Vorgänge in Deining Bescheid. In einem offenen Brief, der dem Tagblatt vorliegt, hat sich der Deininger Bürger Peter Hollweck an Bischof Gregor Maria Hanke gewandt. Darin heißt es unter anderem: „Es ist gelinde gesagt eine bodenlose Frechheit, wenn sich ein Pfarrer im Jahr 2015 in einer Rede gegen Homosexuelle, Andersgläubige und die Lügenpresse innerhalb Deutschland auslässt, denn das erinnert eher an eine Zeit, die vor 70 Jahren geendet hat.“ Laut einem Sprecher des Bistums ist Pfarrer Zawilak deswegen gebeten worden, zeitnah eine Stellungnahme zu den Vorgängen in seiner Pfarrei abzugeben. Erst, wenn man alle Standpunkte kenne, werde eine Entscheidung getroffen.

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